Deutschlands Gruppengegner Russland Dibirov, aber sonst?

Weltmeister 1997 und Olympiasieger 2000: Russland war mal groß im Handball. Spieler wie Timur Dibirov wollen daran anknüpfen. Allerdings wäre bei dieser Handball-WM schon der Einzug in die Hauptrunde ein Erfolg.

Russlands Timur Dibirov
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Russlands Timur Dibirov


Es lief die 22. Minute im ersten Gruppenspiel gegen Serbien, als Timur Dibirov einmal mehr zeigte, wie wichtig er für Russlands Handballnationalmannschaft ist. Dibirov bekam auf Linksaußen den Ball, der Winkel war spitz, eigentlich unmöglich - und doch kein Problem für Russlands filigransten Handballer: zwei schnelle Schritte, ein kurzer Blick und dann ein ganz feiner Dreher unten rechts ins Eck. Am Ende stand zwar nur ein 30:30 für die Russen, aber auch die Erkenntnis: Schöner als Dibirov in seinem 200. Länderspiel hat bei dieser WM wohl noch keiner getroffen.

Der deutsche Bundestrainer Christian Prokop wird das genau registriert haben. Wenn Deutschland am Montag im dritten Vorrundenspiel (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD) gegen Russland antritt, wird er seine Spieler vor Dibirov gewarnt haben. Der ist zwar schon 35 Jahre alt, aber noch immer Russlands wichtigster Spieler. 15 Tore hat er in zwei Spielen geworfen, doch ihn nur daran zu messen, würde ihm nicht gerecht. Weil Dibirov auch ein glänzendes Stellungsspiel hat, clever verteidigt und mit seiner Schnelligkeit der ideale Abnehmer für die Tempogegenstöße ist, die Russland so gerne initiiert.

Als Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer nach den Stärken des dritten Gruppengegners gefragt wurde, sagte er: "Sie spielen meist im 5-1 mit Dibirov vorne. Und der macht das schon richtig gut, steht einem immer vor den Füßen und dann wieder im Passweg." Man sah das im ersten Spiel gegen Serbien sehr gut, aber auch beim folgenden 34:27 (20:13)-Pflichtsieg gegen Korea. Es waren zwei Spiele, die man durchaus als Zeichen dafür werten darf, dass Russland diesmal eine bessere Rolle spielen könnte als zuletzt.

Russlands langer Weg zurück in die Weltspitze

Bei der WM 2017 wurde Russland nur Zwölfter, die EM vor einem Jahr fand dann ohne diese einst so stolze Handballnation statt, die 1993 und 1997 noch Weltmeister geworden war. Dazu die Olympiasiege 1992 und 2000 - es gab mal eine Zeit, in der Russland zu den stärksten Teams der Welt gehörte, nur liegt die eben schon lange zurück.

Und so war der Weg zur Endrunde in Deutschland und Dänemark ein langer: Erst die Vorqualifikation gegen die Slowakei, Finnland und Luxemburg, dann auch noch zwei Playoff-Spiele gegen Tschechien.

Der Mann, der Russlands Handballer wieder in die Spitze führen soll, heißt Eduard Koksharov. Als Spieler war er Teil der Weltmeister-und-Olympiasieger-Generation, als Trainer gewann er 2004 mit RK Celje die Champions League. Mittlerweile ist er Sportdirektor beim mazedonischen Spitzenklub RK Vardar Skopje - und seit Sommer 2017 eben auch Nationaltrainer.

Russlands Nationaltrainer Eduard Koksharov (r.) mit Timur Dibirov
AFP

Russlands Nationaltrainer Eduard Koksharov (r.) mit Timur Dibirov

"Unser Ziel ist es, in die Hauptrunde zu kommen", sagte Koksharov vor dem Turnier. Und es sieht so aus, als könne er dieses Ziel erreichen. Auch wenn ihm mit Sergei Gorbok, Konstantin Igropulo und Dimitri Santaloc gleich drei Rückraumspieler verletzt fehlen.

Dafür gehören gleich vier Spieler aus Skopje zum Kader, darunter Dibirov, der mit dem Klub 2017 und dem Sportdirektor Koksharov sogar die Champions League gewonnen hat. Auch Daniil Shishkarev spielt für den mazedonischen Spitzenklub. Bei der WM ist er auf der rechten Seite das Pendant zum Linksaußen Dibirov.

Eigentlich sollten dem russischen Kader auch zwei Bundesliga-Profis angehören, doch Spielmacher Pavel Atman (TSV Hannover-Burgdorf) verpasste die Endrunde verletzt. Teil des 16er-Kaders ist dagegen Sergej Gorpishin (HC Erlangen). Mit 21 ist er Russlands zweitjüngster Spieler, vor Turnierbeginn hatte er gerade einmal vier Länderspiele absolviert.

Auch deshalb lässt sich an keinem anderen Spieler die Geschichte des Generationswechsels, den Russland mittelfristig bewerkstelligen muss, so schön erzählen wie an der Personalie Gorpishin. Schon dessen Vater Wjatscheslaw war Nationalspieler, er war dabei, als Russland zweimal Olympiasieger wurde. Und im aktuellen Kader steht mit Dimitri Kowalev, 36, ein Akteur, der noch gegen Gorpishin senior gespielt hat. Jetzt soll Rechtsaußen Kowalev mit seinen Pässen Kreisläufer Sergej Gorpishin in Szene setzen.



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deeperman 14.01.2019
1. Wichtige Meldung?
Hallo SPIEGEL, das Widget auf meinem iPhone-Screen wird ständig mit irgendwelchen Sport-Kram zugemüllt, obwohl mich das überhaupt nicht interessiert, und ich in den Einstellungen da natürlich auch keinen Haken dran habe. Bitte sorgt dafür, dass da nur wichtige Sachen stehen, danke!
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