Doping in der Leichtathletik Auch Äthiopien und Marokko jetzt im Visier

Die Negativschlagzeilen bei der Leichtathletik reißen nicht ab: Jetzt sind auch Äthiopien und Marokko in Verdacht geraten. Beiden Verbänden werden deutliche Defizite im Anti-Doping-Kampf zur Last gelegt.

Äthiopiens Laufstar Genzebe Dibaba
AFP

Äthiopiens Laufstar Genzebe Dibaba


Nach den massiven Doping-Enthüllungen in Russland und Kenia geraten nun auch andere große Leichtathletik- Nationen immer stärker in den Fokus. Einen Tag vor Beginn der Hallen-WM in Portland zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" aus einem internen Papier des Weltverbandes IAAF, das vor allem Äthiopien und Marokko riesige Defizite bei der Doping-Bekämpfung vorwirft. Die geringe Anzahl von Kontrollen sei "entsetzlich", heißt es darin. "Das Fehlen eines nationalen Testprogramms ist für ein so erfolgreiches Leichtathletikland wie Äthiopien nicht akzeptabel."

IAAF-Präsident Sebastian Coe hatte die Verbände von Äthiopien, Marokko, Kenia, Weißrussland und der Ukraine bereits in der vergangenen Woche bei der Council-Sitzung des Weltverbandes gerügt. Er wolle dies aber eher als "Weckruf" und nicht als Ankündigung konkreter Sanktionen verstehen, schob er hinterher. Die Regularien der IAAF lassen aber ähnlich wie im Fall Russlands auch einen Olympia-Ausschluss von Äthiopien und Marokko zu, falls sie dem vorgegebenen Umfang von Doping-Tests nicht nachkommen.

Konkret hält die IAAF den Marokkanern laut FAZ-Bericht vor, gar keine nationale Anti-Doping-Agentur zu haben. Die Langzeit-Beobachtung der Blutwerte von marokkanischen Läufern habe ergeben, dass nur bei russischen Athleten noch häufiger Auffälligkeiten auftreten würden.

Die Vorwürfe gegen die große Läufer-Nation Äthiopien sind möglicherweise noch folgenreicher, weil sie deutlich mehr prominente Namen betreffen. So gewannen die Äthiopier allein bei der WM 2015 in Peking acht Medaillen, über 1500 Meter (Genzebe Dibaba), 5000 Meter (Almaz Ayana) und beim Marathon der Frauen (Mare Dibaba) sogar Gold.

Trotzdem seien diese Athletinnen 2015 von der Regionalen Doping-Agentur für Ostafrika nicht einmal in ihrer Heimat getestet worden, heißt es in dem IAAF-Papier. Auch 2013 und 2014 habe es insgesamt nur 14 Doping-Kontrollen in Äthiopien gegeben. Regelmäßig getestet werden Dibaba und Co. nur bei internationalen Wettkämpfen.

aha/dpa



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insgesamt 2 Beiträge
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allesamt 17.03.2016
1. Doping weltweit
In der Vergangenheit wurde doch in allen Ländern, die dazu in der Lage waren, gedopt. Angefangen in beiden deutschen Staaten, den USA (wer erinnert sich nicht an die Aussagen von ehemaligen 400-m-Läufern und die verstorbene 100-m-Weltrekordlerin), alle Ostblockstaaten sowieso, und, und, ... Wahrscheinlich wird weiter gedopt, derzeit wohl mit Medikamenten, die noch nicht nachgewiesen werden konnten. Die Gedopten, die jetzt erwischt werden, haben schlechte Ärzte, Berater und staatliche Vertuscher.
rumal55 17.03.2016
2. Natürlich
.....wird im Spitzensport weltweit gedopt. Es gibt aber noch Ausnahmen. Der deutsche Fußball ist sowas von " clean " Er ist eine Insel im Dopingsumpf Bravo weiter so. In Deutschland gibt es nur im " Radsport " Doping worüber die einheimische Presse die Bevölkerung immer gut, sachlich und zeitnah informiert. Dank für diesen investigativen Journalismus an unsere Sportmoderatoren.
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