Intransparente Verbände Kampf der Korruption

Die Deutsche Fußball Liga und der DFB haben erste Schritte im Kampf gegen Korruption eingeleitet. Expertenvorschläge gibt es viele, wie das Magazin "SPONSORS" zeigt - doch umgesetzt werden bisher nur wenige. Das größte Problem: Korrupte Funktionäre haben noch immer kaum etwas zu befürchten.

Übergabe eines Bündels mit 100-Euro-Banknoten: Korruption im Sport ist weit verbreitet
DPA

Übergabe eines Bündels mit 100-Euro-Banknoten: Korruption im Sport ist weit verbreitet

Von Tobias Kuske


Die Fifa steht seit Jahren in der Kritik. Der Fußball-Weltverband wird immer wieder mit Korruption in Verbindung gebracht. Selbst Fifa-Präsident Sepp Blatter wurde mit der Aussage zitiert, dass "wir Probleme mit unserem Image haben".

Bei anderen Verbänden und Vereinen sieht es nicht besser aus, glaubt man Korruptionsexperten wie Anne Schwöbel, Geschäftsführerin von Transparency International in der Schweiz. Das liege vor allem daran, dass korrupte Sportfunktionäre rechtlich kaum etwas zu befürchten hätten, sagt Matthias Braasch, Korruptionsexperte von der Universität Gießen. Aufgrund der berücksichtigten Autonomie des Sports greifen viele Gesetze bei Vereinen und Verbänden nicht.

Markus Schöner, Compliance-Rechtsexperte von der Kanzlei CMS Hasche Sigle, warnt vor allzu großer Sorglosigkeit. Unter bestimmten Umständen müssten auch Sportfunktionäre wegen eines Korruptionsfalles haften. Das gelte jedenfalls für eingetragene Vereine, die im Rahmen des sogenannten Nebenzweckprivilegs in erheblichem Umfang wirtschaftlich tätig seien. Damit es nicht so weit kommt, empfiehlt Schöner unter anderem, die eigenen Mitarbeiter zu belehren, fortlaufend zu kontrollieren und nötigenfalls auch zu sanktionieren. Insbesondere durch eine Rotation der Mitarbeiter könnten Problemfälle leichter aufgedeckt werden. Natürlich müsse darüber hinaus noch einiges mehr getan werden, sagt Schöner.

Wie sich Sportverbände konkret schützen können, hat Anne Schwöbel im Auftrag von Swiss Olympic zusammengetragen. Ihr Ratgeber zu "Transparenz im organisierten Sport" ist bislang einmalig. Darin enthalten ist auch ein Schnelltest. Muss man auf die darin gestellten Fragen dreimal oder öfter mit "nein" antworten oder sechsmal mit "teilweise", bestehe eine erhöhte Korruptionsgefahr.

Erste Schritte bei DFL und DFB

Laut Schwöbel sind viele der aufgezeigten Maßnahmen wie die Beachtung des Vier-Augen-Prinzips mit geringem Aufwand verbunden. Aber auch andere Maßnahmen wie ein verbindlicher Ethik-Kodex oder die Einrichtung einer Meldestelle, die es Hinweisgebern erlaubt, anonym zu bleiben, solle jeder Verband und Club umsetzen.

Tatsächlich hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) kürzlich einen Ombudsmann benannt, der "bei Anhaltspunkten für geplante oder verabredete Spielmanipulationen oder andere Unregelmäßigkeiten" als unabhängiger Ansprechpartner für Hinweisgeber zur Verfügung stehen soll. Das ist ein erstes Ergebnis des Projektes "Transparenz und Integrität im Fußball", das die DFL im vergangenen Jahr mit der Organisation Transparency International ins Leben rief.

Den Anstoß dafür gaben die Skandale um die Wettmafia und den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer. Das hat auch den DFB dazu bewogen, im Rahmen der auf den Weg gebrachten "Nachhaltigkeitskommission" einen Anti-Korruptions-Beauftragten zu installieren. Dieser soll sich um die Prävention von Wettmanipulation und Bestechung auch auf Funktionärsebene kümmern.

Noch steht der Beauftragte Reinhard Grindel, Mitglied des Bundestages, mit seiner Arbeit ziemlich am Anfang. So sucht man aktuell vergebens in den Statuten und Satzungen von DFB und DFL nach einer expliziten Missbilligung von korrupten Machenschaften, die über eine Spielmanipulation hinausgehen.

Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spiegel-hai 12.04.2011
1. der Fisch stinkt vom Kopfe her
Zitat von sysopDie Deutsche Fußball Liga und der DFB haben erste Schritte im Kampf gegen Korruption eingeleitet. Expertenvorschläge gibt es viele, wie das Magazin "SPONSORS" zeigt - doch*umgesetzt werden bisher nur wenige. Das größte Problem: korrupte Funktionäre*haben noch immer*kaum etwas zu befürchten. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,755924,00.html
Es ist charakteristisch für Blatter, Korruption lediglich als Imageproblem zu sehen. Er hat meines Wissens nie geleugnet, daß es in der FIFA Korruption gibt. Das läßt den Schluß zu, daß er sich wünschen würde, daß Korruption weniger offensichtlich stattfindet. Wenn es sich nun aber wirklich nur um eine Imageproblem handeln sollte, müßte er zurücktreten, denn er wirkt stets wie der Pate an der Spitze eines Mafia-Clans. Und der Umstand, daß er beispielsweise immer wieder gewählt wird, spricht dafür, daß seine Hofschranzen sich in der Tat keinen besseren Vertreter ihrer narzistischen und wirtschaftlichen Interesse vorstellen können. Nun ist aber gerade die FIFA ein Musterbeispiel von Intransparenz, selbst wenn es dort keine Korruption geben sollte. Eine schlechte Basis, auf die Vereine positiv einzuwirken.
Altesocke 12.04.2011
2. Ursache und Wirkung
---Zitat--- Selbst Fifa-Präsident Sepp Blatter wurde mit der Aussage zitiert, dass "wir Probleme mit unserem Image haben". ---Zitatende--- Solange die Ursache beim Problem so vernachlaessigt wird, ist Hopfen und Malz verloren! Arme Biertrinker.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.