Kritik an Doping-Opfer-Hilfeverein "Die Opfer sind ihnen letztlich egal"

Dürfen Täter wie Opfer die Hilfe des Doping-Opfer-Hilfevereins in Anspruch nehmen? Die Vorsitzende Ines Geipel kann die Forderung nach einer Gesetzesänderung nicht nachvollziehen.

Ines Geipel
WDR/ Max Kohr

Ines Geipel


Die Vorsitzende Ines Geipel hat die Arbeit des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH) gegen Kritik von vier Doping-Experten verteidigt. "Wir haben als DOH enormen Zulauf, die Schicksale sind sehr schwer", sagte Geipel in einer Stellungnahme. "Wir leisten diese Arbeit seit Jahren im Ehrenamt. Dass nun so vehement versucht wird, unseren langen Kampf in Misskredit zu bringen, hat in meinen Augen etwas sehr Vordergründiges."

Am Donnerstag hatte der SPIEGEL darüber berichtet, dass der Molekularbiologe Werner Franke, Gerhard Treutlein, Co-Autor des Buches "Doping im Spitzensport", die ehemaligen Leichtathletin Claudia Lepping und Henner Misersky (ehemaliger Langlauftrainer) in einem Brief an die Mitglieder des Bundestags-Sportausschusses eine grundlegende Veränderung des Dopingopferhilfegesetzes fordern. Die Regelung liefert die Entscheidungsgrundlagen, wer Anspruch auf eine Einmalzahlung in Höhe von 10.500 Euro aus dem mit 10,5 Millionen Euro ausgestatteten Opfer-Fonds hat.

Geipel kritisierte den Brief: "Dass Gründungsmitglieder jetzt so weit gehen, sogar die Fristverlängerung und die Aufstockung des Fonds stoppen zu wollen, das heißt, dass ihnen die Opfer letztlich egal sind, das finde ich persönlich schon schwer bedenklich", sagte sie: "Die Argumente, die der Brief liefert, erinnern mich fatal an die Sätze derer, die das Schadensthema im Sport über Jahrzehnte abgewehrt haben. Das ist schon bizarr. Dass wir als Vorstand den Brief nicht erhalten haben, ist auch merkwürdig. Hätte man das nicht anders miteinander lösen können?"

Angestoßen wurde der Brief offenbar von der Ankündigung des Zehnkampf-Olympiasiegers von 1988, Christian Schenk, die Erfolgschancen einer möglichen Entschädigung aus dem Opferfonds zu prüfen. Schenk hatte in seiner Biografie zugegeben, während seiner Zeit als Leistungssportler in der DDR wissentlich gedopt zu haben.

krä/sid



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