Verstorbener Schwimmstar: Polizei rätselt über Todesursache von Oen

Warum hat das Herz des Norwegers Alexander Dale Oen plötzlich aufgehört zu schlagen? Für die US-Polizei ist die Todesursache nach ersten Untersuchungen weiter ungeklärt. Der Schwimmer war am Montag im Trainingslager tot unter der Dusche aufgefunden worden.

Brustschwimmer Dale Oen: Herzstillstand im Alter von 26 Jahren Zur Großansicht
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Brustschwimmer Dale Oen: Herzstillstand im Alter von 26 Jahren

Hamburg - Die genauen Hintergründe für den plötzlichen Tod des norwegischen Schwimmweltmeisters Alexander Dale Oen werden wahrscheinlich erst in mehreren Wochen aufgeklärt. Ein Polizeisprecher in Flagstaff im US-Bundesstaat Arizona sagte nach Angaben der Osloer Zeitung "VG" bei einer Pressekonferenz: "Die Klärung der genauen medizinischen Ursache kann einige Zeit dauern. Bis auf weiteres ist die Todesursache für uns ungeklärt." Es gebe keinerlei Verdacht auf Einfluss von Gewalt.

Der 26-Jährige war am Montagabend nach dem Höhentraining in Flagstaff zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London plötzlich zusammengebrochen. Als Oen vom Duschen nicht zurückkam, fanden ihn Mannschaftskollegen leblos in der Kabine. Der norwegische Verband NSF nannte Herzschlag als Todesursache. Mannschaftsarzt Ola Rønsen beteuerte ebenso wie andere Schwimmer, dass Oen am Trainingstag vor seinem plötzlichen Tod einen völlig normalen und gesunden Eindruck gemacht habe.

Rønsen bestätigte der Nachrichtenagentur NTB, er sei bei der Obduktion von Oen als Vertreter der Familie anwesend gewesen. "Es wird jetzt eine Weile dauern, bis der komplette Bericht fertig ist", sagte er.

"Worte können die Trauer nicht beschreiben"

Oen hatte unmittelbar nach den Terroranschlägen von Oslo und auf der Insel Utøya im Juli 2011 in Shanghai den ersten norwegischen WM-Schwimmtitel überhaupt geholt. Nach dem Sieg über 100 Meter Brust bewegte er seine Landsleute mit tröstenden Worten.

Unterdessen ist die Anteilnahme weiter groß. "Wir stehen alle unter Schock. Worte können die Trauer nicht beschreiben", sagte Trainer Peter Lövberg. "Meine Tränen hören nicht auf zu fließen", schrieb Japans viermaliger Olympiasieger Kosuke Kitajima, der bei Dale Oens WM-Triumph 2011 Vierter geworden war. "Sein ansteckendes Lachen werden wir für immer in der Umkleide vermissen", twitterte US-Olympiasieger Brendan Hansen. "Ruhe in Frieden, mein Freund. Es ist so traurig", teilte Australiens Freistilstar Eamon Sullivan mit. "Sein Tod ist so unwirklich", sagte Norwegens Skistar Aksel Lund Svindal.

leh/dpa/sid

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1. 'PHT' oder "Sekundentod"?
Worldwatch 02.05.2012
Wilfried Kindermann, Axel Urhausen: Plötzlicher Herztod beim Sport. Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Köln 2000, ISBN 3-89001-131-4, S. 1-55 (Fulltext im Web (pdf)). Die Literatur dazu ist dazu mittlerweile umfangreicher, wie auch die vielen gemeldeten -finalen oder geretteten- PHT-Faelle auch bei Schwimmern. Der rasche Einsatz eines Defibrilators haette sein Leben mglw. retten koennen. Die teils in Nachrichten auftauchenden Meldungen zu Schulterschmerzen, ueber die D.Oen zuvor angeblich berichtete, koennten ein Hinweis auf Infarkte oder Herzflimmern gewesen sein. Aber wohl nur bei dazu speziell geschulten Trainern oder Sportaerzten wuerden sodann wohl die Alarmglocken klingeln. Dem PHT oder Sekundentod einer jungen Leistungsschwimmerin (14J.) im damaligen Leistungsteam meiner Frau, allerdings noch im Becken, gingen Uebelkeit und Bauchschmerzen am Tag zuvor voraus. Niemand hatte diese Symptome -vor sechs Jahren- als bedenklich oder gar gefaehrlich einstufen wollen und koennen, zumal sich die Schwimmerin am Todestag voellig fitt fuehlte. Nach ca. 45Min. Schwimmzeit und knapp drei Km Wechseltraining im Becken, lag das Maedchen leblos im Wasser. Ein Defibrilator war nicht erreichbar, Wiederbelebungsversuche der Trainer erfolglos und bei Ankunft des Notarztes keine Hilfsmassnahmen mehr moeglich. Der Zusammenbruch Oen's, allein und ohne rasche Hilfsmoeglichkeit in der Duschkabine, war eine fatale Verkettung. Ob aber im Falle des Zusamenbruchs im Becken bessere Chancen bestanden haetten, ein Defibrilator vorhanden gewesen waere, sowie Personal, die ein solches Geraet hatte benutzne koennen?
2.
esra.berlin 02.05.2012
Zitat von WorldwatchDie teils in Nachrichten auftauchenden Meldungen zu Schulterschmerzen, ueber die D.Oen zuvor angeblich berichtete, koennten ein Hinweis auf Infarkte oder Herzflimmern gewesen sein. Aber wohl nur bei dazu speziell geschulten Trainern oder Sportaerzten wuerden sodann wohl die Alarmglocken klingeln. ?
Die von Ihnen zitierten "Schulterschmerzen" gehen auf eine langwierige Schulterverletzung zurück, die den Schwimmer die letzten Monate beeinträchtigt hat. Während des Höhentrainingslagers wurde deshalb lokal hochdosiertes Kortison injiziert. (Der Verletzung entsprechend direkt in Herznähe.) Ein typisches Szenario für Kortison-Gaben: Ein wichtiges Höhentrainigslager, das nur Sinn macht, wenn man hohe Trainingsumfänge bewältigen kann, und eine Olympiasaison, die wohl die letzte Chance auf eine olympische Medaille für den 26-Jährigen ist. Kortison macht vordergründig schmerzfrei und hat sogar eine euphorisierende Wirkung, die ein anvisiertes Trainingspensum trotz Verletzung bewältigen lässt. Da am Wochende ein erster Wettkampfstart im norwegischen Bergen geplant war, wurde das hochdosierte Kortison abgesetzt, weil der Nachweis von Kortison im Wettkampf als Dopingvergehen gilt. Es gilt als eine der häufigsten Nebenwirkungen, dass NACH DEM ABSETZEN des Hormons Herzrythmusstörungen und Herzflimmern auftreten ... Hier ein Interview mit dem Schwimmstar einen Tag vor seinem Tod. Er verweist dabei auf sein Herz - meint damit aber die Muskelentzündung, die mit Kortison überspielt wurde: Alexander Dale Oen: The Final Interview - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=FwoamYzPd4w)
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