Welthockeyspieler Fürste: "Die Erfolge allein treiben mich nicht an"

Es war ein außergewöhnliches Jahr für Moritz Fürste: Er gewann seine zweite olympische Goldmedaille und wurde zum Welthockeyspieler gewählt. Im Interview spricht der 28-jährige Nationalspieler über Paparazzi-Fotos, die Liga in Indien und die Olympia-Party auf der MS Deutschland.

Welthockeyspieler 2012: Das Jahr des Moritz Fürste Fotos
DPA

SPIEGEL ONLINE: Herr Fürste, in diesem Jahr sind Sie zum zweiten Mal Olympiasieger geworden. Auf der Rückfahrt mit der MS Deutschland haben Sie zusammen mit dem deutschen Team gefeiert. Wie wild war es?

Fürste: Ich war auf dem Schiff - und das, was dort laut Zeitungsberichten passiert sein soll, habe ich nicht mitbekommen. Es gab unterschiedliche Meinungen über das Ausmaß. Vermutlich ist die MS Deutschland solche Fahrgäste nicht gewohnt.

SPIEGEL ONLINE: Es gab Berichte über Schäden in Höhe von 500.000 Euro...

Fürste: Ja, das hab ich auch gelesen. Aber danach hab ich nie wieder was davon gehört.

SPIEGEL ONLINE: Bei der Rückkehr nach Deutschland sind Sie im Hafen von Hamburg eingelaufen, Ihrer Heimatstadt.

Fürste: Diese Einfahrt vor Tausenden von Menschen werde ich nie vergessen. Das kennt man in dieser Form noch nicht mal aus Fußballstadien. Das war unglaublich.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die Olympischen Spiele in London im Vergleich zu denen in Peking vor vier Jahren empfunden?

Fürste: Ich war deutlich abgebrühter. In China kam ich mir vor wie ein Tourist und habe wie ein Paparazzo Fotos von den Sportgrößen gemacht. Jetzt habe ich das alles viel mehr genossen. Die Siege 2008 und 2012 mag ich aber eigentlich nicht vergleichen. Jeder Erfolg hat seine eigene Geschichte und sein eigenes Gefühl.

SPIEGEL ONLINE: Viele waren von London als Gastgeber begeistert. Wie haben Sie die Stimmung empfunden?

Fürste: Wir haben direkt neben dem Olympic Park gewohnt und viel von der tollen Atmosphäre mitbekommen. Die Briten haben ihre Helden frenetisch angefeuert, sie sind unglaublich sportbegeistert. Auch bei unseren Spielen waren 17.000 Zuschauer. Das war der Wahnsinn.

SPIEGEL ONLINE: Was waren Ihre persönlichen Highlights bei Olympia?

Fürste: Das Olympische Dorf ist ein magischer Ort für diese drei Wochen. Meine Höhepunkte waren der Sieg der beiden Beachvolleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann und auch die Goldmedaillen von Diskuswerfer Robert Harting und dem Runder-Achter.

SPIEGEL ONLINE: Sie können auf ein extrem erfolgreiches Jahr als Hockeyspieler zurückblicken: Außer der Goldmedaille haben Sie mit dem Uhlenhorster Hockey Club (UHC) die Euro Hockey League gewonnen und sind zum Welthockeyspieler gekürt worden. Zeit, sich zur Ruhe zu setzen?

Fürste: (lacht) Wenn es danach gehen würde, hätte ich mich ja schon vor einigen Jahren zur Ruhe setzen können, weil ich schon viele internationale Titel gewonnen habe. Aber die Erfolge allein treiben mich ja nicht an.

SPIEGEL ONLINE: Sondern?

Fürste: Es ist mehr meine Leidenschaft für den Sport und weniger die Resultate. Auch wenn ich den Erfolg nicht gehabt hätte, würde ich immer noch spielen.

SPIEGEL ONLINE: Sie werden im kommenden Jahr in einer neu gegründeten Liga in Indien spielen für einen Monat. Dafür soll allein Ihre Antrittsgage 75.000 Dollar betragen.

Fürste: Nicht ganz, aber fast.

SPIEGEL ONLINE: Genießt Ihr Sport dort ein höheres Ansehen als hier?

Fürste: Das ist gar nicht mit Deutschland vergleichbar. Das ist dort der Volkssport schlechthin und hat ganz andere Dimensionen. Die haben mehr als zehn Millionen Zuschauer.

SPIEGEL ONLINE: Welche Ziele haben Sie sich für 2013 gesetzt?

Fürste: Zunächst will ich mit meinem Club de Campo Madrid Spanischer Meister werden. Für das Nationalteam steht unter anderem die EM in Belgien an. Ziel wird es sein, als Team zusammenzuwachsen. Wir haben viele neue junge Spieler dabei.

SPIEGEL ONLINE: Und in vier Jahren wollen Sie dann wieder bei Olympia dabei sein?

Fürste: Das lasse ich mir noch offen.

Das Interview führte Katharina Hölter

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Zur Person
Moritz Fürste, Jahrgang 1984, lernte das Hockeyspielen beim Uhlenhorster HC in Hamburg. 2005 debütierte er in der Nationalmannschaft. Mit ihr wurde Fürste dreimal Hallenhockeyweltmeister und einmal Europameister auf dem Feld. 2008 und 2012 holte Fürste die olympische Goldmedaille.

Olympia-Hockey der Männer seit 1992
Jahr Gold Silber Bronze
2012 Deutschland Niederlande Australien
2008 Deutschland Spanien Australien
2004 Australien Niederlande Deutschland
2000 Niederlande Südkorea Australien
1996 Niederlande Spanien Australien
1992 Deutschland Australien Pakistan