Aus Barcelona berichtet Christian Paul
Nikola Karabatic ist ein Weltklasse-Handballer. Er ist zweifacher Olympiasieger, gewann jeweils zwei Europa- und Weltmeisterschaften. 2007 wurde er zum Welthandballer gewählt. Der Franzose machte am Freitag sein bisher bestes Spiel bei der Weltmeisterschaft in Spanien. Acht Tore gelangen dem Rückraumspieler, mehrfach hallte sein Vorname durch den Palau Sant Jordi, die Sporthalle auf einem Hügel über Barcelona. Doch nach dem Spiel stand ein ebenso erschöpfter wie enttäuschter Karabatic vor den Mikrofonen: Frankreich hatte gegen Deutschland gespielt - und verloren.
Es ist eine Sensation. Deutschland hatte zuletzt 2007, im Halbfinale der Heim-WM, gegen Frankreich gewonnen. Und nun ist es ausgerechnet dieser so oft kritisierten DHB-Auswahl gelungen, die Niederlagenserie gegen den großen Favoriten zu brechen. Und das auch noch völlig verdient. "Die Deutschen haben sehr gut gespielt", sagte Karabatic.
Er selbst hatte vor der Partie gewarnt, es werde das schwierigste Spiel der Gruppe für den Titelverteidiger. Doch am Ende war nicht nur Karabatic, sondern auch Martin Heuberger überrascht. Der Bundestrainer sah einen "schönen Sieg, weil er nicht einkalkuliert war." Viel mehr sagte er nicht.
Dabei hätte er vieles an dem 32:30 (16:16) loben können. Die Effizienz im Angriff etwa, die Thierry Omeyer im Tor der Franzosen verzweifeln ließ. Der Star-Keeper hielt nur zwei Bälle und wurde zur zweiten Hälfte ausgewechselt. "Wir haben nicht gut gespielt. Deutschland war von Anfang an schnell vorne und hat uns unter Druck gesetzt", sagte Omeyer nach der Partie.
Deutschland zieht nun als Gruppensieger ins Achtelfinale ein. Am Sonntag (15.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) trifft die DHB-Auswahl in Barcelona auf Mazedonien, den Vierten der Gruppe B. Eine unangenehme, aber machbare Aufgabe. Darüber sprach am Freitag aber kaum jemand.
Das lag an der Art und Weise des Triumphs gegen Frankreich, die selbst Heuberger überraschte. Viel besprochen habe man, viel einstudiert. Über die Umsetzung sei er stolz, sagte der 48-Jährige. Die drängendste Frage, die sich nach dem Spiel nun stellt, ist eine, die dem Coach gar nicht gefällt: Was kann diese deutsche Mannschaft noch erreichen?
Die Deutung des Ergebnisses ging selbst innerhalb des Teams auseinander. "Wir haben uns in einen Rausch gespielt", sagte Steffen Fäth. Martin Strobel dagegen sah es nüchtern: "Wir haben ganz gut gespielt." Für Heuberger, der die Konzentration einzig auf das Achtelfinale lenken will, dürfte die wichtigste Erkenntnis aus dem Sieg vom Freitag sein: Deutschland hat sich seit der Pleite gegen Tunesien in jedem Gruppenspiel gesteigert. Bis auf ein Niveau, das ihnen vor dem Turnier niemand zugetraut hätte. Psychologisch ist das für die kommende Aufgabe von hohem Wert.
Wie nahe die Leistung gegen Frankreich am Maximum gewesen sei, wurde Heuberger irgendwann gefragt. "Keine Ahnung", sagte der Coach und klang dabei ehrlich: "Ich möchte, dass die Jungs wieder konzentriert sind." Prognosen über den weiteren Turnierverlauf lehnte er strikt ab.
In einem möglichen Viertelfinale würden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Top-Teams aus Spanien oder Kroatien auf Deutschland warten - beides schwere Gegner. "Wir werden uns wieder auf unser nächstes Spiel konzentrieren, so wie wir das immer getan haben", sagte Heuberger. Anders hingegen Karabatic. Auch er wurde gefragt, wohin die Reise der Deutschen bei diesem Turnier gehen könnte. "Wenn sie so weiterspielen, können sie etwas erreichen."
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