Hitzeschlacht von Chicago 146 Marathon-Läufer im Krankenhaus

Dramatische Szenen beim Marathon in Chicago: Bei Rekordtemperaturen starb ein Läufer, mehr als 300 kollabierten - schließlich drängten Polizisten langsame Teilnehmer zur Aufgabe. Jetzt werden Vorwürfe gegen den Veranstalter laut: Zu wenig Wasser sei bereitgestellt worden.


Chicago - Es war ein Horrortag für Marathonläufer: Bei Rekordtemperaturen um 30 Grad Celsius im Schatten mussten gestern in Chicago mehr als 300 Läufer an der Strecke behandelt werden. 146 Personen wurden in Krankenhäuser eingeliefert, berichtet die "Chicago Tribune". Fünf von ihnen werden aufgrund ihres kritischen Zustandes immer noch stationär behandelt.

Für einen Polizeibeamten aus Michigan kam jede Hilfe zu spät. Der 35-Jährige war bei Kilometer 31 kollabiert. Obwohl ein Arzt sofort bei dem Mann war, verstarb er kurze Zeit später. "Er hat ziemlich schnell seinen Puls verloren und verstarb wohl schon auf der Strecke", sagte der Rennarzt George Chiampas dem Nachrichtensender CNN. Eine Autopsie soll im Laufe des heutigen Tages Aufschluss über die Todesursache geben.

Nach vier Stunden stoppten die Veranstalter das Rennen. Läufer, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Hälfte der Distanz zurückgelegt hatten, wurden zum Umkehren an den Start aufgefordert. Während Hubschrauber die Lage aus der Luft beobachteten, forderten Polizisten die verbleibenden Teilnehmer per Megafon auf, das Tempo auf dem Weg ins Ziel zu verlangsamen. Von über 35.000 gestarteten Läufern erreichten knapp 25.000 das Ziel.

"Die Leute sind großartig, das Rennen war der Horror"

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen erhoben zahlreiche Teilnehmer schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren. "Überall sind Leute umgekippt, teilweise übereinander gefallen", sagte Teilnehmer Rob Smith, 40, der "Chicago Tribune". Außerdem habe es an der 42,195-Kilometer langen Strecke nicht genug Wasserstände gegeben. "Ich hatte bereits nach zwölf Kilometern kein Wasser mehr", so Blayne Rickles.

"Die Wasserstände waren schnell leer. Ganz egal, wie viele die Veranstalter aufgestellt haben, es waren zu wenige", sagte Nestor Benanidez. Zuschauer, die am Rande der Strecke Wasser einkauften und an die Läufer verteilten, hätten schlimmeres verhindert: "Die Leute sind großartig, das Rennen war aber der Horror", so Rickles. Viele der Läufer schlenderten mit Eisbeuteln auf dem Kopf ins Ziel, die Feuerwehr öffnete Hydranten zum Abkühlen.

Renndirektor Carey Pinkowski sagte, die Verantwortlichen hätten zu keinem Zeitpunkt vor dem Rennen daran gedacht, die Veranstaltung abzusagen. Außerdem betonten die Veranstalter, dass es ausreichend Wasser und Energiedrinks gegeben habe. So seien an jeder Versorgungsstation rund 100.000 Flaschen bereitgehalten worden, so ein Offizieller. Gleichzeitig räumten die Veranstalter ein, dass einige Läufer nicht schnell genug versorgt werden konnten, da sie schneller tranken, als die Freiwilligen einschenken konnten.

Ivuti und Adare siegen

Mit Problemen dieser Größenordnung haben Pinkowski und sein Team dennoch nicht gerechnet. "Die meisten Läufer haben 25 Wochen trainiert und können sich auf unterschiedliche Bedingungen einstellen", so Pinkowski. Etliche Studien haben ergeben, dass nicht oder schlecht trainierte Läufer bei einem Marathon ein stark erhöhtes Risiko haben, ihren Körper zu überanstrengen. Vor allem das Herz leidet unter den Strapazen. Im vergangenen Jahr wurden 60 Teilnehmer des Boston-Marathons untersucht. Das Ergebnis war eindeutig: Die schlechtesten Herzwerte hatten Läufer, die vor dem Rennen weniger als 55 Kilometer pro Woche trainiert hatten.

Besonders häufigen treten bei Marathonläufern Schädigungen des Herzmuskels auf, es kommt vorübergehend zu sogenannten Myokard-Nekrosen. Diese können jedoch im extremen Fall akut zum Tod durch Herzinfarkt führen. Meist jedoch klingen die Probleme nach Beendigung der körperlichen Tortur ab und der Herzmuskel kann sich regenerieren. Dies dauert jedoch oftmals mehrere Wochen.

Auch die Profis hatten einige Mühe, bei diesen Wetterverhältnissen Bestzeiten zu erzielen. Am Ende jubelte der Kenianer Robert Cheruiyot, der gleichzeitig den Jackpot der World Marathon Majors (WMM) knackte. Dem 29 Jahre alten Vorjahressieger genügte der vierte Platz (2:16:13 Stunden), um die 500.000 Dollar Siegprämie der auf zwei Jahre angelegten Serie bereits vor dem letzten Rennen in New York zu kassieren.

Die 30. Auflage des Rennens und damit den Siegerscheck über 125.000 Dollar gewann sein Landsmann Patrick Ivuti in 2:11:11 Stunden. Bei den Frauen gewann die Favoritin und frühere Halbmarathon-Weltmeisterin Berhane Adere aus Äthiopien in 2:33:49 Stunden. Allerdings hat Adere keine Jackpot-Chance mehr, und so kämpfen am 4. November beim letzten der elf WMM-Rennen "Big Apple" die zweimalige Berlin-Siegerin Gete Wami und die Titelverteidigerin Jelena Prokopcuka aus Lettland um die halbe Million Dollar.

mig/ach/rtr/ap/sid



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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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