Sieg über Montenegro: Deutsche Handballer ziehen ins WM-Achtelfinale ein

Minimalziel erreicht: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat es bei der Weltmeisterschaft in Spanien in die K.o.-Runde geschafft. Gegen Montenegro gelang dem Team von Trainer Martin Heuberger ein deutlicher Erfolg. Im Duell mit Frankreich geht es am Freitag nun sogar um den Gruppensieg.

DHB-Spieler Klein: Jubel über Sieg gegen Montenegro Zur Großansicht
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DHB-Spieler Klein: Jubel über Sieg gegen Montenegro

Hamburg - Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der WM in Spanien ins Achtelfinale eingezogen. In Granollers besiegte die DHB-Auswahl Montenegro 29:21 (13:11). Durch den dritten Sieg im vierten Spiel der Vorrundengruppe A hat sich das Team von Bundestrainer Martin Heuberger vorzeitig für die K.o.-Runde qualifiziert. Beste deutsche Werfer waren Dominik Klein und Christoph Theuerkauf mit jeweils vier Treffern.

Der Held des deutschen 31:27-Sieges gegen Argentinien, Torwart Carsten Lichtlein, musste gegen Montenegro wieder auf der Bank Platz nehmen. Heuberger setzte in seiner Startformation auf Silvio Heinevetter als Keeper. "Wir haben zwei gute Torhüter dabei. Ich habe immer gesagt, dass Silvio Heinevetter die Nummer eins ist", so Heuberger vor der Partie.

Heinevetter schien zunächst verunsichert und parierte in der ersten Halbzeit nur drei Bälle. Dabei konnte er sich aber auf seine Abwehr verlassen: Mit ihrer aggressiven 6:0-Deckung stellte die DHB-Auswahl die Montenegriner, gegen die sie in der EM-Qualifikation Anfang November noch verloren hatten, vor große Probleme. Immer wieder erkämpfte sich Heubergers Mannschaft Bälle für erfolgreiche Tempogegenstöße. Besonders der deutsche Mittelblock mit Kapitän Oliver Roggisch und Spielmacher Michael Haaß bot eine starke Leistung.

Nach einem 7:8-Rückstand in der 18. Minute wurden die Deutschen auch im Angriff besser. Der Lohn: die 12:8-Führung in der 24. Minute. Bis zur Pause schlichen sich aber wieder einige Unkonzentriertheiten ins deutsche Spiel ein. Auch nach dem Wechsel lief es in der Offensive zunächst nicht rund. So dauerte es bis zur 36. Minute, ehe Haaß der erste Treffer gelang - doch der wirkte befreiend.

Bundestrainer Heuberger dämpft die Euphorie

Ein erfolgreicher Tempogegenstoß brachte wieder vier Tore Vorsprung (18:14/39. Minute). Bis zur 43. Minute zog die DHB-Auswahl auf 21:14 davon - die Vorentscheidung gegen ab dieser Phase überfordert wirkende Gegner. Souverän konnte das deutsche Team den Sieg über die Zeit bringen.

"Der Druck war da. Montenegro hatte die letzte Chance. In der Abwehr haben wir Beton angerührt, das war die Grundlage. Dadurch haben wir viele einfache Tore im Gegenstoß erzielt", sagte der Bundestrainer nach der Begegnung. Heuberger warnte gleichzeitig vor Euphorie: "Wir wollen schön auf dem Boden bleiben. Das ist ein Lernspiel für uns. Im Achtelfinale greifen wir wieder an."

Mit einem Sieg im abschließenden Vorrundenspiel am Freitag (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Weltmeister Frankreich (35:23-Erfolg gegen Argentinien) kann sich das deutsche Team sogar den Gruppensieg sichern. Montenegro hat mit 0:8 Punkten dagegen keine Chance mehr, die Runde der besten 16 zu erreichen.

Tunesien dagegen hat den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale verpasst. Der Afrikameister, der im zweiten Vorrundenspiel noch Deutschland besiegt hatte, verlor gegen Brasilien 22:27 (11:13). Ohne ihren starken Rückraumspieler Amine Bannour, der sich am Vortag beim 27:25 gegen Montenegro den Daumen der linken Wurfhand gebrochen hatte, erlitten die Nordafrikaner ihre zweite Turnier-Niederlage. Brasilien hat durch den Erfolg wie Tunesien zwei Siege auf dem Konto und kann noch auf die Qualifikation für das Achtelfinale hoffen.

Die Runde der besten 16 haben derweil Russland und Mazedonien durch ein 29:29 (16:13) erreicht. Beide Teams folgten in der Gruppe B Europameister Dänemark ins Achtelfinale, der 36:28 gegen Island gewann. Zudem siegte Katar 31:23 gegen Chile und kann durch einen Erfolg im letzten Gruppenspiel gegen Island noch die K.o.-Runde erreichen.

Deutschland - Montenegro 29:21 (13:11)
Deutschland:
Heinevetter, Lichtlein - Klein (4), Theuerkauf (4), Weinhold (3), Wiencek (3), Haaß (3), Reichmann (3), Schmidt (3/3), Pfahl (2), Groetzki (), Christophersen (1), Kneer (1), Strobel, Fäth, Roggisch
Montenegro: Mijatovic, Simic - Melic (7/2), Vujovic (3), Markovic (3), Sevaljevic (3), Roganovic (2), Grbovic (1), Osmajic (1), Milasevic (1).
Schiedsrichter: Badura/Ondogrecula
Zuschauer: 3700

psk/dpa/sid

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Heuberger ist das Problem
pommes49 16.01.2013
wer die Spiele und besonders die Auszeiten verfolgt, der bekommt so langsam einen Eindruck von der Unfähigkeit des Bundestrainers. Typisch war heute das kurze Halbzeitinterview mit Roggisch und das was davor abging. Die Mannschaft ist besser als ihr Trainer. Und bleibt es hoffentlich auch.
2. läuft doch
btsvschorse 17.01.2013
Gegen alle Erwartungen steigert sich die Mannschaft, sowohl in der Abwehr wie auch im Angriff. Das sah doch teilweise schon ganz gut aus. Wenn jetzt auch noch Heinevetter sich dem Niveau seiner Abwehr anpasst...... ;-) Gegen Frankreich können die Jungs mal schauen, wie Handball richtig geht und dann schauen wir mal wer im Achtelfinale auf uns wartet!
3. Torwart
boatman55 17.01.2013
Die Torwartdiskussion erinnert mich irgendwie an alte 'Helmut Schoen-Zeiten' im Fussball-Nationalteam. Da waren auch gewisse Leute immer gesetzt, egal wie miserabel ihre Leistungen waren. Nur wenn es 5 Minuten vor Ende dann kritisch wurde, hat man mit einer Art 'Panikauswechslung' probiert, das Unabwendbare abzuwenden. Hat leider nie funktioniert. Ich hoffe, dass unser Handball-Bundestrainer sich nicht in aehnlicher Weise weiterentwickelt. Wenn die Nummer 2 im Handballtor besser haelt als die 'Nummer 1', dann sollte er konsequent eingreifen.
4. Einfallslos
zost17 17.01.2013
Zitat von pommes49wer die Spiele und besonders die Auszeiten verfolgt, der bekommt so langsam einen Eindruck von der Unfähigkeit des Bundestrainers. Typisch war heute das kurze Halbzeitinterview mit Roggisch und das was davor abging. Die Mannschaft ist besser als ihr Trainer. Und bleibt es hoffentlich auch.
Ich will nicht groß direkt über den Trainer urteilen, dafür habe ich die Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten zu wenig verfolgt. Aber auffällig ist, dass nach dem Tunesien Spiel davon gesprochen wird, dass es "kein Beinbruch" sei und man "zufrieden mit der Leistung des Teams" ist. klar war es kein Beinbruch, man hat das Achtelfinale erreicht. Aber Hallo? es war Tunesien, nicht Russland, Dänemark, Schweden, Frankreich, Spanien, Ungarn, Slowenien, Polen oder Kroatien. Gegen diese Mannschaften kann man mal verlieren und zufrieden mit der Leistung sein, aber doch nicht gegen Tunesien. Im Spiel gegen Tunesien stand deren Abwehr ziemlich sicher und aggressiv. Im Stellungsangriff ist uns nichts eingefallen. Als Auftakthandlung meist ein langsames Kreuz, was im Endeffekt nur einen Positionswechsel von Mitte und Halb ist, ohne Druck, der Gegner muss sich ja gar nicht bewegen. Das sieht doch alles sehr einfallslos aus. Das Spiel gestern gegen Montenegro wurde doch auch "nur" durch die Gegenstöße gewonnen. Abwehr können wir halt noch in Deutschland, zumindest gegen Teams die nicht in die erweiterte Weltspitze gehören. Wenn da eine Mannschaft kommt, die nicht so viele Bälle vertändelt, dann siehts aber wieder düster aus. Selbst gegen Argentinien tun wir uns wahnsinnig schwer. Da rettet uns kurz vor Schluss Carsten Lichtlein mit etlichen Paraden den Sieg. Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn Argentinien nochmal auf ein Tor herangekommen wäre. Aber wie immer liegt das Problem tiefer, und war auch schon zu Heiner Brand Zeiten so. Deutsche junge Spieler spielen nicht in Topclubs. (seidenn sie sind Außen oder Kreisläufer) auf den Schlüsselpositionen im Rückraum müssen wir auf Spieler zurückgreifen, die nicht der Weltspitze angehören. Das ist keine Kritik an den Spielern. Auch keine an der Jugendförderung (dort sind wir ja erfolgreich). Zu selten bekommen deutsche junge Spieler die Chance sich auf hohem Bundesliga zu entwickeln und auch einmal Fehler zu machen zu dürfen. Dann darf man auch an die Nationalmannschaft keine zu hohen Erwartungen stellen. Hoffen wir das beste gegen Frankreich und auf ein gutes Achtelfinale. das Viertelfinale ist drin. vielleicht auch das Halbfinale. Mehr aber leider auch nicht. Der Teamgeist stimmt, ich wünsche der sympathischen Mannschaft alles gute.
5. Heuberger nicht unterschätzen
hejasverige 17.01.2013
Das einzige was dem Mann fehlt, er ist nicht so telegen wie ein Brandt, Baue oder, Kretsche. Das er ein Fachmann ist, wissen alle die das Geschehen verfolgen, sonst wäre er nicht Junioren Weltmeister geworten. So nach und nach holt er sich dies Jungs in den A- Kader. Die machen Spass und sind ehrgeizig. Da ist noch einiges zu erwarten, wenn auch noch nicht gleich bei dieser WM. Im Moment läuft dennoch alles nach Plan. Noch ein Satz zu den Torhütern: klar war Heinevetter schon besser, aber gestern hat's gereicht. Er wird sich steigern und dann ist es Heuberger, der ihn nicht gleich fallen gelassen hat.
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Handball-WM

Was schafft die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde in Spanien?


Fotostrecke
Handball-Nationalmannschaft: Der deutsche WM-Kader
DHB-Kader
Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Die deutschen Gruppengegner
Brasilien
Die Handball-WM in Spanien ist für die junge brasilianische Mannschaft nur eine Durchgangsstation, das Ziel heißt Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land wollen die Spieler mit ihrem spanischen Trainer Jordi Ribera für Furore sorgen. "Wir müssen den jungen Spielern die Chance auf internationale Erfahrungen einräumen - auch auf Kosten nicht so guter Ergebnisse", sagte Ribera vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Bei den Panamerikanischen Spielen verlor die Mannschaft, die in Linksaußen Felipe Borges (Leon) und Rückraumspieler Thiagus Santos (Ciudad de Logrono) lediglich über zwei Legionäre verfügt, erst im Finale gegen Argentinien (21:22). - Bilanz gegen Deutschland: 7 Spiele, 7 Niederlagen. sid
Tunesien
Afrikameister Tunesien hat sich im Welthandball zu einer festen Größe entwickelt und nimmt in Spanien zum zehnten Mal in Folge an einer WM teil. Beste Platzierung war Platz vier bei der WM 2005 im eigenen Land. Nach dem Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in London traten einige erfahrene Akteure zurück. Die Mannschaft des französischen Trainers Alain Portes befindet sich im Umbruch. Die Hoffnungen ruhen auf dem künftigen Kieler Rückraumspieler Wael Jallouz. - Bilanz gegen Deutschland: 9 Spiele, kein Sieg, ein Unentschieden, acht Niederlagen. sid
Montenegro
Einst im Handball kaum von Bedeutung, ist das Selbstvertrauen von Montenegro bei der WM groß. Nachdem das Team von Trainer Zoran Kastratovic in der Qualifikation im Sommer den späteren Olympiazweiten Schweden rausgeworfen hatte, landeten sie vor zwei Monaten den nächsten Coup: Der 31:27-Erfolg zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Deutschland markiert eine der schwärzesten Stunden der jüngeren deutschen Handball-Vergangenheit. "Wir haben der Welt gezeigt, dass auch Montenegro Handball spielen kann", sagte Kastratovic. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme wollen die montenigrinischen Männer nun aus dem Schatten ihrer Landsfrauen treten, die im Dezember die EM gewannen und bei den Spielen von London Silber holten. - Bilanz gegen Deutschland: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen. sid
Argentinien
Panamerikameister Argentinien will bei der Handball-WM an die starken Leistungen der letzten interkontinentalen Titelkämpfe anknüpfen. Vor zwei Jahren besiegten die Gauchos in der Vorrunde zunächst Gastgeber Schweden und zwangen die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz elf danach zweimal sensationell in die Verlängerung. "Wir wollen das letzte WM-Ergebnis bestätigen und hoffen, die Gruppenphase zu überstehen", sagte Spielmacher Sebastian Simonet. Bei den Olympischen Spielen in London verpasste Argentinien das Viertelfinale knapp durch ein 23:25 im entscheidenden Spiel gegen Tunesien. Das Turnier beendeten die Südamerikaner auf dem zehnten Platz. - Bilanz gegen Deutschland: 2 Spiele, 2 Niederlagen. sid
Frankreich
Olympiasieger Frankreich kann bei der Handball-WM Geschichte schreiben und als erste Mannschaft überhaupt zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden. "Wir sind niemals satt. Wir wissen, was wir schon gewonnen haben und was wir gewinnen können. Das stärkt das Selbstvertrauen", sagte Torhüter Thierry Omeyer vom deutschen Meister THW Kiel. Neben Omeyer zählen der Kieler Welthandballer Daniel Narcisse, Nikola Karabatic und Luc Abalo zu den Stars der Mannschaft von Trainer Claude Onesta. Allerdings sind auch die Franzosen nicht unschlagbar. Bei der EM 2012 in Serbien belegte Frankreich nur Platz elf. - Bilanz gegen Deutschland: 68 Spiele, 26 Siege, 7 Unentschieden, 35 Niederlagen. sid