Hamburg - Die Steueraffäre um Uli Hoeneß überlagerte am Wochenende den Bundesliga-Spieltag. Über die Siege von Bayern und Dortmund wurde kaum geredet, im Mittelpunkt stand die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten. Spektakulär klang dabei ein Bericht der Münchner "Abendzeitung". Demnach habe Hoeneß in der Schweiz ein "unvorstellbares Vermögen" von mehreren hundert Millionen Euro gebunkert. Hoeneß dementierte entschieden: "Ihre Quelle liegt falsch", sagte er der Zeitung.
Zuerst hatte der "Focus" berichtet, die Staatsanwaltschaft München ermittle gegen Hoeneß wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Er habe im Januar eine Selbstanzeige beim Finanzamt eingereicht. Laut "Süddeutscher Zeitung" geht es dabei aber nicht um Schwarzgeld, das Hoeneß in die Schweiz geschafft hat. Stattdessen handele es sich um versteuertes Geld, Hoeneß habe dem Fiskus aber offenbar nicht die fällige Kapitalertragsteuer gezahlt. Im Klartext: Nicht das Vermögen selbst war unversteuert, sondern die Zinsen, die Hoeneß mit dem Geld erwirtschaftet hat.
Auch die Dimensionen sind der "SZ" zufolge kleiner, als am Wochenende spekuliert. Hoeneß habe dem Fiskus drei Millionen Euro an Steuern und Zinsen nachgezahlt. Dies lasse auf einen Gewinn von sechs Millionen Euro und ein Vermögen von 18 bis 20 Millionen Euro schließen. Die "Bild am Sonntag" hatte berichtet, Hoeneß habe bereits einen Abschlag von sechs Millionen Euro gezahlt.
Eigenthaler rechnet mit weiteren Fällen
Doch wie kam es zu den Spekulationen über eine angeblich dreistellige Millionensumme, die auch SPIEGEL ONLINE aufgriff? Der "SZ" zufolge könnte dies auf einen "Stern"-Artikel vom Januar zurückgehen. Das Magazin hatte damals über einen namentlich nicht genannten Fußball-Promi berichtet, der eine halbe Milliarde Euro bei einer Schweizer Bank gebunkert haben soll. Laut "SZ" prüften die Ermittler, ob dieser Fall im Zusammenhang mit Hoeneß stehe, konnten dafür aber keine Belege finden.
Hoeneß hofft nun offenbar, dank seiner Selbstanzeige um eine Strafe herumzukommen. Ob das funktioniert, ist aber ungewiss. Er muss auf jeden Fall alle nichterklärten Einkünfte vollständig nachmelden. Theoretisch müsste er dann die gesamten hinterzogenen Steuern nachzahlen, plus ein halbes Prozent Verzugszinsen pro Monat und zusätzlich einen Zuschlag von fünf Prozent.
Ob die Selbstanzeige tatsächlich zur Straffreiheit führe, hänge davon ab, ob Hoeneß "wirklich alles" auf den Tisch gelegt habe, sagte der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, der "Passauer Neuen Presse". Der Experte rechnet mit weiteren Ermittlungsansätzen für Steuerfahnder: "Ich gehe davon, dass noch andere Prominente aus dem Sportbereich Schwarzgeldkonten haben und jetzt nachdenklich werden", sagte Eigenthaler.
Hoeneß selbst will weiterhin vorerst nicht zu seinem Fall sagen: "Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere", sagte er dem "Münchner Merkur".
cte/aha
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