Infografik der Woche Zoll verzeichnet mehr Dopingschmuggel

Im Internet blüht der Handel mit Anabolika-Präparaten und andere Dopingsubstanzen, die Gewinne der Händler sind groß. Das schlägt sich auch in der Zollstatistik nieder, wie die Infografik der Woche zeigt.


SPIEGEL ONLINE

Immer häufiger greift der Zoll illegal eingeführte Dopingsubstanzen auf - und leitete entsprechende Ermittlungsverfahren ein. Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, ist die Zahl der Verfahren des Zollfahndungsdienstes im Bereich Arzneimittel in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Von 2006 bis 2014 hat sie sich mehr als verfünffacht.

Mittlerweile machen Anabolika-Präparate und andere Dopingsubstanzen den Großteil des Bereichs Arzneimittel aus. Von den knapp 2500 Ermittlungsverfahren hatten im vergangenen Jahr mehr als 1900 diesen Hintergrund. Das waren fast 600 mehr als im Jahr 2013 und etwa 45-mal so viele wie noch im Jahr 2006.

Der Bereich Arzneimittel gehört in der Statistik des Zollkriminalamtes zum Bereich der sonstigen "Verbote und Beschränkungen", der auch die Produktpiraterie und den Artenschutz umfasst. Auch im Vergleich mit diesen Kategorien sind die Verfahren zu Dopingsubstanzen mittlerweile stark in der Überzahl und machen zwei Drittel der Fälle aus: rund 1900 von fast 3000. Im vergangenen Jahr gab es verteilt über alle Bereiche insgesamt mehr als 14.600 verfolgte Zolldelikte.

Grundstoffe vor allem aus China

Warum hat der Dopingschmuggel in der Statistik eine so starke Position eingenommen? Der Zoll erklärt dies mit den "großen Gewinnmargen für die Täter und der einfachen, konspirativen und anonymen Nutzung des Tatmediums Internet". So stellte der Zoll im Jahr 2012 mehr als 400.000 Tabletten mit Anabolika oder anderen Dopingstoffen sicher, hinzu kamen 73.500 Ampullen.

Geschmuggelt werden aber nicht nur fertige Tabletten. 2014 hat der Zollfahndungsdienst nach eigenen Angaben erneut mehrere sogenannte Untergrundlabore zur illegalen Herstellung von Doping- und anderen Arzneimitteln in Deutschland aufgespürt. Die Grundstoffe, die in solchen Laboren verarbeitet werden, stammen den Behörden zufolge nach wie vor überwiegend aus China. Doch auch andere Wege werden genutzt. So zitierte die "Zeit" jüngst Deutsche, die Dopingpräparate für Freizeitsportler auf ihrem Rückweg aus dem Urlaub in Ägypten mitnehmen und sich damit einen Nebenverdienst aufbauen.

Ohnehin sind es meist nicht in erster Linie Leistungsathleten, die als Abnehmer für die geschmuggelte Ware fungieren, sondern eine Vielzahl an Hobby- und Breitensportlern. Auch der Zoll vermutet einen stetigen und wachsenden Kreis an Abnehmern für illegale Doping- und Arzneimittel in der Bevölkerung. Eine Änderung im Konsumverhalten sei unwahrscheinlich.


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Andreas Grieß (Statista)/che

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