Hindernisläufer Uliczka: "Einfach hoffen, dass es passt"
Beim 3000-Meter-Hindernislauf ist neben Ausdauer auch jede Menge Sprungkraft gefragt. Der mehrmalige deutsche Meister, Steffen Uliczka, erklärt im Interview mit achim-achilles.de, wie man am besten über den Wassergraben kommt und welche Ziele er für Olympia hat.
Frage: Herr Uliczka, wie groß ist die Angst des Hindernisläufers vor der Hürde?
Uliczka: Sehr groß (lacht). Am Anfang des Rennens, wenn man noch frisch ist, geht es ganz gut. Aber in der letzten Runde ist man körperlich so fertig, dass es schwieriger wird, den exakten Abstand zu den Hürden einzuschätzen.
Frage: Dann wird Ihnen schummerig?
Uliczka: Das nicht, aber man fragt sich schon: Wie komme ich da rüber? Passt meine Schrittlänge? Die Hürden sind immerhin 92 Zentimeter hoch. Beim letzten Hindernis heißt die Devise: Einfach voll drauf zu laufen, mit allem, was man hat, abspringen - und hoffen, dass es passt.
Frage: Die größte Hürde beim Hindernislauf ist aber der Wassergraben.
Uliczka: Besonders der letzte Graben, 150 Meter vor dem Ziel, ist eine Quälerei und wichtig für den Ausgang des Wettkampfs. Bis dahin ist meist gar nichts entschieden. Aber wenn man da nachdenkt, einen Schritt ausbremst, hat man verloren. Das kostet zu viel Geschwindigkeit, den Abstand kann man im Sprint nicht mehr rausholen.
Frage: Welche Technik bevorzugen Sie? Auf die Hürde draufspringen und über den Graben springen? Oder direkt über die Hürde und im Wasser landen?
Uliczka: Wenn man sehr schnell läuft, empfiehlt es sich, die Hürde ohne Berührung zu überqueren. Das machen zum Beispiel die Kenianer so. Dann fliegt man zwar direkt ins tiefere Wasser, verliert aber durch die flache Flugkurve kein Tempo.
Frage: Die Verletzungsgefahr dabei ist groß. Warum laufen Sie überhaupt 3000-Meter-Hindernis?
Uliczka: Ganz einfach: Ich hab es ausprobiert, war ziemlich gut und bin dabei geblieben. Aber es stimmt schon: Vor allem die Sturzgefahr ist immens. Da muss man nicht mal selber schuld sein. Vor jedem Hindernis gibt es großes Gedränge. Alle reißen ihre Arme und Beine hoch. Es kann sein, dass man irgendwo hängenbleibt oder sich verhakt. Manchmal bekommt man auch einen Ellbogen ab oder wird geschubst.
Frage: Geht es wirklich so ruppig zu?
Uliczka: Es ist eng und eher vergleichbar mit einem 800-Meter-Lauf als mit einem Marathon. Es darf aber nicht zum Boxkampf ausarten. Interessant wird es nach 2000 Metern, bis dahin kommt jeder mit, alle sind noch zusammen. Ab dem Schlusskilometer fängt der richtige Wettkampf an, da geht's dann um den Sieg.
Frage: Wie sieht Ihr Training aus? Springen Sie hundertmal am Tag über die Hürde?
Uliczka: So ungefähr. Wir müssen das zwar nicht so perfekt beherrschen wie die 110-Meter-Hürdensprinter, aber dieses Rüberkommen bedeutet schon Kraftaufwand. Wir springen im Training über jede Menge Hürden und nehmen selbst bei Waldläufen jeden Schlagbaum, jede Pforte mit und hüpfen drüber.
Frage: Beim Hindernislauf geht es aber nicht nur um Kraft, manchmal entscheidet auch eine Fußspitze.
Uliczka: Ja, bei den Deutschen Meisterschaften vor fünf Jahren wurde ich disqualifiziert. Das war schmerzhaft. Ich hatte angeblich die Fußspitze des Nachziehbeins am Hindernis vorbeigezogen. Und da der Fuß zum Bein gehört und die Regel besagt, dass das Bein über die Hürde gezogen werden muss, wurde mir der Titel aberkannt. Dabei war das Ganze keine Absicht. Seitdem achte ich darauf, dass ich im Rennen nicht zu weit innen laufe, wenn ich über die Hürde springe.
Frage: Was rechnen Sie sich aus für die EM im Juni in Helsinki?
Uliczka: Erst mal muss ich mich qualifizieren, dass müsste ich schaffen. Dann möchte ich gerne meine Platzierung bei der vergangenen EM toppen. Da bin ich als Siebter eingelaufen und wurde Sechster, weil ein Spanier (José Luis Blanco, Anm. der Redaktion) des Dopings überführt wurde. Mein Ziel ist es, unter die Top fünf zu kommen.
Frage: Und Ihre Ziele für Olympia?
Uliczka: Es wären meine ersten Olympischen Spiele. 2008 hatte ich schon mal damit geliebäugelt, aber es hat dann nicht hingehauen. Dieses Jahr bin ich zuversichtlich und glaube, dass ich es schaffe. Mein Ziel ist das olympische Finale.
Das Interview führte Frank Joung
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- Freitag, 20.04.2012 – 10:57 Uhr
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- Steffen Uliczka, geboren am 17. Juli 1984, ist einer der besten Hindernis- und Crossläufer Deutschlands. Dreimal wurde der Athlet von der SG TSV Kronshagen/Kieler TB Deutscher Meister im 3000-Meter-Hindernislaufen. Seine persönlichen Bestzeiten liegen bei 8:25,39 Minuten (3000 Meter Hindernis) und 29:17 Minuten (10 Kilometer Straße).

Auch 2012 begleitet Achim Achilles seine Fangemeinde durchs ganze Jahr. Sein beliebter Laufkalender enthält ein Trainingstagebuch zur Dokumentation von Höchstleistungen und Tiefschlägen, unbezahlbare Ratschläge zu Training und Motivation, die wichtigsten Lauftermine und Anekdoten aus der weiten Welt des Laufens.
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