Hockey-Halbfinalniederlage Höchststrafe Penalty

Die deutschen Hockey-Frauen waren nah dran an der Finalteilnahme, aber im Penaltyschießen hatten die Niederländerinnen die besseren Nerven. Trotzdem ist das Turnier ein Erfolg für das Team.

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Der Hockeysport ist manchmal für Zuschauer etwas anstrengend. Das Regelwerk ist schwer zu durchschauen, das Spannungsmoment verengt sich im Spiel häufig auf die Strafecken. In manchen Spielen bieten sie die einzigen echten Torgelegenheiten. Die Sportart macht es dem Publikum nicht immer leicht. Aber ein Penaltyschießen im Hockey gehört zum Dramatischsten und Spektakulärsten, was die Olympischen Spielen zu bieten haben.

Der Augenblick, wenn die Spielerin auf die Torfrau zuläuft, Körper und Schläger in alle Richtungen dreht, um sie zu überlisten, wenn sie versucht, den optimalen Moment abzupassen und es nach der Parade der Torfrau doch noch schafft, einen Nachschuss zu verwandeln - all das macht das Penaltyschießen zu einer einzigen Verdichtung von Hochspannung.

Der deutsche Bundestrainer Jamilon Mülders und sein Frauenteam werden das derzeit nicht besonders würdigen können. Im Halbfinale gegen die Niederländerinnen hatten sie den Favoriten nach dem 1:1 in der regulären Spielzeit fast schon am Boden. Es brauchte nur noch einen deutschen Penalty, der ins Tor zu gehen hatte. Franziska Hauke lief an, das Tor hinter Hollands Torfrau Joyce Sombroek wurde immer kleiner, sie drehte noch einen Kringel, versuchte Sombroek auszutricksen - aber die Keeperin hatte die besseren Nerven.

Jetzt geht es noch um Bronze

Die mikroskopisch kleine Chance, Oranje zu schlagen, war vorbei. Minuten später verwandelte Ellen Hoog den 14. und letzten Strafstoß zum Sieg. "Die Mädels haben sich wieder überragend präsentiert", sagte Mülders schon Minuten nach dem bitteren Aus und versuchte sich in Aufbauarbeit. Schließlich geht es noch um Bronze gegen Neuseeland.

Die Niederlande schlagen zu wollen, das ist ungefähr so, als würde sich Hertha BSC vornehmen, den FC Bayern in der Bundesliga zu entthronen oder die Chinesen im Tischtennis auszuschalten. Die Niederländerinnen sind das Maß aller Dinge im Frauenhockey, sie sind die aktuellen Weltmeisterinnen, sie haben Olympiagold in Peking und London gewonnen. Sie haben Topspielerinnen wie Maria Verschoor, Ellen Hoog und Naomi van As in ihren Reihen, sie besitzen mit Maartje Paumen die vielleicht beste und erfahrenste Hockeyspielerin der Welt.

Dieses Team zu besiegen, das klappt nur, wenn alles klappt. Umso frustrierender war es für die deutschen Spielerinnen, diesmal so nah dran zu sein. Im Spiel selbst waren sie durch eine Strafecke von Julia Müller sogar in Führung gegangen, Oranje konterte kurze Zeit später ebenfalls mit einer Strafecke Paumens zum Ausgleich. Der Rest der Partie war, den Ansturm der Niederländerinnen irgendwie zu überstehen und auf die Künste von Torfrau Kristina Reynolds zu vertrauen.

Die Hamburger Keeperin bot eine überragende Leistung, sie kratzte die Bälle der Niederländerinnen von der Linie, einmal schob sie ihre Fanghand hoch in die Luft und schaffte es irgendwie, die Kugel nach einer Strafecke von Paumen aus dem Winkel zu fischen. Reynolds gab auch im Penaltyschießen alles, drei Gegnerinnen verloren im Duell mit ihr die Nerven und vergaben - aber es nützte alles nichts.

"Jetzt zählt es, alles für Bronze zu geben", gab Nike Lorenz die Parole für Freitag aus. Auch ein dritter Platz wäre für das Frauenteam, das sich vor vier Jahren in London mit Platz sieben aus der Weltspitze zu verabschieden schien, ein Erfolg. Mülders hat das Team wieder auf Kurs gebracht. Das zählt wahrscheinlich langfristig noch mehr als ein verlorenes Penaltyschießen.



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