Hamburg - Ehemalige Mitspieler waren gekommen, frühere Trainer, Freunde und Bekannte: Zahlreiche Weggefährten hatten vergangene Woche Abschied von Ex-Handball-Star Erhard Wunderlich genommen, der an Krebs gestorben war. Vom Deutschen Handball-Bund (DHB) war keiner der Spitzenfunktionäre zugegen - was nun zu großem Ärger geführt hat.
"Tiefer kann ein Verband nicht sinken, als bei der Beerdigung eines seiner wichtigsten Spieler nicht mit Vertretern der Verbandsspitze anwesend zu sein", sagte Vlado Stenzel über den DHB gegenüber "Sport Bild Plus". "Es ist eine Schande, wie sich der DHB verhalten hat, und das ist nur ein weiterer Beweis, wie schwach der DHB in seiner Spitze ist. Der deutsche Handball ist am Boden. Am besten wäre es, durch sofortige Neuwahlen eine neue Spitze für den DHB zu finden", so Stenzel, der die deutsche Nationalmannschaft 1978 zum WM-Titel geführt hatte. Einer der Leistungsträger damals war Wunderlich.
Auch Torwart-Legende Andreas Thiel kritisierte die Funktionäre für deren Fernbleiben bei der Trauerfeier am vergangenen Mittwoch: "Das geht gar nicht und ist ein absolutes No-Go. Es gibt Termine, bei denen man einfach aufzuschlagen hat." Kurt Klühspies, ebenfalls Mitglied des Weltmeister-Teams von 1978, sagte: "Für den deutschen Handball und uns Handballer war es aus meiner Sicht eine Riesenenttäuschung."
Bredemeier zeigt Verständnis für Stenzel-Kritik
Während DHB-Manager Heiner Brand, ein weiterer Weltmeister unter Stenzel, sich an dem Tag der Zeremonie in einem langfristig geplanten Urlaub befand und zur Kritik seines früheren Trainers "weder äußern noch gar rechtfertigen" wollte, zeigte DHB-Vize Horst Bredemeier Verständnis für die heftigen Worte: "Ich muss mit der Kritik leben und kann durchaus verstehen, dass Vlado menschlich enttäuscht ist. Es ist grundsätzlich die Pflicht des DHB, einem so großen Handballer die letzte Ehre zu erweisen", so Bredemeier, der aus privaten Gründen nicht zur der Trauerfeier erschienen war.
Strombach ließ auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE per Stellungnahme mitteilen, dass er aufgrund von dringenden beruflichen und privaten Terminen nicht an der Beisetzung in Augsburg teilnehmen konnte. Er habe erst einen Tag vorher vom Termin der Beisetzung erfahren und hätte daher nicht mehr umdisponieren können. Das habe Strombach auch Wunderlichs Frau Pia in seinem Kondolenzbrief mitgeteilt.
ham/sid
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