Deutschland gewinnt WM-Auftakt Kein Grund, sich zu entschuldigen

Der WM-Auftakt hat gezeigt: Bundestrainer Christian Prokop liegt mit seinen Ideen richtig. Nur ein Spontanurlauber störte die Freude.

Christian Prokop
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Christian Prokop

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#Sorrynotsorry I: Mit diesem Hashtag verabschiedet sich Handballnationalspieler Tobias Reichmann in den spontan gebuchten Urlaub nach Orlando, Florida. Er war von Bundestrainer Christian Prokop nicht für die Weltmeisterschaft im eigenen Land nominiert worden und postete wenige Stunden vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Mannschaft ein Bild vom Flughafen.

Während der WM könnte Reichmann theoretisch nachnominiert werden. Ob Prokop das tun wird, ist fraglich. Reichmanns Äußerungen kamen bei Prokop jedenfalls nicht gut an. "Jeder muss selber sehen, was er für ein Zeichen setzt und wie er die Mannschaft unterstützt", sagte Prokop.

Das Ergebnis: Auch ohne Reichmann lief es gut für die deutsche Mannschaft. 30:19 (17:10) gewann sie gegen Korea.

Die Eröffnungsfeier
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Die Eröffnungsfeier

Brimborium vor dem Spiel: 40 Minuten vor dem Anpfiff lud der Weltverband IHF zur Eröffnungsfeier - oder wie auch immer man eine Zeremonie bezeichnen möchte, bei dem acht Tänzer über den Hallenboden kriechen und ein unbekannter Sänger die Electro-Pop-Hymne der WM schmettert. Immerhin hieß der Musiker wie ein Weltmeister von 2007, Dominik Klein. Clever eingefädelt.

Erste Halbzeit: War hektisch, aber auch unterhaltsam, weil Korea überraschend frech mitspielte. Das erste Tor dieser WM war dann auch ein koreanisches, erzielt von Jung Su-young. Dass Deutschland anschließend immer besser ins Spiel fand und mit einer 17:10-Führung in die Pause ging, lag auch an der individuellen Überlegenheit. Die wurde immer dann besonders deutlich, wenn Linksaußen Uwe Gensheimer am Ball war.

Noch mehr hatte die Pausenführung aber mit der Leistung von Torhüter Andreas Wolff zu tun. An seinen Paraden verzweifelte ganz Korea, am Ende hatte er sagenhafte 56 Prozent aller Würfe abgewehrt. Fast unnötig zu erwähnen, dass er später zum Spieler des Spiels bestimmt wurde.

Korea macht Spaß: Obwohl das koreanische Team in der ersten Hälfte immer wieder einfache Tore kassierte, bereitete es den Zuschauern Freude. Mutig versuchten sie bei einem Zehn-Tore-Rückstand sogar den Kempa-Trick. Vor allem aber überzeugte Koreas Torwart.

Mit 18 Paraden zeigte Jaeyong Park sogar drei mehr als sein Gegenüber Andreas Wolff. Regelmäßig scheiterte die deutsche Offensive am glänzenden Park, der überragende 39 Prozent der Bälle abwehren konnte. Allein Patrick Groetzki verzweifelte zweimal allein vor Park.

Zweite Halbzeit: Zeigte, dass Bundestrainer Christian Prokop personell und taktisch über Alternativen verfügt. Als Silvio Heinevetter im Tor stand, Paul Drux den Rückraum ordnete und Matthias Musche über Linksaußen kam, wurde das Spiel nicht schlechter, nur anders. Und Jannik Kohlbacher, eigentlich Kreisläufer, zeigte in einigen Situationen, dass er auf dem Feld durchaus auch einen brauchbaren Rechtsaußen geben kann. Prokop hatte das ja schon länger geahnt.

Christian Prokop
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Christian Prokop

#Sorrynotsorry II: Es war im Vorfeld dieser Weltmeisterschaft viel über die Kadernominierung durch Prokop gesprochen worden. Bei der Europameisterschaft 2018 hatte Prokop überraschend Abwehrchef Finn Lemke zu Hause gelassen - und sich kräftig verspekuliert. In diesem Jahr strich Prokop Tobias Reichmann, auch das kam für viele überraschend. Im deutschen Kader steht mit Patrick Groetzki nur noch ein Spezialist für die Rechtsaußenposition bereit.

Prokop tat das auch, um die Defensive zu stärken, und weil er wusste oder zumindest ahnte, dass unter seinen drei Kreisläufern mit Kohlbacher einer ist, der auch auf rechts spielen kann. Und wenn Reichmann aus seinem Spontanurlaub ein launiges #sorrynotsorry schickt, dann darf Prokop mit einem #sorrynotsorry antworten.



insgesamt 7 Beiträge
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noalk 11.01.2019
1. 56 % Wurfabwehrquote
Wie's das Bild schon ausdrückt: The Wallf. Möge es so weitergehen.
janke-rastede 11.01.2019
2. Handball WM
Das war nicht mehr als ein schlechtes Trainingsspiel. Was die Nationalspieler da verballert haben, war einfach nur schlecht. Der Koreanische Torwart ist immer wieder angeworfen worden. Richtig gut gehalten hat der gar nicht !!
U. Sielaff 11.01.2019
3. Gelungener Auftakt
Warum jetzt alle auf Reichmann eindreschen erschließt sich mir nicht. Wieder eine nicht nachvollziehbare Personalentscheidung von Prokop. Nur einen Rechtsaußen auf eine lange WM mitzunehmen ist ein größerer Fehler als damals, auf Lemke zu verzichten. Dass er dann frustriert in den Urlaub fährt anstatt zu Hause zu hoffen, vielleicht nachnominiert zu werden, ist auch verständlich. Reichmann wird jetzt 31 und hat damit den größten Teil seiner Nationalmannschaftskarriere wohl hinter sich. Von daher wird er sich das wohl gut überlegt haben... Jedenfalls scheint Prokop sich der Mannschaft etwas geöffnet zu haben, er hat also aus den alten Fehlern gelernt. Das gibt Hoffung.
Pless1 11.01.2019
4.
Zitat von U. SielaffWarum jetzt alle auf Reichmann eindreschen erschließt sich mir nicht. Wieder eine nicht nachvollziehbare Personalentscheidung von Prokop. Nur einen Rechtsaußen auf eine lange WM mitzunehmen ist ein größerer Fehler als damals, auf Lemke zu verzichten. Dass er dann frustriert in den Urlaub fährt anstatt zu Hause zu hoffen, vielleicht nachnominiert zu werden, ist auch verständlich. Reichmann wird jetzt 31 und hat damit den größten Teil seiner Nationalmannschaftskarriere wohl hinter sich. Von daher wird er sich das wohl gut überlegt haben... Jedenfalls scheint Prokop sich der Mannschaft etwas geöffnet zu haben, er hat also aus den alten Fehlern gelernt. Das gibt Hoffung.
Aus meiner Sicht machen Sie den gleichen Fehler bei der Betrachtung der Nichtnominierung Reichmanns wie der Spieler selbst: Sie betrachten das nur aus dem Blickwinkel des Spielers. Handball ist ein Mannschaftssport, da zählt das Team. Einzelschicksale müssen sich dem Teamerfolg unterordnen. Seinen Mannschaftskameraden mit so einem Posting in den Rücken zu fallen und damit Unruhe in die Mannschaft zu tragen ist in höchstem Maße unprofessionell. Wenn es noch einer Erklärung bedurft hätte, warum man Reichmann trotz seiner sportlichen Qualitäten nicht mitnimmt hat Reichmann diese nun selbst auf dem Silbertablett serviert. Ich halte es allerdings für verfrüht, jetzt schon zu konstatieren, dass Prokop mit seinen Ideen richtig liegt. Die beherzt aufspielenden Koreaner waren dafür einfach noch kein Prüfstein. Ein gelungener Auftakt, ein gutes Auftreten - alles ist bis hierher im Soll. Wie weit das trägt wird sich erst später zeigen, wenn es auch sportlich ernst wird.
kub.os 11.01.2019
5. Reaktion von Reichmann
Jetzt hat Reichmann quasi selbst den Grund für seine Ausbootung geliefert. Erst will er zu den 16 Freunden zählen und nach Aussortierung - ganz schlechter Stil - wird hintenrum auf die 16 Handballfreunde eingetreten. Herr Prokop, alles richtig gemacht. Das ist kein Teamplayer.
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