Hochsprungstar Ariane Friedrich: Kampf um jeden Zentimeter

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Hochspringerin Ariane Friedrich sorgt für Aufsehen, weil sie auf Facebook einen Mann outete, der sie belästigt hat. Sportlich kämpft sich die 28-Jährige nach langer Verletzungspause erst langsam an die Spitze zurück. Ihr großes Ziel: Olympia.

Ariane Friedrich: Die andere Seite der Medaille Fotos
DPA

Aufzufallen ist für Ariane Friedrich nichts Neues. Die 28 Jahre alte Hochspringerin hat sich neuerdings die Haare pink gefärbt, die Fingernägel pink lackiert. Ihre Laufschuhe leuchten ebenfalls in Pink, selbst die Ohrringe - alles pink. Friedrich ist ein Star der deutschen Leichtathletik, eine der Typen, die diese Sportart braucht, um im Olympiajahr im Licht zu stehen.

Sportlich kämpft Friedrich nach einer quälend langen Verletzungspause noch um ihre Form. Schlagzeilen macht sie dieser Tage trotzdem. Seit die ausgebildete Polizeikommissarin eine Mann auf ihrem Facebook-Account geoutet hat, der sie belästigt hat, kennen auch Leute ihren Namen, die mit Sport bisher wenig zu tun hatten. Die "Facebook-Sex-Attacke" schaffte es auf die Titelseite der "Bild"-Zeitung. Das ist Leichtathleten eher selten vergönnt.

Ihr Trainer Günter Eisinger sagt über seinen Schützling: "Sie fällt aus der breiten Masse heraus." Friedrich war immer schon eine besondere Sportlerin, eigenwillig, manchmal eigensinnig. Sich in ihren Sport geradezu verbeißend, sie selbst hat sich als "Kampfsau" bezeichnet. Unter Journalisten gilt sie als wenig pflegeleicht, weil sie Reportern gegenüber schon einmal durchblicken lässt, was sie von deren Fragen hält. Bei der Weltmeisterschaft in Berlin vor drei Jahren, damals noch weißblond gefärbt, pushte sie den Hochsprung-Wettkampf zum Duell mit der kroatischen Ausnahmespringerin Blanka Vlasic hoch. Vlasic behielt die Nerven und siegte, Friedrich wollte gewinnen und wurde Dritte.

Ein einziger Trainingssprung veränderte die Karriere

Es war das Jahr, in dem Friedrich den Deutschen Rekord auf 2,06 Meter ausgebaut hatte. Nicht viele Frauen sind bisher höher gesprungen als die gebürtige Thüringerin. Jahr für Jahr hatte sie sich bis dahin gesteigert, 2004 das erste Mal über 1,90 Meter, 2008 erstmals über die immer noch magische Zwei-Meter-Marke. Weltrekord, Olympiasieg - alles schien möglich.

Bis zu diesem Trainingssprung zwei Tage vor Weihnachten 2010. An diesem Tag riss bei Friedrich die Achillessehne. Es gibt nicht viele Verletzungen im Leistungsport, die schlimmer sind. Für etliche Athleten hat das schon das Karriereende bedeutet. Friedrich hat sich mühsam aus dem Tal gekämpft, monatelang konnte sie nur auf Krücken laufen. Die WM-Saison 2011 musste sie komplett abschreiben, ein Desaster für eine so ehrgeizige Athletin wie Friedrich. Es war besser, wenn man sie in jenem Jahr nicht auf ihre Verletzung ansprach.

Aber 2012 ist ein Olympiajahr, und die Sommerspiele sind immer noch das Größte für einen Leichtathleten. Friedrich will unbedingt in London dabei sein, 2012 soll ihr Comeback-Jahr werden.

Die Rückkehr zur Weltspitze ist mühsam

Wie mühsam es ist, sich wieder an die Weltspitze heranzutasten, hat Friedrich schon gemerkt. Ihr erster Wettkampf nach der Verletzungspause fand im Februar im tschechischen Hustopeče statt. Der Medienrummel war riesig, Friedrich war die ganz große Attraktion, ihre Leistung aber war dürftig. Sie übersprang lediglich 1,84 Meter, eine Höhe, die sie schon als 17-Jährige drauf hatte und über die sie normalerweise lediglich zum Warmwerden hüpft.

Nachdem sie an 1,87 Meter gescheitert war, konnte Friedrich vor laufenden Fernsehkameras ihre Tränen nicht zurückhalten. Die Hälfte ihrer Antrittsgelder hat sie den Organisatoren des Hochsprung-Meetings anschließend freiwillig zurückgezahlt, weil sie die Erwartungen nicht erfüllt hatte.

Anschließend ist sie bei drei weiteren Wettkämpfen an den Start gegangen. In Arnstadt meisterte sie 1,85 Meter, in Karlsruhe am Ende ihrer Hallensaison kam sie zweimal über 1,91 Meter. Jeder Zentimeter mehr ist ein kleiner Sieg. Aber Olympia ist nur noch 100 Tage entfernt - und die Norm liegt bei 1,95 Meter. Friedrich hat sie noch nicht geschafft.

Zuletzt hat sie dem "Kicker" erklärt, sie sei mittlerweile wieder "super drauf", körperlich habe sie schon "das gleiche Ausgangsniveau wie vor der Verletzung", jetzt "wird es Zeit, dass ich im Sommer Taten sprechen lasse".

Taten sprechen lassen - am Wochenende hat Ariane Friedrich damit schon einmal angefangen.

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insgesamt 13 Beiträge
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1.
marisaaa 23.04.2012
Zitat von sysopMit dem Outing eines Stalkers hat Hochspringerin Ariane Friedrich für großes Aufsehen gesorgt. Sportlich kämpft sich die 28-Jährige nach langer Verletzungspause erst langsam an die Spitze zurück. Ihr großes Ziel: Olympia. Hochsprungstar Ariane Friedrich: Kampf um jeden Zentimeter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,829139,00.html)
Ein Schelm, wer bei der ganzen Aktion an PR denkt...
2. ...
deus-Lo-vult 23.04.2012
Zitat von sysopAufzufallen ist für Ariane Friedrich nichts Neues. Die 28 Jahre alte Hochspringerin hat sich neuerdings die Haare pink gefärbt, die Fingernägel pink lackiert. Ihre Laufschuhe leuchten ebenfalls in Pink, selbst die Ohrringe - alles pink.Hochsprungstar Ariane Friedrich: Kampf um jeden Zentimeter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,829139,00.html)
Tja, wer nicht durch sportliche Leistung auffällt....
3.
a_friend 23.04.2012
Zitat von sysopMit dem Outing eines Stalkers hat Hochspringerin Ariane Friedrich für großes Aufsehen gesorgt. Sportlich kämpft sich die 28-Jährige nach langer Verletzungspause erst langsam an die Spitze zurück. Ihr großes Ziel: Olympia. Hochsprungstar Ariane Friedrich: Kampf um jeden Zentimeter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,829139,00.html)
Ich bin ein Star - ich geh über Existenzen?
4.
Aözer 23.04.2012
Wie konnte Frau Friedrich überhaupt Kommissarin werden, da sie ja augenscheinlich (sportbedingt?) in ihrer Ausbildung absolut nichts gelernt/begriffen hat. Selbstjustiz und Pranger sind etwas, was auch und gerade der Exekutive nicht gestattet ist. So bleibt nur festzustellen,daß sie die charakterliche Latte schon auf niedrigem Amateurniveau gerissen hat.
5.
cs01 23.04.2012
Zitat von AözerWie konnte Frau Friedrich überhaupt Kommissarin werden, da sie ja augenscheinlich (sportbedingt?) in ihrer Ausbildung absolut nichts gelernt/begriffen hat. Selbstjustiz und Pranger sind etwas, was auch und gerade der Exekutive nicht gestattet ist. So bleibt nur festzustellen,daß sie die charakterliche Latte schon auf niedrigem Amateurniveau gerissen hat.
Sie hat ihren Stalker ja nicht als Kommissarin geoutet, sondern als Opfer. Und für Privatpersonen gelten nun mal andere Regelungen als für Polizeibeamte. Da muss man schon sauber unterscheiden. Da ich in meiner beruflichen Tätigkeit schon einige derartige Fälle behandelt habe, muss ich sagen, dass ich ein Opfer, das zu solchen Mittel greift, verstehen kann. (Auch wenn so etwas nicht erlaubt werden darf.)
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Die Weltmeisterinnen im Hochsprung
Jahr Springerin Höhe*
2011 Anna Tschitscherowa (Russland) 2,03
2009 Blanka Vlasic (Kroatien) 2,04
2007 Blanka Vlasic (Kroatien) 2,05
2005 Kajsa Bergqvist (Schweden) 2,02
2003 Hestrie Cloete (Südafrika) 2,06
2001 Hestrie Cloete (Südafrika) 2,00
1999 Inha Babakowa (Ukraine) 1,99
1997 Hanne Haugland (Norwegen) 1,99
1995 Stefka Kostadinowa (Bulgarien) 2,01
1993 Ioamnet Quintero (Kuba) 1,99
1991 Heike Henkel (Deutschland) 2,05
1987 Stefka Kostadinowa (Bulgarien) 2,09
1983 Tamara Bykowa (Sowjetunion) 2,01
*in Metern

Fotostrecke
Leichtathletik-WM: Pleiten, Pech und Pannen in Daegu
Die erfolgreichsten Leichtathletinnen der WM-Geschichte
Athlet Gold Silber Bronze Gesamt
Allyson Felix (USA) 6 - - 6
Gail Devers (USA) 5 3 - 8
Jearl Miles Clark (USA) 4 3 2 9
Tirunesh Dibaba (ETH) 4 - - 4
Jackie Joyner-Kersee (USA) 4 - - 4
Merlene Ottey (JAM) 3 4 7 14
Gwen Torrence (USA) 3 4 1 8
Tatjana Lebedewa (RUS) 3 2 - 5
Maria de Lurdes Mutola (MOZ) 3 1 1 5
Marita Koch (DDR) 3 1 - 4