Handball-Sieg über Spanien Ein gutes Gefühl

Die Stimmung beim Sieg der deutschen Handballer gegen Spanien war gut - eine wilde Euphorie wie bei den wichtigeren Matches stellte sich diesmal aber nicht ein. Ist das okay so - oder von Nachteil für das Halbfinale gegen Norwegen?

DPA

Aus Köln berichtet


Andreas Wolff saß auf der Bank, er hatte bereits seinen Trainingsanzug über das Trikot gezogen. Als würde er nur noch auf die Weiterfahrt nach Hamburg warten. Aber das Spiel gegen Spanien lief noch, und Wolff wurde doch noch gebraucht. Die deutsche Nummer eins sollte bei einem Siebenmeter für seinen Vertreter Silvio Heinevetter ins Tor.

Die deutschen Handballer führten zwar mit vier Toren, noch war aber nichts entschieden, die 51. Minute lief. Doch Wolff wirkte abwesend. Es vergingen mehrere Sekunden, bis er auf die Hinweise der Teamkollegen reagierte. Den Siebenmeter konnte Wolff nicht abwehren, aber das war an diesem Abend auch nicht mehr besonders wichtig.

Wenn schon Andreas Wolff in einem WM-Spiel träumerisch wirkt, dann kann wirklich etwas nicht stimmen. Man ist ganz andere Szenen von ihm gewohnt: Reflexe, Abwürfe, Jubel. Aber diesmal war auch etwas anders: Am Montag hatten die Fans in der Kölner Arena noch einen packenden Sieg über Kroatien gesehen und den vorzeitigen Halbfinaleinzug gefeiert. Zehn Millionen Zuschauer verfolgten das Drama im Fernsehen, drei Millionen Menschen mehr als den Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga. Handball-Fieber!

Jetzt, gegen Spanien wirkte alles eine Nummer kleiner. Die Stimmung auf den Rängen war zwar erneut gut, doch die Klatschpappen schienen an diesem Abend etwas leiser zu knallen. Die zuletzt so starke Abwehr hielt nicht so robust dagegen, was die hohe Anzahl der Gegentreffer beim 31:30-Sieg im letzten Spiel der Hauptrunde bestätigt. Aber alles nebensächlich: Weil Frankreich sein Duell gegen Kroatien bereits zuvor verloren hatte, hätte die DHB-Auswahl schon mit zehn Toren verlieren müssen, um noch auf den zweiten Platz abrutschen zu können.

Wer will zwei Gruppenphasen?

Das wirft die Frage auf, ob dieser durchaus komplizierte Modus mit einer Zwischenrunde nach der Vorrunde wirklich sinnvoll ist. Ob ein K.-o.-System nicht spannender wäre, so wie es das auch bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften gegeben hat. Dann gäbe es kein Kopfzerbrechen über Streichergebnisse aus der Vorrunde, weniger Taktieren und keine gefühlten Testspiele kurz vor dem Halbfinale, wenn das Turnier vor dem Höhepunkt steht. Stattdessen hat die WM eine kleine Pause eingelegt, zumindest aus deutscher Sicht.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die andere Hauptrundengruppe mit Deutschlands kommenden Halbfinalgegner Norwegen (Freitag, 20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und Co-Gastgeber Dänemark (Halbfinale gegen Frankreich, ebenfalls am Freitag) bis zum Schluss spannend gewesen ist.

Bundestrainer Christian Prokop sagte dazu, "als Leistungssportler ist man gewohnt, mit Druck ins Spiel zu gehen", und für Fabian Wiede war Spanien "nicht so wichtig wie gegen Kroatien". Fabian Böhm hat dennoch keine Sorge, dass die Motivation jetzt leide: "Wir alle erleben ein WM-Halbfinale in Deutschland nur einmal. Da muss niemand neu motiviert werden." Für sie sei es in dem Spiel vor allem um ein gutes Gefühl vor dem Halbfinale gegangen, und um einen "schönen Abschied aus Köln, wo die Fans uns gegen Kroatien zum Sieg gebrüllt haben", sagte Prokop. Den haben sie bekommen, die deutsche Mannschaft ist bei dieser WM weiter ungeschlagen.

Es war ein Abend der Gesten: In der Halbzeitpause durfte sich das Weltmeisterteam von 2007 vom Kölner Publikum feiern lassen. Der komplette DHB-Vorstand um Bob Hanning trug Martin-Strobel-Trikots mit der Rückennummer 19, ein Gruß an den verletzten Spielmacher, der sich am Montag gegen Kroatien das vordere Kreuzband gerissen hatte. Und Silvio Heinevetter durfte wie schon im abschließenden Vorrundenspiel gegen Serbien WM-Minuten sammeln. Der 34-Jährige kam auf acht Paraden und 32 Prozent abgewehrter Bälle.

"So können wir jeden schlagen"

Dass Deutschland eine starke Nummer zwei hinter Wolff hat, ist die eine Erkenntnis dieses Spiels. Doch das wusste man vorher schon. Die andere gute Nachricht für Prokop jedoch war das Turnierdebüt von Tim Suton. Der Bundestrainer hatte den 22-Jährigen nach der Verletzung von Strobel nachnominiert, und gegen Spanien für knapp eine halbe Stunde auf die Platte geschickt. Der Einstand verlief gut: Suton erzielte vier Treffer, er spielte mutig und probierte mehrfach, per Durchbruch zum Abschluss zu kommen - zwei Tore gelangen ihm nach solchen Einzelaktionen. Mit Fabian Böhm ragte ein weiterer Akteur aus der zweiten Reihe heraus, er kam auf fünf Tore bei fünf Würfen und wurde als Spieler der Partie ausgezeichnet.

"Wir haben einen breiten Kader", sagte Böhm später und benannte vielleicht die auffälligste Stärke, die die Hauptrunde zum Vorschein gebracht hat: Im ersten Spiel gegen Island war Steffen Fäth der Matchwinner, Fabian Wiedes Sternstunde ging gegen Kroatien auf, und diesmal glänzte Böhm. "So können wir jeden schlagen", sagte Wiede.

Das Kollektiv gilt auch als die Stärke des kommenden Gegners: Norwegen hat hinter dem trickreichen und torgefährlichen Spielmacher Sander Sagosen einige spannende Profis. Zum Beispiel Magnus Jondal von der SG Flensburg-Handewitt, der 30-Jährige hat bei dieser WM 46 Tore erzielt - bei nur 51 Würfen. Am Freitag bekommt es Jondal mit Andreas Wolff zu tun, der dann auch wieder aufmerksamer sein dürfte als in der 51. Minute gegen Spanien.

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k.os11 24.01.2019
1. Kein gutes Gefühl
...kommt bei mir während der Lektüre dieses Berichtes auf. Da frage ich mich, ob der Verfasser selbst Mannschaftssportler oder gar Handballer ist/war und mal ein längeres Turnier bestreiten musste. Ich empfinde den Ton hier als respektlos.
uwe.roennfeldt 24.01.2019
2. Kaffeesatzleserei...
... über die Stimmung in Köln. Der erste Teil des Berichts war einfach nur albern. Man bekommt das Gefühl, das hier krampfhaft Zeilen gefüllt werden mussten. Ich kann meinem Vor"redner" nur zustimmen. Außerdem wäre Frankreich bei einem Sieg der Spanier mit 8 (in Worten acht) Toren Vorsprung Gruppenerster geworden. Einfache Grundrechenarten...
gnarze 24.01.2019
3. Lieber Klatschpappen als Pyro
Ich empfinde die Stimmung als sehr gut - trotz oder geraden wegen der Klatschpappen. Das Handballpublikum ist sowieso nicht mit dem des Fußballs zu vergleichen, trotzdem wurden gegen Kroaten 107 Dezibel erreicht. Und das Spiel war ein wirklich guter Test, der aber Körner gespart hat. Die Norweger sind auch ein Brett, aber das DHB-Team bilsang ungeschlagen. Sehe eine 52:48 Chance auf das Erreichen des Finales.
der_simplizissimus 24.01.2019
4. Was soll dieser Kommentar?
Sorry SPON, aber solche Artikel könnt Ihr Euch wirklich sparen. Null Aussage, etwas Gemaule garniert mit vermeintlich kritischen Bemerkungen und ein paar lahmen Fakten. Vollkommen überflüssig! Gestern gab es ein schön anzusehendes Handballspiel vor einem gut gelaunten und fairen Publikum, ganz zu schweigen von klasse Typen auf beiden Seiten. Nicht mehr und nicht weniger.
britta.achenbach 24.01.2019
5. Unnötig
Der Sinn dieses Artikels hat sich mir leider nicht erschlossen, zur Information trägt er nicht bei. War Andi Wolff nicht bei der Sache? Weiß er allein. Wäre eine KO-Runde besser als eine zweite Gruppen-Runde? Es ist (im Moment) nun mal wie es ist. Das Spiel gestern hat jedenfalls nicht darunter gelitten, und wäre es verloren oder unentschieden ausgegangen, wäre es trotzdem ein toller Handball-Abend gewesen. "Taktieren"? "Gefühlte Testspiel"? Habe ich in den vergangenen zwei Wochen vom DHB-Team nicht gesehen. Mir scheint, hier tritt dasselbe Phänomen zu Tage wie leider so häufig neuerdings: Da wird etwas geschrieben, nur um zu schreiben, um eine Diskussion am Laufen zu halten oder erst eine zu entfachen. Damit hinterher alle über etwas diskutieren, über das sie vorher nicht einmal nachgedacht haben. Motto: "Schreib mal was Kontroverses! Das ist doch alles viel zu harmonisch gerade mit dieser Handball-WM!" Und dann der Satz: "Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die andere Hauptrundengruppe (...) bis zum Schluss spannend gewesen ist." Oh je. Wie wäre es denn recht? Wird das Weiterkommen nicht vorzeitig erreicht, wird genörgelt, im anderen Fall aber auch. Lasst die Jungs einfach spielen - die machen das schon.
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