Deutsche Hockeyspieler holen Bronze Fürstlich belohnt

Einer der größten deutschen Hockeyspieler tritt ab. Moritz Fürste krönt seine Karriere mit einer Bronzemedaille - im letzten Spiel mussten aber die Kollegen für ihren Kapitän in die Bresche springen.

DPA

Aus Rio de Janeiro berichtet Michael Wilkening


Die Beine hielten der emotionalen Belastung nicht mehr stand, also sanken Moritz Fürste und Tobias Hauke einfach zu Boden. Über Sekunden lagen der Kapitän der deutschen Hockeynationalmannschaft und der andere Routinier eng umschlungen auf dem Platz, auf dem sie gerade die Niederlande 4:3 im Penaltyschießen bezwungen hatten, Tränen flossen.

Die beiden Spieler hatten 2008 und 2012 gemeinsam Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewonnen. Und obwohl es beim Turnier in Rio nur zum dritten Rang und damit zur Bronzemedaille reichte, waren das Momente puren Glücks.

Fürste und Hauke, vielfach dekoriert, zeigten, was eine olympische Medaille, egal in welcher Farbe, für Sportler bedeutet. Es sind Momente wie diese, die Olympische Spiele einzigartig machen.

Medaillenspiegel
Rang
Land
 
 
 
Gesamt
1.
USA
46
37
38
121
2.
Großbritannien
27
23
17
67
3.
China
26
18
26
70
4.
Russland
19
18
19
56
5.
Deutschland
17
10
15
42

"Ich war noch nie so nervös in einem Penaltyschießen", sagte Fürste: "Eigentlich macht mir das immer viel Spaß, aber ich war froh, dass ich nicht mehr ran musste." Der 31-Jährige war aufgeregt. Es war klar, dass der Kapitän seine beeindruckende Karriere in der Nationalmannschaft beenden würde. Er wusste also, dass es möglicherweise an ihm liegen würde, ob er sein Weg mit einer Medaille endet oder nicht.

Fürste zählte ein Jahrzehnt zu den besten Hockeyspielern der Welt, und viel mehr noch als sein großes spielerisches Vermögen zeichnet den Verteidiger die Präsenz aus, die er auf dem Feld ausstrahlt. Durch natürliche Autorität und Körpersprache wirkt Fürste imposant. Zudem ist er in der Lage, eine Mannschaft alleine durch seine Anwesenheit besser zu machen. "Die Mannschaft schaut zu ihm auf, besonders die jungen Spieler", sagt Hauke.

Fürste, der so oft Siege für die Mannschaft herbeigeführt hatte, konnte sich im Bronzematch auf die Hilfe seiner Kollegen verlassen. Im Viertelfinale gegen Neuseeland leiteten seine zwei Treffer nach Strafecken die irre Wendung zum 3:2-Erfolg in der letzten Sekunde ein, im Penaltyschießen gegen die Niederlande war er nicht mehr gefordert. Nicolas Jacobi sprang als Matchwinner ein. Der Torhüter wehrte den ersten und den fünften Versuch der Niederländer ab, und weil die deutschen Spieler bis dahin alle trafen, war die Bronzemedaille gewonnen, ehe Fürste als letzter deutscher Schütze auf die Bühne hätte treten müssen.

Erstaunliche Energieleistung nach dem Debakel

Der Sieg gegen den Erzrivalen war ein Kraftakt, aber am Ende verdient. "Dass wir hier, zwei Tage, nachdem wir im Halbfinale von Argentinien beim 2:5 verprügelt worden sind, die beste Leistung seit dem Halbfinale bei den Olympischen Spielen in London zeigen, das ist unglaublich", sagte Fürste. Beinahe wären die Deutschen aber an sich selbst gescheitert. Beste Chancen blieben ungenutzt, Fürste allein vergab vier Strafecken, und als die Niederländer im dritten Viertel eine der ganz wenigen Möglichkeiten zum 1:0 nutzten, drohte eine medaillenlose Abreise aus Rio.

"Ich hatte keine Sorge, dass wir nicht schaffen, zurückzukommen", sagte Fürste später, "denn wir waren heute so auf den Punkt fokussiert. Martin Häner, Fürstes Partner in der Abwehr, schaffte mit einem dynamischen Vorstoß den 1:1-Ausgleich noch vor dem Ende des dritten Viertels und ermöglichte damit das dramatische Penaltyschießen.

"Wir haben jetzt eine Medaille gewonnen und das ist etwas, was viele Sportler nie erreichen werden", sagte Hauke. Die Farbe des Metallstücks war dem 28-Jährigen in diesem Moment völlig egal. Bronze fühlte sich an wie Gold. Fürste pflichtete ihm bei: "Ich fühle mich von den Emotionen exakt genau so, wie ich mich vor vier oder acht Jahren gefühlt habe."

Glücklich.



insgesamt 2 Beiträge
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attacke! 19.08.2016
1. Riesen Spiel, Jungs! :-)
Gegen Argentinien die Seuche am Schläger und jetzt die Holländer klar beherrscht. Und doch noch spannend gemacht. Glückwunsch zu erneutem Edelmetall! Was ein Hockeyturnier, gestern Krimi bei den Mädels, heute bei den Jungs. Großer Sport. So, morgen noch Bronze für die Damen! Auf geht's!
burkhardschaffeld 19.08.2016
2. Antwort auf 2.
Ja, es zählt natürlich nur die Goldmedaille. Ich glaube, es war Otto Rehagel, der einmal so treffend meinte, der Erste wird gefeiert, für den 2. und. 3. werden die Scheiterhaufen unter der Tribüne angezündet. Glückwunsch zur Bronzemedaille.
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