Mögliche Begnadigung der Rusada "Katastrophe für den sauberen Sport"

Die bevorstehende Entscheidung über die Zukunft des russischen Antidopingprogramms beschäftigt die Sportwelt. Gegen eine mögliche Aufhebung der Sperre für die Rusada regt sich heftiger Widerstand.

Dopingproben
AP

Dopingproben


Soll die russische Antidopingagentur Rusada wieder in den Kreis der Antidopingkämpfer aufgenommen werden? Die Frage sorgt in der Sportwelt derzeit für große Aufregung. Die Empfehlung einer Kommission der Welt-Antidopingagentur Wada, Rusada nach drei Jahren Sperre zu begnadigen, hat bei zahlreichen Dopingfahndern Empörung ausgelöst.

Auch innerhalb der Wada selbst regt sich Widerstand. Vizepräsidentin Linda Helleland kündigte in einem Statement an, bei der Abstimmung am Donnerstag gegen die Aufhebung der Sanktionen zu votieren. "Ich registriere Fortschritte, und ich erkenne die Bemühungen der Rusada an, aber solange der McLaren-Bericht nicht anerkannt wird und die Wada keinen Zugang zu den Laboren hat, werde ich gegen die Wiederaufnahme Russlands stimmen", erklärte die Norwegerin, die Wada-Präsident Craig Reedie im kommenden Jahr beerben möchte.

Für Claudia Bokel, die ehemalige Vorsitzende der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees, ist die Russland-Kehrtwende der Wada besorgniserregend. Die Wada stehe mit ihrer Entscheidung "vor einem wegweisenden Moment ihrer Geschichte", schreibt sie in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Selbst Seehofer meldet sich

Whistleblower Grigorij Rodtschenkow hat die mögliche Aufhebung der Suspendierung ebenfalls scharf kritisiert. Der frühere Leiter des Moskauer Dopinglabors sprach von einer "Katastrophe für den sauberen Sport".

"Die Wada darf nicht zum Opfer von Manipulationen durch das russische Sportministerium werden", mahnte Rodtschenkow. Das Ministerium sei der "Arm des Kremls", der zuvor schon das Dopingprogramm ermöglicht und falsche Behauptungen aufgestellt habe.

Man müsse erneut klarstellen, dass die ursprüngliche Forderung der WADA war, "dass der McLaren-Bericht von den russischen Sportbehörden vollständig anerkannt werden muss und dass Russland alle Beweise, einschließlich der Datenbank und aller Proben aus dem Moskauer Labor, übergeben muss", erklärte Rodtschenkow, der an einem geheimen Ort in den USA lebt.

Selbst Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich bei dem Thema zu Wort gemeldet. Auch er ist dagegen, die Suspendierung aufzuheben. "Doping ist Unrecht - es stellt die Integrität des Sports substanziell in Frage und raubt dem Sport sein Fundament", sagte Seehofer. Nur der sportliche Wettbewerb unter fairen und sauberen Bedingungen werde die gesellschaftliche Bedeutung des Sports und die Begeisterung der Fans erhalten und neue Zuschauer gewinnen.

aha/dpa/sid



insgesamt 2 Beiträge
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The Restless 19.09.2018
1. Nicht die einzigen Sünder
es gibt auch andere sogenannte Anti-Doping Agenturen, die ähnliche Spiele treiben. Man muss einfach anerkennen, dass das Doping zum System gehört und auch nicht eliminiert werden kann. Dazu sollte man es sportlich nehmen: Es gewinnt, wer gut dopt und gleichzeitig nicht erwischt wird - so lief es seit den 1970er Jahren (vielleicht schon früher) und der Rubel rollte wie immer ...
nixkapital 19.09.2018
2. ....
....sich nur auf die RUSADA einzuschießen, greift zu kurz. Auch in vielen anderen Ländern wird systematisch gedopt. Jan Ulrich, Kathrin Krabbe & Co. sind doch nur die prominente Spitze eines mit Sicherheit größeren Eisbergs z.B. in Deutschland. Und die Liste der erwischten "West"-Sportler ist lang. Das macht das russische Doping nicht besser. Aber erst wenn Sportler von dem Rekord-(Erwartungs-)wahn befreit werden, wird es auch wieder sauberen Sport geben.
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