DHB-Gegner Spanien Caramba! Was für ein Brocken!

Sensation oder Ausscheiden: Im WM-Viertelfinale trifft die deutsche Handball-Nationalmannschaft auf Top-Favorit Spanien. Es ist der Kampf zweier ähnlicher Systeme - wobei die Gastgeber über bessere Einzelspieler verfügen.

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Es wird laute Pfiffe geben, von Tausenden Menschen, eine Stunde lang. Oliver Roggisch scheint dieser Gedanke nicht zu stören. "Ganz ehrlich? Gegen Spanien vor 15.000 Zuschauern zu spielen, finde ich jetzt nicht so schlecht", sagte der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft, nachdem feststand, dass er und seine Teamkollegen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft auf den Gastgeber treffen.

Gut, es werden nicht die von Roggisch vermuteten 15.000 Zuschauer sein, die das spanische Team in Saragossa anfeuern werden. Aber auch die knapp 11.000, die in der Prinz-Felipe-Halle Platz finden, dürften für "eine hitzige Atmosphäre" (Bundestrainer Martin Heuberger) sorgen. Der Druck ist dabei klar auf Seiten der Spanier, von denen beim Turnier im eigenen Land nicht weniger als der Titel erwartet wird. Daher sagt Roggisch vor dem Spiel am Mittwochabend (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Wir haben nichts zu verlieren und können nur gewinnen."

Auf Abwehrchef Roggisch und seinen Partner im Mittelblock, Michael Haaß, wird es gegen Spanien, das neben Dänemark und Frankreich als Top-Favorit auf den Titel gilt, besonders ankommen. Auf sie wartet einer "der weltbesten Kreisläufer", wie Heuberger sagt: Der 115 Kilogramm schwere und 1,95 Meter große Brocken am Kreis heißt Julen Aguinagalde, spielt beim spanischen Spitzenclub Atlético Madrid (ehemals Ciudad Real) und ist von den gegnerischen Abwehrreihen kaum zu halten. Der 30-Jährige ist nicht nur selbst torgefährlich, er verschafft seinen Teamkollegen mit seinem massigen Körper wichtige Lücken.

Spanien stark über Tempogegenstöße

"Da kommt Schwerstarbeit auf unsere Abwehr zu", sagt Heuberger, der damit nicht nur Aguinagalde gemeint haben dürfte. Denn die große Offensivstärke der Spanier ist - ähnlich wie beim deutschen Team - die Ausgeglichenheit. Einen Haupttorschützen, einen einzelnen Spieler, auf den man sich konzentrieren könnte, gibt es beim Gastgeber nicht. Beleg dafür ist unter anderem das Achtelfinale, als beim beeindruckenden 31:20-Sieg über Serbien gleich elf verschiedene Spieler für Spanien trafen.

Bester Torschütze gegen den Vize-Europameister war Rechtsaußen Albert Rocas (sieben Treffer) vom FC Barcelona. Sein Pendant auf Linksaußen heißt Valero Rivera (HBC Nantes). Über diese beiden laufen zumeist die Tempogegenstöße nach Balleroberung, für die die aggressive 6:0-Abwehr die Grundlage ist - noch eine Parallele zum deutschen Team.

Organisiert wird die spanische Defensive von Viran Morros (FC Barcelona), der als einer der besten Abwehrspieler der Welt gilt - wie auf der anderen Seite Roggisch. Dahinter verfügen die Gastgeber in José Manuel Sierra (Paris St. Germain) und Arpad Sterbik (FC Barcelona) über zwei starke Torhüter - auch das verbindet beide Teams, denn sowohl Silvio Heinevetter als auch Carsten Lichtlein zeigten bei dieser WM teils hervorragende Leistungen.

"Bei den Deutschen opfern sich alle für die Mannschaft auf, sie haben ein Superteam", sagt Spaniens Trainer Valero Rivera, der dagegen über die besseren Einzelspieler verfügen dürfte. Vor allem im Rückraum, wo unter anderem Daniel Sarmiento (FC Barcelona) und der 36-jährige Altstar Alberto Entrerríos (HBC Nantes) agieren. Handballer dieses Formats fehlen Heuberger in seinem Team. Daher könnte diese individuelle Klasse am Ende den Unterschied machen zwischen Halbfinale und Ausscheiden.

Zudem ist das spanische Team deutlich erfahrener, ein Großteil der Mannschaft spielt schon seit Jahren zusammen - und das sehr erfolgreich. Gold bei der WM 2005, Silber bei der EM 2006 sowie Bronze bei der WM 2011 und den Olympischen Spielen 2008 sind die größten Erfolge der vergangenen Jahre. Bei der EM in Serbien vor zwölf Monaten verlor Spanien im Halbfinale nur knapp gegen den späteren Titelträger Dänemark (24:25), wurde am Ende Vierter. Für Deutschland war damals schon nach der Hauptrunde Schluss.

Bessere Einzelspieler, ein starker Rückraum, mehr Erfahrung: Auch vor dem letzten Gruppenspiel der Deutschen bei diesem Turnier sprach all dies für den Gegner Frankreich. Das Ergebnis ist bekannt, Deutschland gewann gegen den Titelverteidiger 32:30. Einer der besten im DHB-Team war dabei Heinevetter. Und der Keeper stellt vor dem Duell gegen Spanien klar: "Das Halbfinale ist das Ziel."

insgesamt 7 Beiträge
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Wunderläufer 23.01.2013
1. Wieso Pleite?
Vor Beginn dieser WM war Deutschland "die Unbekannte" und das Erreichen des Achtelfinales angestrebt. Nun hat die Mannschaft sich selbst und alle Unken rufenden eines Besseren belehrt. Auch gegeb Spanien sollte das Team ohne Druck aufspielen können, denn auch ein Ausscheiden wäre keine Schande, keine Pleite. Allein schon mit dem Erreichen des Viertelfinals darf von ERFOLG geredet werden
Tomaire 23.01.2013
2. Sterbik?
Kann doch nicht sein, dass der jetzt auch noch für Spanien spielt?! Ist das lächerlich!
giricek7 23.01.2013
3. Sterbik?
Zitat von TomaireKann doch nicht sein, dass der jetzt auch noch für Spanien spielt?! Ist das lächerlich!
Sterbik spielt schon seit Jahren für Spanien. Meines Wissens ist er der einzige eingebürgerte Spanier.
Direwolf 23.01.2013
4. Andere Regel als im Fußball
Zitat von giricek7Sterbik spielt schon seit Jahren für Spanien. Meines Wissens ist er der einzige eingebürgerte Spanier.
Im Handball ist es halt so, dass man mit der Staatsbürgerschaft auch eine Spielberechtigung für die Nationalmanschaft bekommt - glaube mit 1-2 Jahren Sperre. Eine Regel wie im Fußball, wo man nach dem ersten Pflichtspiel nicht mehr für ein anderes Land auflaufen kann gibt es nicht. Ansonsten stimme ich dem Artikel durchaus zu. Spanien ist eindeutig der Favorit, aber was solls, das DHB Tema hat schon viel mehr erreicht als ich ihm zugetraut hätte.
jujo 23.01.2013
5. ....
Zitat von WunderläuferVor Beginn dieser WM war Deutschland "die Unbekannte" und das Erreichen des Achtelfinales angestrebt. Nun hat die Mannschaft sich selbst und alle Unken rufenden eines Besseren belehrt. Auch gegeb Spanien sollte das Team ohne Druck aufspielen können, denn auch ein Ausscheiden wäre keine Schande, keine Pleite. Allein schon mit dem Erreichen des Viertelfinals darf von ERFOLG geredet werden
Sehe ich genauso. Die jungen deutschen Spieler haben jetzt schon mehr erreicht als ihnen vor Turnierbeginn zugetraut wurden, heute heist es "vamos" die Spanier packen wir und danach ist alles möglich!!
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