Handball-WM der Frauen "Jede kämpft für die andere"

Sie ist eine der besten Handballspielerinnen der Welt und will mit dem deutschen Team bei der morgen beginnenden WM für Furore sorgen. Mit SPIEGEL ONLINE spricht Nadine Krause über sportliche Ziele, weibliche Solidarität und männliche Dominanz.


SPIEGEL ONLINE: Frau Krause, morgen beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Welche Ziele hat sich die deutsche Nationalmannschaft gesteckt?

Krause: Wir haben mit der Ukraine, Paraguay und Südkorea eine sehr schwere Vorrunde, wollen aber wieder wie bei der Europameisterschaft 2006 ins Halbfinale – schon wegen der Olympiaqualifikation. Denn wir können nur noch bei dieser WM das olympische Qualifikationsturnier erreichen.

Rückraum-Ass Krause: "Das Interesse der Leute wecken"
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Rückraum-Ass Krause: "Das Interesse der Leute wecken"

SPIEGEL ONLINE: Was sind die Stärken des deutschen Teams, was die Schwächen?

Krause: Wir sind ein sehr ausgeglichenes Team und halten zusammen. Jede kämpft für die andere. Uns fehlt aber manchmal die Geduld, gerade im Angriff. Und unser Spiel muss noch konstanter werden. Es ist entscheidend, dass man aus den Einzelspielerinnen, die aus den einzelnen Vereinen kommen, ein Team bildet. Das muss immer wieder aufgefrischt und verfeinert werden. Deswegen haben wir zuletzt im Training auch am Feinschliff gearbeitet. An den Absprachen in der Abwehr, an den Laufwegen im Angriff. Das muss alles automatisiert werden, damit jede weiß, wo die andere gleich hinläuft.

SPIEGEL ONLINE: Welche Teams sehen sie bei der WM als größte Konkurrenten?

Krause: Norwegen natürlich, Russland als Titelverteidiger, die Rumäninnen und Frankreich als Gastgeber. Man weiß auch nie, wie Südkorea drauf ist. Die haben sich noch nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert und wenn man sich die vergangenen Jahre anguckt, waren sie dort immer im Finale (Gold 1988 und 1992, Silber 1996 und 2004; die. Red.).

SPIEGEL ONLINE: Sie sind im Sommer von Leverkusen nach Kopenhagen gewechselt. Was sind die markantesten Unterschiede zwischen der Frauen-Liga in Deutschland und der in Dänemark?

Krause: Das Spiel in Dänemark ist ein bisschen körperbetonter als in Deutschland und auf seine Art schneller. In Leverkusen haben wir viel über Tempogegenstöße gespielt und hier in Kopenhagen machen wir viel über den Spielaufbau. Außerdem ist der Frauenhandball hier populärer als der Männerhandball. Zwei Spiele der Damen werden pro Woche live im Fernsehen übertragen, in manchen Hallen habe ich schon vor 3000 bis 4000 Zuschauern gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die hohe Popularität des Frauenhandballs in Dänemark zu erklären?

Krause: Das hat seine Gründe sicherlich in der Vergangenheit. Die dänischen Frauen waren ja schon immer sehr erfolgreich. Das begann zu Zeiten Anja Andersens (Olympiasieg 1996, WM-Titel 1997; die Red.). Damals haben sie ja fast bei jedem Großereignis eine Medaille geholt. Und Dänemark ist kein großes Land und so haben sie die Popularität auf sich gezogen.

SPIEGEL ONLINE: War das auch ein Grund, weshalb Sie nach Dänemark gewechselt sind?

Krause: Hier gibt es die stärkste Liga der Welt und es war schon immer ein Traum von mir hier zu spielen. Und im Sommer konnte ich mir den endlich verwirklichen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielten finanzielle Aspekte?

Krause: Ich wollte unbedingt aus handballerischen Gesichtspunkten hier hin.

SPIEGEL ONLINE: Sie werden in Dänemark nicht großzügiger entlohnt als bei Bayer Leverkusen?

Krause: Es stimmt schon, man bekommt in Dänemark mehr Geld als in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Warum wird der Frauenliga in Deutschland im Gegensatz zur Männerliga so wenig Beachtung geschenkt?

Krause: Ich glaube das hat schlicht und einfach mit dem vorhandenen Erfolg zu tun. Das hat bei den Männern ja auch erst vor ein paar Jahren angefangen, ist über die Erfolge der Nationalmannschaft gewachsen. Man muss das Interesse der Leute eben wecken, und das macht man am besten durch Erfolg.

Das Interview führte Frieder Schilling

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