Deutsche Handballer bei der WM: Volle Power auf der Lauer

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Nationalspieler Groetzki: "So wollen wir spielen"

Gruppensieg - und nun? Die deutschen Handballer wollen bei der WM mehr als nur das Achtelfinale. Und tatsächlich: Während die Konkurrenz müde wirkt, kann die DHB-Auswahl zulegen. Zwei Spieler verraten das Erfolgsgeheimnis.

Der Speiseplan der deutschen Handball-Nationalmannschaft ist derzeit wahrscheinlich das eintönigste für die Spieler von Bundestrainer Martin Heuberger. Als die DHB-Auswahl mit dem sensationellen Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich die WM-Konkurrenz aufgeschreckt hatte, gab es danach Glückwünsche von den anderen Teams im deutschen Mannschaftshotel. Eine nette Abwechslung. Der Koch aber tischte die Klassiker auf. Auf die Teller kam wie zuvor schon Kartoffelpüree, dazu gab es Spaghetti Bolognese. Deutschland tankt Kohlenhydrate.

Fünf Spiele innerhalb von sieben Tagen haben die Profis nach der Vorrunde hinter sich, eine enorme Belastung. Heuberger weiß das - und hat längst reagiert. Die Rezepte lauten: nahrhafte Mahlzeiten und dosierte Einsatzzeiten. 16 Spieler umfasst sein WM-Kader, und niemand kann sich bisher überflüssig fühlen. Auch gegen Frankreich kamen wieder fast alle zum Einsatz. "Martin Heuberger verwaltet das sehr gut", sagte Patrick Groetzki SPIEGEL ONLINE.

Der Rechtsaußen war gegen die Franzosen mit sechs Toren der beste Scorer - und spielte trotz leichten Adduktorenproblemen "Vollgas". Im deutschen Team lauern vor allem die Außen, Groetzki und Dominik Klein, auf ihre Chancen für den nächsten Gegenstoß. Dann, wenn die gegnerische Abwehr noch nicht ideal sortiert ist, schlagen sie zu. Ein Pass, ein Lauf, ein Abschluss: drin. Es sind die auch im Handball so begehrten einfachen Tore.

"Wir sind fit"

"Das zeichnet uns aus. So wollen wir spielen. Wir haben die Spieler, die genau da ihre Stärken haben", sagt Groetzki. Und das macht Eindruck. Am Freitag gestand Frankreichs Torwart Thierry Omeyer ein, wie sehr der deutsche Dauer-Druck sein Team vor Probleme gestellt habe. Der individuell deutlich besser besetzte Titelverteidiger konnte sich in der zweiten Hälfte nicht mehr entscheidend gegen den dynamischen, aber kräftezehrenden Stil des vermeintlichen Außenseiters wehren.

"Wir sind fit", sagt Groetzki und zerstreut Zweifel an der Kondition. Sein Pendant auf der linken Seite, Klein, sieht den Grund dafür im Trainingslager vor der WM in Steinbach. "In der Phase haben nicht viele so hart trainiert wie wir. Das kommt uns nun zugute", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Hier vor Ort musst du energiesparend trainieren." Deutschland, glaubt Groetzki, nimmt mit seiner Taktik eine Sonderrolle bei der WM ein.

"Es gibt Teams, die gehen nach vorne", sagt der 23-Jährige. Und in der Tat konnten sich Handballgrößen wie Frankreich, Spanien oder Kroatien in ihren Vorrundenspielen gegen teils zweitklassige Gegner auf ihre individuellen Fähigkeiten verlassen. Eine gute Phase, ein herausragender Werfer reichten oft für den Sieg. Deutschland hat diese Individualisten nicht.

Die deutschen Fans in Barcelona kommen voll auf ihre Kosten

Das Spiel der DHB-Auswahl kommt über das Kollektiv. Torwart Silvio Heinevetter mit punktgenauen Pässen oder Ballgewinne in der Abwehr leiten im besten Fall den nächsten überfallartigen Angriff ein. Das ist clever und sieht auch noch hübsch aus. Die deutschen Fans in Barcelona kamen am Freitag voll auf ihre Kosten.

Umgesetzt wird all das von einem Kader, der nach den Ausfällen und Absagen von Uwe Gensheimer, Holger Glandorf und Lars Kaufmann für zu schwach gehalten worden war. Jetzt sagt Heuberger: "Die Mannschaft will mehr. Aber darin liegt eben auch die Gefahr. Wir dürfen nicht überdrehen."

Verlassen kann er sich dabei auf seinen Kapitän. "Wir müssen erst einmal beweisen, dass wir so eine Leistung noch einmal zeigen können", sagt OIiver Roggisch. Gegen Mazedonien (Sonntag, 15.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sollen dabei wieder alle helfen. Heuberger, der schon als Jugendtrainer auf Rotation gesetzt hatte, ließ auch gegen Frankreich in der entscheidenden Phase WM-Debütanten ran.

"Ich möchte den Spielern in kritischen Situationen die Chance geben. Da lernen sie Handballspielen", sagt der Coach. Das letzte Duell mit Mazedonien war reich an kritischen Momenten. 24:23 gewann Deutschland im Januar 2012 während der EM, ein glücklicher Sieg vor infernalischer Kulisse in Serbien. Dominik Klein rechnet am Sonntag wieder mit einem deutschen Sieg: "Wir werden auch dort mit unserem schnellen Spiel zum Erfolg kommen."

Das wäre doch eigentlich ein guter Zeitpunkt für ein nettes Beisammensein im Kreise der Mannschaftskollegen, vielleicht mit einem leckeren Essen. Abwehrchef Roggisch verzieht dabei nur den Mund und sagt dann: "Den Mannschaftsabend werden wir machen, wenn wir etwas erreicht haben. Und bisher haben wir nichts erreicht."

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Forum - Was erwarten Sie von den Handball-WM 2013?
insgesamt 202 Beiträge
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1.
Hawkeye 1 03.01.2013
Zitat von sysopschon wieder kein Titel!
Dem wird man leider zustimmen müssen; wenn sie mal nicht in der Vorrunde ausscheiden. Handball kommt als Nati nicht in die Gänge....
2. Das wird nichts
uli_san 03.01.2013
International stehen wir in etwa zwischen Platz 8 und 12, was aber nicht nur an den Spielern liegt. In den Vereinen treten unsere deutschen Spitzenspieler teilweise deutlich stärker auf als in der Nationalmannschaft. Was fehlt, ist ein Trainerteam mit modernen Ideen und Motivationsmitteln. Das ist alles zu hausbacken und konservativ. Heiner Brand in den letzten Jahren und auch sein Nachfolger kommen mir völlig einfallslos vor. Selbst eingefleischte Spezialisten schütteln immer häufiger den Kopf ob der Spiel- und Wechseltaktik. Freude haben wir Handballfans nur noch bei Spielen um die europäischen Vereins-Pokale.
3.
ObackoBarama 03.01.2013
ja ist es schon wieder Weihnachten...wie der Kaiser sagte, oder in dem Falle; ja, ist es schon wieder ein Handball-Turnier? Alle Jahre wieder, im Januar, gibt es ein großes Turnier im Handball, in einem Olympia-Jahr sogar zwei (EM + Olympiaturnier). 5 Wettbewerbe in 4 Jahren, braucht kein Mensch. In keiner anderen Sportart gibt es solche Inflation an großen Wettbwerben. Man blickt gar nicht durch...Wer war letztes Mal der Weltmeister, wer Europameister, wer Olympiasieger.. Bzw. man blickt es normalerweise nicht durch..Aber seit 4 Jahren weiß man es: Frankreich, hat alle Titel gewonnen je 2 x. Deutschland hat jedenfalls kein Chance auf eine Medaille und dieser Thread wird vielleicht im besten Falle, etwa 5 Seiten der Disskussionen erreichen können. Soviel Interesse gibt es.
4. Handball nervt!
doc 123 03.01.2013
Aus welchen Gründen auch immer, Handball nervt heutzutage nur noch, trotz WM-Titel 2007, wer erinnert sich da noch an einen einzigen Namen? Dagegen 1978... Deckarm, Freisler, Klühspies, Spengler, Wunderlich... ich erinnere mich an alle diese Namen, genau wie an die WM-Spieler im Fußball 1974 oder an nahezu alle deutschen Olympiasieger von München 1972. Schon irgendwie merkwürdig, dass man sich lieber an Namen von vor 30 bis 40 Jahren erinnert als an die Sportler der heutigen Zeiten.
5. schlechtere Aussichten
ray4912 03.01.2013
Zitat von ObackoBaramaja ist es schon wieder Weihnachten...wie der Kaiser sagte, oder in dem Falle; ja, ist es schon wieder ein Handball-Turnier? Alle Jahre wieder, im Januar, gibt es ein großes Turnier im Handball, in einem Olympia-Jahr sogar zwei (EM + Olympiaturnier). 5 Wettbewerbe in 4 Jahren, braucht kein Mensch. In keiner anderen Sportart gibt es solche Inflation an großen Wettbwerben. Man blickt gar nicht durch...Wer war letztes Mal der Weltmeister, wer Europameister, wer Olympiasieger.. Bzw. man blickt es normalerweise nicht durch..Aber seit 4 Jahren weiß man es: Frankreich, hat alle Titel gewonnen je 2 x. Deutschland hat jedenfalls kein Chance auf eine Medaille und dieser Thread wird vielleicht im besten Falle, etwa 5 Seiten der Disskussionen erreichen können. Soviel Interesse gibt es.
richtig, Obacko, die Franzosen sind die Spanier des Handballs;-) Und wir sind echt nicht nahe dran.
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Handball-Nationalmannschaft: Der deutsche WM-Kader
Hallenhandball-Weltmeister der Männer
Jahr Team
2013 Spanien (31:19 gegen Dänemark)
2011 Frankreich (37:35 n.V. gegen Dänemark)
2009 Frankreich (24:19 gegen Kroatien)
2007 Deutschland (29:24 gegen Polen)
2005 Spanien (40:34 gegen Kroatien)
2003 Kroatien (34:31 gegen Deutschland)
2001 Frankreich (28:25 n.V. gegen Schweden)
1999 Schweden (25:24 gegen Russland)
1997 Russland (23:21 gegen Schweden)
1995 Frankreich (23:19 gegen Kroatien)
1993 Russland (28:19 gegen Frankreich)
1990 Schweden (27:23 gegen die UdSSR)
1986 Jugoslawien (24:22 gegen Ungarn)
1982 UdSSR (30:27 n.V. gegen Jugoslawien)
1978 Deutschland (20:19 gegen die UdSSR)
1974 Rumänien (14:12 gegen die DDR)
1970 Rumänien (13:12 n.V. gegen die DDR)
1967 CSSR (14:11 gegen Dänemark)
1964 Rumänien (25:22 gegen Schweden)
1961 Rumänien (9:8 n.V. gegen die CSSR)
1958 Schweden (22:12 gegen die CSSR)
1954 Schweden (17:14 gegen Ges.-Deutschland)