Handball-WM ohne Fernsehen Weltverband gibt Sendern die Schuld

Das Hickhack um die fehlenden Fernsehbilder bei der Handball-WM geht in die nächste Runde. Jetzt hat sich der Weltverband gemeldet und aus seiner Sicht klare Schuldige ausgemacht.

DHB-Kapitän Uwe Gensheimer
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DHB-Kapitän Uwe Gensheimer


Für den TV-Blackout bei der Handball-WM sind nach Ansicht des Weltverbandes IHF allein die deutschen Fernsehsender verantwortlich. In einem dreiseitigen Schreiben wehrte sich die IHF am Dienstag mit deutlichen Worten gegen die ihrer Meinung nach zum Teil "rufschädigenden Unterstellungen" in deutschen Medien.

"Würde man sich darum bemühen, so müsste man erkennen, dass es allein an den deutschen TV-Sendern liegt, dass die WM aus Frankreich in Deutschland nicht übertragen wird", heißt es. Der Vertrag, den die IHF mit dem katarischen Rechteinhaber beIN Sports geschlossen habe, entspreche den Qualitätskriterien im Weltsport und beachte international geltende rechtliche Gepflogenheiten.

Unterstützung erfuhr der Weltverband dabei auch vom Deutschen Handball-Bund. Vizepräsident Bob Hanning betonte, IHF-Präsident Hassan Moustafa sei nicht verantwortlich für die hierzulande schwarzen Bildschirme während der WM in Frankreich. "Außer in Deutschland bekommen es alle zivilisierten europäischen Staaten hin, WM-Handball live im Fernsehen zu zeigen", sagte Hanning der "Sport Bild".

ARD und ZDF hatten unter anderem darauf verwiesen, dass sie das von beIN Sports geforderte Geoblocking für das TV-Signal technisch nicht erfüllen könnten. Das Geoblocking soll garantieren, dass die Spiele letztlich nur in Deutschland und nicht etwa auch in Nachbarländern zu empfangen sind. "Warum dies nicht in Deutschland möglich sein soll, erschließt sich für die IHF nicht", heißt es weiter. In Europa werde die WM beispielsweise in Kroatien, Norwegen oder Spanien auf öffentlich-rechtlichen Sendeplattformen übertragen.

beIN Sports besitzt die internationalen Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften von 2015 bis 2017. Weder ARD und ZDF noch andere deutsche Sender hatten sich mit beIN Sports vor der WM einigen können, weshalb Spiele von dem Turnier in Deutschland nur im Internetstream des Sponsors DKB zu sehen sind. Mehrere deutsche Interessenten hatten beIN Sports vorab für komplizierte Verhandlungen kritisiert. Einige hatten laut eigenen Angaben nicht mal eine Rückmeldung der Kataris bekommen.

Diskussion dreht sich um Verschlüsselung

Die IHF verteidigte den Rechteinhaber und verwies auf "das wirtschaftlich mit Abstand bestdotierte" Angebot, für welches beIN Sports damals den Zuschlag für die TV-Rechte bekommen hatte. Dieses sei 42,85 Prozent höher als das zweitbeste Angebot gewesen. Auf der Grundlage dieses Vertrages werde die WM weltweit in knapp 180 Märkten im Fernsehen übertragen. Um den "Overspill", also den Empfang des jeweiligen TV-Signals in Nachbarländern, zu verhindern, hätten die jeweiligen Sender den Satellit verschlüsselt.

ARD und ZDF hatten von Beginn an betont, dass das technisch in Deutschland nicht möglich sei und waren frühzeitig aus den Verhandlungen ausgestiegen. Eine Verschlüsselung hätte laut der Sender bedeutet, dass alle deutschen Haushalte, die ARD und ZDF über Satellit schauen, keine Spiele hätten sehen können. Auch der Pay-TV-Sender Sky, der vor der WM 2015 noch kurzfristig eingesprungen war, hatte sich früh zurückgezogen.

Versuche der IHF zur Vermittlung, sowie technische Vorschläge von beIN Sports seien bei mehreren Treffen mit der Rechteagentur von ARD und ZDF "als nicht praktikabel abgelehnt" worden, schreibt der Weltverband. IHF-Präsident Hassan Moustafa und DHB-Präsident Andreas Michelmann hätten sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem gemeinsam Schreiben um "Unterstützung bei der Konfliktlösung" gebeten. Auch dies blieb ohne Erfolg.



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Mertrager 17.01.2017
1. Geo Blocking
Ich kaufe einen Inhalt in Deutschland. Später fliege ich nach Gran Canaria. Ich will das dort ansehen und erhalte die Mitteilung: "In Ihrem Land ist dieser Inhalt nicht verfügbar". ME habe ich die Daten auf meinem iPad. Trotzdem geht das nicht. Wenn das Geo Blocking ist, ist es sinnfreier und umsatzschädigender Schwachsinn.
schnuffi 17.01.2017
2. Gut so.
Gut so, auch wenn es die Handballfreunde schmerzt. Den Weltverbänden muss auch mal "Kante" gezeigt werden. Die öffentlich-rechtlichen haben nicht die Aufgabe, 42% über dem zweitplatzierten Angebot zu liegen.
erlkönig_thinktank 17.01.2017
3. Angebot und Nachfrage
Ehrlich gesagt, verstehe ich die Diskussion nicht. Natürlich hätten in Deutschland gerne sehr viele Menschen die Handball-WM gesehen, aber wenn man sich seitens des Verbandes dazu entschließt, nur nach monetären Gesichtspunkten Rechte zu vergeben, dann muss man damit rechnen, dass viele Fans nicht länger beteiligt sind. Faktoren, wie technische Restriktionen, Erreichbarkeit der Zielgruppe und Abwicklung der Verträge/Verhandlungen, gehören aus meiner Sicht zwingend bei der Rechtevergabe berücksichtigt. Aber ich habe schon lange das Gefühl, dass nur noch der Profit eine Rolle spielt. Insofern sehe ich da sehr wohl eine Verantwortung beim Verband. Dass öffentlich-rechtliche Sender, die über eine Zwangsgebühr aller Bewohner eines Landes, hier ihr Budget im Auge haben, finde ich ausgesprochen vernünftig. Auch wenn sicher ein gewisser Bevölkerungsanteil großes Interesse an den Handballspielen hat, kann das nicht ausufern. Hier gilt einfach die Regel des Marktes: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Und dann sollte sich der Verband überlegen, ob das für zukünftige Jahre so bleiben soll, denn Sport lebt von aktiven Sportlern und die rekrutieren sich aus der Jugend. Und dazu muss die Bevölkerung auch bei emotionalen Großereignissen dabei sein - darum sollte das Eigeninteresse des Verbandes an einer Ausstrahlung größer sein, als der kurzfristige Gewinn.
streetbob011 17.01.2017
4.
Ich stehe voll und ganz hinter der Entscheidung von ARD und ZDF. Soll doch die Handball-WM , Fussball-WM und Olympiade und was weiß ich noch für eine WM alles in Katar stattfinden und nur im Bezahlfernsehen gezeigt werden.
goffis1 17.01.2017
5. Fein gemacht
Ich bin der Meinung, dass öffentlich rechtliche Fernsehsender, die sich aus Beiträgen finanzieren, sich aus Sportveranstaltungen, die solche Mengen an Geld verschwenden, ausklinken sollten. Wenn es nach mir gehen würde, sind alle Sportarten gleich zu bewerten. Es kann auch nicht sein, dass viele Mio. jedes Jahr für Fußball ausgegeben werden. Alles sollte seinen Platz haben. Wenn alle Sender an einem Strang ziehen, werden sich auch die Preise von allein nach unten korrigieren.
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