SPIEGEL ONLINE: Herr Griffin, allein in Nevada haben die Buchmacher mit Sportwetten im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Dollar eingenommen. Auf illegalem Wege sollen es sogar 380 Milliarden gewesen sein. Ist Spielsucht in den Vereinigten Staaten zum Problem geworden?
Griffin: Als Problem würde ich es nicht bezeichnen. Aber die Weltwirtschaftskrise hat viele Menschen arbeitslos gemacht. Immer mehr suchen ihr Glück deshalb in Sportwetten. Das Geschäft ist förmlich explodiert.
SPIEGEL ONLINE: Erlaubt ist das Tippen auf Sportereignisse bislang nur in Nevada und mit Einschränkungen in Delaware, Oregon und Montana. Fühlen sich andere Bundesstaaten gar nicht benachteiligt?
Griffin: Doch. Wer lässt sich pro Jahr schon gerne vier Milliarden Dollar an Steuergeldern entgehen? Aus diesem Grund wollen die Bundesstaaten New Jersey und New York jetzt das Gesetz ändern und Sportwetten legalisieren. Außerdem hoffen sie, so der Organisierten Kriminalität eine wichtige Einnahmequelle zu entziehen.
SPIEGEL ONLINE: Wird das funktionieren?
Griffin: Diejenigen, die mit illegalen Sportwetten richtig Geld verdienen, lassen sich von Gesetzen ohnehin nicht abschrecken. Die haben das ganze System längst professionalisiert.
SPIEGEL ONLINE: Wie arbeiten diese Leute?
Griffin: Sie analysieren Spiele, Athleten und Teams mit Hilfe von spezieller Software. Sie besorgen sich Insider-Informationen aus den Mannschaften. Wer ist verletzt, wer steckt gerade in einem Leistungstief, und welcher Coach ist wie auf welchen Schiedsrichter zu sprechen? Oft benutzen sie Wegwerftelefone, um die Spuren zu Informanten zu verwischen.
SPIEGEL ONLINE: Und das FBI?
Griffin: Die Bundespolizei konzentriert sich nach wie vor auf Spielmanipulation. In dieser Behörde hat noch niemand begriffen, dass der Handel mit Informationen der neueste Trend im Sportwetten-Geschäft ist - und dass davon längst nicht nur Wettbüros und Zocker profitieren.
SPIEGEL ONLINE: Sondern?
Griffin: Vor allem Trainer, Schiedsrichter oder Physiotherapeuten, die Informationen aus dem Kreis der Mannschaft liefern.
SPIEGEL ONLINE: Alle Profiligen in den USA sind von Maulwürfen unterwandert?
Griffin: Nicht alle. Aber in einer Liga wie der National Football League, wo viele Mitarbeiter zu einem Team gehören, werden Informationen öfter nach außen getragen. In der NFL verdienen die Buchhändler auch das meiste Geld.
SPIEGEL ONLINE: Wie werden diese Informanten bezahlt?
Griffin: In den wenigsten Fällen mit Geld. Meistens sind die Quellen selbst in Wettgeschäfte verwickelt und bekommen als Gegenleistung Wettschulden erlassen.
SPIEGEL ONLINE: Wie hoch ist die Chance, erwischt zu werden?
Griffin: Jemandem die Weitergabe von internen Informationen nachzuweisen, ist kompliziert - auch für das FBI. Deswegen floriert dieses Geschäft so. Es läuft anonym ab, birgt für die Informanten wenig Risiken und ist auf lange Sicht recht profitabel.
Das Interview führte Matthias Fiedler
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles zum Thema US-Sports | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH