HSV Handball Schlammschlacht um Frank Rost

Rücktritt? Von wegen! Frank Rost will sein Amt als Geschäftsführer des HSV Handball nicht freiwillig abgeben. Präsident Matthias Rudolph hingegen will den Ex-Bundesliga-Torwart nicht entlassen, erklärt die Zusammenarbeit aber für beendet. Der Imageschaden für den Club ist enorm.

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Als Frank Rost mit lautem Getöse als Geschäftsführer des HSV Handball Mitte Juni vorgestellt wurde, ereignete sich eine kleine Szene am Rande. Während sich alles um Rost drängte, zehn TV-Kameras und rund 50 Medienvertreter waren vor Ort, berichtete HSV-Präsident Matthias Rudolph, dass sich der Club um Nationaltorhüter Silvio Heinevetter bemühen werde. Die Meldung darüber war in der Welt, und Rudolph stahl Rost die Show.

Schon damals, vor zwei Monaten, hätte man ahnen können, dass die Zusammenarbeit zwischen dem selbstbewussten Rost und den beiden Brüdern Matthias und Andreas Rudolph, Mehrheitsgesellschafter und eigentlicher Chef des Clubs, nicht in Harmonie ablaufen würde. Dass es diese drei großen Egos nur 50 Tage miteinander aushalten würden, kam dann doch überraschend. Und nun bahnt sich eine Schlammschlacht an, der Imageschaden ist schon jetzt enorm.

"Rost hat gestern Abend seinen Rücktritt vom Amt des Geschäftsführers angeboten", bestätigte Matthias Rudolph einen Bericht des "Hamburger Abendblatt". Endgültig beendet ist das Arbeitsverhältnis zwischen Rost und dem HSV Handball damit wohl nicht, denn von Rücktritt ist plötzlich keine Rede mehr. "Rost hat mir heute Morgen gesagt, dass er vom Amt des Geschäftsführers beurlaubt werden wolle. Er sagt, das sei arbeitsrechtlich so machbar", sagte Rudolph auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Rost sitzt in seinem Büro in der Geschäftsstelle

Dazu passt eine Meldung der "Welt", die Zeitung erreichte Rost Dienstagmorgen in der Geschäftsstelle des HSV. "Ich sitze hier in meinem Büro und habe ein bisschen Arbeit vor mir", sagte Rost dem Blatt. Die bisherige Berichterstattung kommentierte er mit den Worten "Wer hat erzählt, dass ich zurückgetreten bin?" und verwies an den Präsidenten des HSV: "Wir müssen gar nichts bereden, das müssten Sie mit Herrn Rudolph bereden." Dieser sagte SPIEGEL ONLINE: "Wenn Rost jetzt denkt, dass wir ihn ein Jahr weiterbezahlen, dann sind wir damit nicht einverstanden." Und der Deutschen Presseagentur sagte Rudolph: "Rosts Verhalten ist eine Frechheit. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geht gar nicht!"

Was als Sensation begonnen hatte, droht zu einem Prozess vor dem Arbeitsgericht zu werden. "Es ist traurig. Wir hatten so große Hoffnungen. Rost war ja die spektakulärste Verpflichtung im deutschen Handball. Aber es wird auch ohne ihn bei uns weitergehen", sagt Präsident Rudolph.

"Glaube nicht, dass die Mannschaft dieses Theater berührt"

Schon kurz nach Rosts Amtsantritt soll es beim HSV geknirscht haben. Das Klima auf der Geschäftsstelle war unter dem neuen Chef angeblich schnell frostig. Der frühere Fußball-Bundesliga-Torwart soll von den Geschäftsstellenräumen Fotos gemacht, diese rumgeschickt und sich dabei über die Unordnung beklagt haben. Daraufhin soll ein Container bestellt worden sein.

Rosts rauer Ton befremdete viele im Club. Das Kernproblem aber lag eher darin, dass der 40-Jährige von den Rudolph-Brüdern verlangte, dass die Kommunikation über ihn zu laufen habe und wesentliche Dinge durch ihn als Geschäftsführer abgesegnet werden müssten. Anders sei eine neue Darstellung des Clubs, die Rost als eine der wichtigsten Aufgaben genannt hatte, nicht garantiert. Allerdings sind die Rudolph-Brüder dafür bekannt, Entscheidungen, die sie für richtig halten, selbst zu fällen, ohne vorherige Absprache.

Als nun der Linkshänder Zarko Markovic für den rechten Rückraum verpflichtet wurde, eingefädelt von Matthias Rudolph, Trainer Martin Schwalb und dem zweiten Geschäftsführer Christoph Wendt, und ohne Kenntnis von Rost, kam es zum Knall. Präsident Rudolph sagt zur Personalie Markovic: "Wir brauchen jetzt einen Linkshänder, da mit Adrian Pfahl der Mann auf dieser Position ausfällt. Wir mussten vor den wichtigen Spielen, die vor uns liegen, einfach handeln."

Am 21. und 23. August muss der HSV, obwohl aktueller Champions-League-Sieger, gegen die Füchse Berlin um ein Ticket in der Königsklasse kämpfen. Und am 7. September kommt schon Meister THW Kiel in die Hansestadt. "Ich glaube nicht, dass die Mannschaft dieses Theater nun berührt", sagt Rudolph, der am Dienstag eigentlich nach Mallorca fliegen wollte. Bei seiner Urlaubsplanung konnte er nicht ahnen, dass er ein Geschäftsführer-Problem hat.



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
alaunemad 13.08.2013
1.
Zitat von sysopDPARücktritt? Von wegen! Frank Rost will sein Amt als Geschäftsführer des HSV Handball nicht freiwillig abgeben. Präsident Matthias Rudolph hingegen will den Ex-Bundesliga-Torwart nicht entlassen, erklärt die Zusammenarbeit aber als beendet. Der Imageschaden für den Club ist enorm. http://www.spiegel.de/sport/sonst/hsv-handball-droht-eine-schlammschlacht-mit-frank-rost-a-916290.html
Mal wieder dass statt das. das-dass.de - Wir wollen, dass auch du den Unterschied verstehst! (http://www.das-dass.de/)
jazcoleman 13.08.2013
2. optional
"dass" sei arbeitsrechtlich so machbar hat er sicher nicht gesagt. aber das ist ja nix neues, dass man auch beim spiegel keinen wert auf rechtschreibung legt.
kommentar4711 13.08.2013
3. Perfekt
Perfekt, so passt die Außendarstellung optimal zur Außendarstellung der Fußball-Abteilung. Ist wohl eine Art Hamburger Corporate Identity
zappomat 13.08.2013
4. Vorprogrammiert
Wer Frank Rost verpflichtet, weiß, dass er keinen Vereinskaspar bekommt, der zu allem Ja und Amen sagt.
hors-ansgar 13.08.2013
5. Armer Handball!
Die Außen-Darstellung des Handballports ist eine Katastrophe. Die Weltklasseteams aus Kopenhagen und Madrid werden sang- und klanglos aufgelöst. Der Vorzeigeverein THW Kiel verstrickt sich in die endlos erscheinende Schwenker/Serdarusic-Affäre, der DHB bewirbt sich um die WM, dann doch nicht, jetzt vielleicht doch wieder, die nationalmannschaft ist zweitklassig und nun dieses Kasperl-Theater. Schade. Handball ist eigentlich ein toller Sport. Es sind aber viel zu viele Dilletanten am Werk. National und international.
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