Doping in Leichtathletik: Sprint-Legende Hary fordert Streichung der Weltrekorde

Sprint-Olympiasieger Hary (1960): "Alles unter 10,0 streichen wir erstmal" Zur Großansicht
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Sprint-Olympiasieger Hary (1960): "Alles unter 10,0 streichen wir erstmal"

Für Armin Hary ist das Maß jetzt voll: Der frühere 100-Meter-Olympiasieger hat drastische Strafen für die des Dopings überführten Topsprinter gefordert. Zudem regte er an, alle Weltrekorde im Sprint zu annullieren. Die Leichtathletik brauche einen kompletten Neuanfang.

Hamburg - Deutschlands Sprint-Olympiasieger Armin Hary hat als Reaktion auf die jüngsten Doping-Ermittlungen die Streichung der Sprint-Weltrekorde gefordert. "Man sollte einen Strich ziehen und sagen: Wir annullieren alle Weltrekorde im Sprint. Alles, was unter zehn Sekunden ist, streichen wir erst einmal", sagte der 100-Meter-Gewinner der Olympischen Sommerspiele von Rom 1960 in einem Interview der "Abendzeitung". Damit reagierte Hary auf die positiven Tests der Top-Sprinter Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika).

"Ich will nicht sagen, dass dies der Tod der Leichtathletik ist, aber wir sind sehr, sehr krank", sagte Hary, der 1958 die 100 Meter als erster Mensch in 10,0 Sekunden gelaufen war. Der inzwischen 76-Jährige erhob schwere Vorwürfe gegen Athleten, die des Dopings überführt sind. "Das tut mir alles sehr, sehr weh. Sie treten den Sport, den ich derart liebe, mit Füßen."

"Man sollte diese Rekorde streichen, bis man sicher sein kann, dass die Leistungen wieder sauber errungen wurden", sagte Hary. Dafür seien drastische Strafen für überführte Dopingsünder notwendig. "Wir müssen die zehn Jahre, am besten lebenslang sperren", forderte er. "Wenn man das durchzieht, haben wir in fünf bis zehn Jahren wieder saubere Olympische Spiele."

Eine andere Leichtathletik-Legende, der frühere Stabhochsprung-Champion Sergej Bubka, hat im Zuge des Dopingskandals alle Athleten zu besonderer Vorsicht in Sachen Ernährung aufgefordert. "Es ist unerlässlich, dass alle Athleten absolute Sorgfalt walten lassen und Verantwortung übernehmen für das, was sie essen, trinken oder über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen", sagte Bubka, Vizepräsident im Leichtathletik-Weltverband IAAF und Mitbewerber um das Präsidentenamt im Internationalen Olympischen Komitee.

Der 49-jährige Ukrainer sagte: "Als ich noch aktiv war, habe ich niemals aus einer schon geöffneten Flasche getrunken. Ich war unheimlich penibel, um sicherzugehen, dass ich nichts Verbotenes nehme."

aha/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Hary hat recht
cafe_kehse 17.07.2013
Zitat von sysopFür Armin Hary ist das Maß voll: Der frühere 100-Meter-Olympiasieger hat drastische Strafen für die des Dopings überführten Topsprinter gefordert. Zudem regte er an, alle Weltrekorde im Sprint zu annulieren. Die Leichtathletik brauche einen kompletten Neuanfang. Hary fordert Streichung der Weltrekorde über 100 Meter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/hary-fordert-streichung-der-weltrekorde-ueber-100-meter-a-911578.html)
Das gilt ebenso für Schwimmrekorde. Der Mensch stößt eben an seine Grenzen. Beim 100 m -Rennen der LA kann es nicht auf irgendwann Null gehen. Steigerungen sind nur durch chemischen Hilfen möglich. Wer etwas anderes behauptet, lügt schlicht. Der Aufwand hierfür muss immer größer werden. Man kann es mit der Automobilbranche vergleichen: Steigerungen der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h sind ab einer bestimmten Grenze (z. B. unter 4,0 s) nur noch durch Automatikgetriebe und noch mehr Leistungssteigerung (> 400 PS) möglich. Bei Handschaltung braucht schon der Mensch zu lange als Reaktionszeit. Bei jeder weiteren Steigerung im 0,1 s - Bereich bedarf es schon fast 100 PS mehr Motorleistung. Und so ist es beim Menschen genauso. Der Mensch ist nun mal nicht geschaffen zum Sprinten zu Wasser, zu Lande und zu Berge (Tour de France). Diese Hatz nach immer neuen Rekorden ist lächerlich.
2. das waren noch Zeiten .....
paulsen2012 17.07.2013
mit ehrlichem Sport. Nach dieser Zeit , etwa 1960 , hörte der ehrliche Sport an der Kreisgrenze auf .
3. Tests
robin-masters 17.07.2013
Warum muss nicht jeder Sportler direkt nach dem Sieg eine Blutprobe abgeben? Und warum wird diese nicht gesammelt um sie später evt. auf andere Wirkstoffe zu untersuchen? Nur so ist der Sport noch realisierbar von daher ist auch die Tour de France ein Witz wenn nur Stichproben artig mal ein paar kontrolliert werden und dann nicht mal die Sieger.
4. ....
jujo 17.07.2013
Zitat von paulsen2012mit ehrlichem Sport. Nach dieser Zeit , etwa 1960 , hörte der ehrliche Sport an der Kreisgrenze auf .
Ich gebe zu, ich habe Leistungsfördernde Substanzen genommen, etwa ab Ender der fünfziger Jahre. Vor jedem Wettkampf gab es die Droge Dextro Energen!
5. Genau!
mustermannfrau 17.07.2013
Zitat von paulsen2012mit ehrlichem Sport. Nach dieser Zeit , etwa 1960 , hörte der ehrliche Sport an der Kreisgrenze auf .
Denn erst mit der Einführung von Dopingkontrollen Ende der 60er machte es Sinn für die Sportler zu dopen.
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100-Meter-Weltrekorde der Männer
Zeit* Sprinter Jahr
10,60 Donald Lippincott (USA) 1912
10,20 Jesse Owens (USA) 1936
10,00 Armin Hary (Deutschland) 1960
9,95 James Hines (USA) 1968
9,92 Carl Lewis (USA) 1988
9,86 Carl Lewis (USA) 1991
9,84 Donovan Bailey (Kanada) 1996
9,79 Maurice Greene (USA) 1999
9,77 Asafa Powell (Jamaika) 2005
9,74 Asafa Powell (Jamaika) 2007
9,72 Usain Bolt (Jamaika) 2008
9,69 Usain Bolt (Jamaika) 2008
9,58 Usain Bolt (Jamaika) 2009
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