Deutschlands Sieg gegen Spanien Der zweite Anzug

Gegen Spanien trumpften bei der DHB-Auswahl die Spieler auf, die bis jetzt eher wenige Minuten bekommen hatten. Oder auch gar keine - wie Tim Suton.

Fabian Böhm und Tim Suton
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Fabian Böhm und Tim Suton

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Die Szene des Spiels: Der deutsche Ersatztorhüter Silvio Heinevetter hielt einen Wurf aus der Hüfte von Spaniens Daniel Dujshebaev Dovichebaeva, konnte den Ball danach kontrollieren und warf direkt einen druckvollen Pass in die Spitze. Backup-Linksaußen Matthias Musche schnappte sich den Ball, stieß in Richtung Kreis und schmetterte den Ball durch den spanischen Gegenspieler hindurch ins Tor. Bundestrainer Christian Prokop hatte gegen Spanien viel rotiert - und viel gewonnen.

Die Geste des Spiels: Martin Strobel riss sich im Spiel gegen Kroatien das Kreuzband - und fällt mehrere Monate aus. Die Mannschaft hinter der deutschen Mannschaft lief gegen Spanien im einheitlichen Dresscode auf: Dem DHB-Trikot mit Strobels Nummer 19. Sogar Vizepräsident Bob Hanning zog sich ein etwas zu großes Strobel-Shirt über sein wieder einmal bunt-skurril anmutendes Oberteil - zum Leid oder zur Freude der Anwesenden. Das darf jeder für sich entscheiden.

Bob Hanning (rechts)
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Bob Hanning (rechts)

Das Ergebnis: Deutschland gewinnt gegen Spanien 31:30 (17:16) und steht als Gruppensieger der Hauptrundengruppe I fest. Hier geht es zum Spielbericht.

Und dann kam Tim: Weil durch Strobels Verletzung ein Spieler nachnominiert werden durfte, feierte Tim Suton gegen Spanien sein WM-Debüt. Und der 22 Jahre alte Rückraumspieler zeigte kaum Anpassungsschwierigkeiten. Er stieß regelmäßig zum Kreis durch und erzielte starke vier Treffer. Prokop bevorzugte Suton gegenüber erfahreneren Profis wie Tobias Reichmann. Und Prokop hat damit ein glückliches Händchen bewiesen. Schon wieder bei dieser Weltmeisterschaft.

Der zweite Anzug: Sitzt. So viel kann man spätestens nach dem Spiel gegen Spanien sagen. Neben dem starken Heinevetter, der 32 Prozent der Würfe auf sein Tor halten konnte, Suton und Kai Häfner, der drei Treffer erzielte, ragte vor allem Fabian Böhm heraus. Bereits in den wichtigeren Spielen dieser WM hatte er seine Einsatzminuten bekommen, gegen Spanien zeigte er, dass er auch ein Spielentscheider sein kann. Fünf Tore und die Auszeichnung zum Spieler des Spiels inklusive.

Solé-Gol: Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es für Spanien seit dem Sieg der deutschen Mannschaft gegen Kroatien nur noch darum ging, in welches Platzierungsspiel sie denn nun einziehen. Dementsprechend wenig Widerstand leisteten die Spanier in der zweiten Hälfte. Auch die deutsche Mannschaft verteidigte nicht mit der Intensität der vergangenen Spiele. So wurde es gegen Ende der Partie noch einmal spannend. Das lag vor allem an Ferrán Solé, der acht Treffer erzielte. Fünf davon von der Siebenmeterlinie, mal per Lupfer, mal per Dreher. Heinevetter und der gegen Spanien teilzeitbeschäftigte Andreas Wolff konnten machen, was sie wollten - einen Siebenmeter des 26-Jährigen hielten sie nicht.

Deutscher Jubel
AP

Deutscher Jubel

Karneval light: In den vorhergehenden Spielen der deutschen Mannschaft verkam das Sportliche auf dem Spielfeld teilweise zur Nebensache. Zu exzessiv feierten sich Hallensprecher und Zuschauer in der Kölner Arena im Einklang. Weil es gegen Spanien im Grunde um nichts mehr ging, war die Stimmung etwas weniger ausgelassen. Die deutschen Tore wurden gefeiert, fast schon unfaire Anfeuerungsversuche des Hallensprechers ("lauter pfeifen") blieben glücklicherweise aus.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
verruca 24.01.2019
1. Ich zähle auf Hamburg!
"Die deutschen Tore wurden gefeiert, fast schon unfaire Anfeuerungsversuche des Hallensprechers ("lauter pfeifen") blieben glücklicherweise aus." Gottseidank ist dieser kölsche Karnevalsdepp nun endlich Geschichte. Bei DJ Bobo mag er als Einpeitscher taugen. Vom Handballsport hat dieser Hallensprecher allerdings keine Ahnung. Schön, dass die Zuschauer kaum auf den Kerl gehört haben und deutlich weniger als noch beim Kroatien Spiel den Gegner grundlos und unfair ausgepfiffen haben. Die Berliner waren toll! Ich hoffe, dass es die Hamburger ihnen gleichtun werden.
spon1899 24.01.2019
2.
Nur Siege in einercsrhr schweren Hauptrundengruppe. Das muss man erstmal schaffen. Jetzt können sie tatsächlich eine Medaille holen. Das wäre ein toller Erfolg.
Direwolf 24.01.2019
3. Zur Ehrenrettung
Zitat von verruca"Die deutschen Tore wurden gefeiert, fast schon unfaire Anfeuerungsversuche des Hallensprechers ("lauter pfeifen") blieben glücklicherweise aus." Gottseidank ist dieser kölsche Karnevalsdepp nun endlich Geschichte. Bei DJ Bobo mag er als Einpeitscher taugen. Vom Handballsport hat dieser Hallensprecher allerdings keine Ahnung. Schön, dass die Zuschauer kaum auf den Kerl gehört haben und deutlich weniger als noch beim Kroatien Spiel den Gegner grundlos und unfair ausgepfiffen haben. Die Berliner waren toll! Ich hoffe, dass es die Hamburger ihnen gleichtun werden.
DAs Pfeiffen gegen die Kroaten war wohl durch das Verhalten einiger Spieler bei der schweren Verletzung begründet.
pr8kerl 24.01.2019
4. Nur hirnlose Dumpfbacken pfeifen den Gegner aus
Stefan Kretzschmar sagte nach dem Spiel, in Südosteuropa habe er das noch schlimmer erlebt. Doch das gehört sich einfach nicht unter zivilisierten Menschen. Zwei Beispiele: Ich war beim ersten Eishockeyspiel der Saison Eisbären Berlin gegen Meister München. Obwohl Berliner und Münchner bei der WM die Silbermedaille geholt haben wurden die Münchner ausgepfiffen. Da kann man von hirnlosen Dumpfbacken sprechen. Beim Fussballspiel Deutschland gegen den Weltmeister Frankreich haben die Zuschauer in München den Franzosen mit Beifall für den Titel gratuliert. Wie wohltuend ist das. Schluss mit der Unsitte, den Gegner auszupfeifen. Seid froh, dass er gekommen ist.
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