Illegale Sportwetten in den USA: "Das Geschäft ist explodiert"

Den Schiedsrichtern der Basketball-Profi-Liga NBA wird immer wieder Spielmanipulation vorgeworfen. Der Strafrechtler Sean Patrick Griffin erklärt im Interview, warum das Sportwetten-Geschäft in den USA blüht und das FBI nur zuschaut.

NBA-Referee (l.), Star Anthony: "Sie erscheinen mir oft frustriert" Zur Großansicht
REUTERS

NBA-Referee (l.), Star Anthony: "Sie erscheinen mir oft frustriert"

SPIEGEL ONLINE: Herr Griffin, allein in Nevada haben die Buchmacher mit Sportwetten im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Dollar eingenommen. Auf illegalem Wege sollen es sogar 380 Milliarden gewesen sein. Ist Spielsucht in den Vereinigten Staaten zum Problem geworden?

Griffin: Als Problem würde ich es nicht bezeichnen. Aber die Weltwirtschaftskrise hat viele Menschen arbeitslos gemacht. Immer mehr suchen ihr Glück deshalb in Sportwetten. Das Geschäft ist förmlich explodiert.

SPIEGEL ONLINE: Erlaubt ist das Tippen auf Sportereignisse bislang nur in Nevada und mit Einschränkungen in Delaware, Oregon und Montana. Fühlen sich andere Bundesstaaten gar nicht benachteiligt?

Griffin: Doch. Wer lässt sich pro Jahr schon gerne vier Milliarden Dollar an Steuergeldern entgehen? Aus diesem Grund wollen die Bundesstaaten New Jersey und New York jetzt das Gesetz ändern und Sportwetten legalisieren. Außerdem hoffen sie, so der Organisierten Kriminalität eine wichtige Einnahmequelle zu entziehen.

SPIEGEL ONLINE: Wird das funktionieren?

Griffin: Diejenigen, die mit illegalen Sportwetten richtig Geld verdienen, lassen sich von Gesetzen ohnehin nicht abschrecken. Die haben das ganze System längst professionalisiert.

SPIEGEL ONLINE: Wie arbeiten diese Leute?

Griffin: Sie analysieren Spiele, Athleten und Teams mit Hilfe von spezieller Software. Sie besorgen sich Insider-Informationen aus den Mannschaften. Wer ist verletzt, wer steckt gerade in einem Leistungstief, und welcher Coach ist wie auf welchen Schiedsrichter zu sprechen? Oft benutzen sie Wegwerftelefone, um die Spuren zu Informanten zu verwischen.

SPIEGEL ONLINE: Und das FBI?

Griffin: Die Bundespolizei konzentriert sich nach wie vor auf Spielmanipulation. In dieser Behörde hat noch niemand begriffen, dass der Handel mit Informationen der neueste Trend im Sportwetten-Geschäft ist - und dass davon längst nicht nur Wettbüros und Zocker profitieren.

SPIEGEL ONLINE: Sondern?

Griffin: Vor allem Trainer, Schiedsrichter oder Physiotherapeuten, die Informationen aus dem Kreis der Mannschaft liefern.

SPIEGEL ONLINE: Alle Profiligen in den USA sind von Maulwürfen unterwandert?

Griffin: Nicht alle. Aber in einer Liga wie der National Football League, wo viele Mitarbeiter zu einem Team gehören, werden Informationen öfter nach außen getragen. In der NFL verdienen die Buchhändler auch das meiste Geld.

SPIEGEL ONLINE: Wie werden diese Informanten bezahlt?

Griffin: In den wenigsten Fällen mit Geld. Meistens sind die Quellen selbst in Wettgeschäfte verwickelt und bekommen als Gegenleistung Wettschulden erlassen.

SPIEGEL ONLINE: Wie hoch ist die Chance, erwischt zu werden?

Griffin: Jemandem die Weitergabe von internen Informationen nachzuweisen, ist kompliziert - auch für das FBI. Deswegen floriert dieses Geschäft so. Es läuft anonym ab, birgt für die Informanten wenig Risiken und ist auf lange Sicht recht profitabel.

Das Interview führte Matthias Fiedler

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1. Buchhändler?
dschiseskreist 20.04.2013
Wohl eher Buchmacher, oder?
2. Aaargh
pffft 20.04.2013
"Herr Griffin, allein in Nevada haben die Buchhändler mit Sportwetten im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Dollar eingenommen." BUCHMACHER!!!!!! oder schreibt doch gleich Buchbinder oder Buchständer, Qualitätssicherung gibt es hier ja nicht mehr. traurig, traurig-
3.
pauschaltourist 20.04.2013
Zitat von sysopWer lässt sich pro Jahr schon gerne vier Milliarden Dollar an Steuergeldern entgehen? Aus diesem Grund wollen die Bundesstaaten New Jersey und New York jetzt das Gesetz ändern und Sportwetten legalisieren.
Ich würde den umgekehrten Weg empfehlen: Sportwetten gesetzlich vollständig untersagen (mal ehrlich: Wetten auf sportliche Ereignisse widersprechen sowieso dem gesunden Menschenverstand und ergeben null Sinn) und illegale Wetten zur ruchbaren Handlung erklären, aus der niemand Rechtsansprüche (zB auf zugesagte Gewinne) erlangen kann. Dann wähnen die illegalen Wetter sich nicht mehr sicher, ihr Buchmacher muss sie nicht auszahlen und der kriminelle Sumpf, der bei diesen Summen zwangsläufig in Korruption und Betrug mündet, wäre trocken gelegt und die Ergebnisse der sportlichen Begegnungen würden zur Abwechslung vielleicht fair verlaufen und als Nebeneffekt könnten die Kinder der Wettsüchtigen vielleicht auch mal wieder satt werden und nicht nur die dies Buchmachers.
4.
pauschaltourist 20.04.2013
Zitat von sysopIn der NFL verdienen die Buchhändler auch das meiste Geld.
Woher sollen 19jährige Journalismuspraktikanten denn auch den "Beruf" des Buchmachers kennen ;) Die gucken nicht TAAHM sondern nur Arte ;)
5. komischer Bericht
Talan068 20.04.2013
Ja, diese üblen Buchhändler immer ;). Was heißt Tippen ist nur in Nevada ... erlaubt? D.h. doc das Wettbüro muß seinen Sitz da haben, oder? Der Großteil, wird sicherlich online getippt, sonst kann ich mir 380 Millarden $ nicht erklären. == Sie analysieren Spiele, Athleten und Teams mit Hilfe von spezieller Software. Sie besorgen sich Insider-Informationen aus den Mannschaften. Wer ist verletzt, wer steckt gerade in einem Leistungstief, und welcher Coach ist wie auf welchen Schiedsrichter zu sprechen? Oft benutzen sie Wegwerftelefone, um die Spuren zu Informanten zu verwischen. == So richtig illegal, hört sich das für mich nicht an. Wenn man so eine Sotware hat, dann hat man sie, die Börse funktioniert ja auch so. Okay, das kaufen, bzw. das weitergeben von Insiderinforation, ist schon illegal, aber eine Spielmanipulation kann ich da nicht erkennen.
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Zur Person
  • Sean Griffin
    Der US-Amerikaner Sean Patrick Griffin ist Professor für Strafrecht an der Pennsylvania State University und Autor mehrerer Sachbücher. Zu seinem Fachgebiet gehören organisiertes Verbrechen, Wirtschaftskriminalität und Korruption. 2011 veröffentlichte Griffin das Buch ¿Gaming the Game¿, in dem er den Wettskandal um den ehemaligen NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy analysiert. Für die Hintergründe des Falls Donaghy forschte Griffin dreieinhalb Jahre in der Sportwetten-Szene, befragte über einhundert professionelle Zocker und Mitarbeiter des FBI. Im Moment arbeitet Griffin an einem Buch, das die Zusammenhänge zwischen dem Sportwetten-Geschäft und illegalem Informationshandel in US-amerikanischen Profiligen beleuchtet.
  • Webseite von Sean Griffin

MLB-Meister seit 2000
Jahr Meister (Endergebnis)
2013 Boston Red Sox (4:2 vs. St. Louis)
2012 San Francisco Giants (4:0 vs. Detroit)
2011 St. Louis Cardinals (4:3 vs. Texas)
2010 San Francisco Giants (4:1 vs. Texas)
2009 New York Yankees (4:2 vs. Philadelphia)
2008 Philadelphia Phillies (4:1 vs. Tampa Bay)
2007 Boston Red Sox (4:0 vs. Colorado)
2006 St. Louis Cardinals (4:1 vs. Detroit)
2005 Chicago White Sox (4:0 vs. Houston)
2004 Boston Red Sox (4:0 vs. St. Louis)
2003 Florida Marlins (4:2 vs. N.Y. Yankees)
2002 Anaheim Angels (4:3 vs. San Francisco)
2001 Arizona Diamondb. (4:3 vs. N.Y. Yankees)
2000 New York Yankees (4:1 vs. N.Y. Mets)

National Football League
AP
Die 32 Teams in der National Football League (NFL) spielen in zwei Conferences: der American Football Conference (AFC) und der National Football Conference (NFC). AFC und NFC umfassen jeweils 16 Teams, die wiederum in vier Divisions unterteilt sind: East, North, South und West.

AFC East: Buffalo Bills, Miami Dolphins, New England Patriots, New York Jets
AFC North: Baltimore Ravens, Cincinnati Bengals, Cleveland Browns, Pittsburgh Steelers
AFC South: Houston Texans, Indianapolis Colts, Jacksonville Jaguars, Tennessee Titans
AFC West: Denver Broncos, Kansas City Chiefs, Oakland Raiders, San Diego Chargers

NFC East: Dallas Cowboys, New York Giants, Philadelphia Eagles, Washington Redskins
NFC North: Chicago Bears, Detroit Lions, Green Bay Packers, Minnesota Vikings
NFC South: Atlanta Falcons, Carolina Panthers, New Orleans Saints, Tampa Bay Buccaneers
NFC West: Arizona Cardinals, St. Louis Rams, San Francisco 49ers, Seattle Seahawks
Der NHL-Modus
Die 30 Teams der National Hockey League (NHL) spielen in sechs Gruppen (Divisions) zu je fünf Mannschaften. Die Aufteilung richtet sich nach der geografischen Lage der Heimatorte. Jeweils drei Divisions bilden die Eastern und die Western Conference. In der Hauptrunde (Regular Season) absolviert jedes Team 82 Spiele. Die Playoffs werden zunächst in der jeweiligen Conference ausgespielt: Qualifiziert sind die drei Division-Sieger sowie die fünf nächsten punktbesten Mannschaften der Conference. Gespielt wird nach dem Modus Best of seven. Der Sieger der Eastern und der Sieger der Western Conference bestreiten das Finale um den Stanley Cup. Dieser wird seit 1894 ausgespielt und ist damit eine der ältesten Mannschaftstrophäen der Welt.