Nach UCI-Entscheidung: Armstrong droht auch Verlust von Olympia-Bronze

Es ist ein schwarzer Tag für Lance Armstrong: Zunächst erkannte der Radsport-Weltverband dem 41-Jährigen seine Tour-Titel ab - und jetzt droht Armstrong auch noch der Verlust seiner Bronzemedaille von den Olympischen Spielen 2000. Das Internationale Olympische Komitee erwägt diesen Schritt.

Armstrong mit Bronzemedaille: Verlust des dritten Platzes drohtZur Großansicht
AP

Armstrong mit Bronzemedaille: Verlust des dritten Platzes droht

Hamburg - Seine sieben Tour-de-France-Titel sind bereits weg, jetzt könnte Lance Armstrong auch seine Olympische Bronzemedaille aus dem Jahr 2000 verlieren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird über die mögliche Aberkennung des dritten Platzes in Sydney beraten. Dies kündigte der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes an. Der 58-Jährige ist Vorsitzender der Juristischen Kommission und der bei eiligen Olympia-Dopingfällen tagenden Ad-hoc-Kommission des IOC.

"Über die mögliche Aberkennung seiner Bronzemedaille der Olympischen Spiele Sydney 2000 wird das IOC nach der für Freitag angekündigten weiteren Entscheidung der UCI befinden", sagte Bach und ergänzte mit Blick auf die Aberkennung aller Titel und Leistungen des Amerikaners durch den Radsport-Weltverband UCI bis zurück ins Jahr 1998: "Spätestens jetzt, nach der eindeutigen Entscheidung der UCI, wäre es für Lance Armstrong an der Zeit, sich umfassend zu äußern. Dies wäre sowohl für ihn selbst als auch für seinen Sport hilfreich."

Die UCI hatte mit ihrer Entscheidung der Empfehlung der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada entsprochen. Diese begrüßte nun den Schritt des Weltverbands. "Heute hat die UCI im Fall von Lance Armstrong die richtige Entscheidung getroffen", teilte die Usada in einer Pressemitteilung mit. Dadurch sei der Radsport jedoch keineswegs "gesäubert" und nicht sichergestellt, dass Dopingvergehen der Vergangenheit angehörten.

"Die UCI schießt über das Ziel hinaus"

Die Usada hatte Armstrong in einem mehr als 1000 Seiten starken Bericht systematisches Doping nachgewiesen. Die UCI folgte am Montag der Beweisführung, strich sämtliche Tour-Siege Armstrongs und sperrte den Amerikaner lebenslang.

Kritik an der Vorgehensweise der UCI kommt von Doping-Fachanwalt Michael Lehner. Der Radsport-Weltverband verstoße gegen den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, so Lehner: "Dass die UCI das Urteil der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada voll übernommen hat, ist nicht okay. Sie schießt über das Ziel hinaus, denn sie darf das Sportrecht nicht beliebig handhaben. Dopingvergehen unterliegen einer achtjährigen Verjährungsfrist. Der Wada-Code lässt ein Urteil mit Aberkennung von Titeln und Resultaten bis zurück zum Jahr 1998 nicht zu."

Lehner glaubt, dass der Internationale Sportgerichtshof Cas in Lausanne die Entscheidung der UCI im Falle einer Intervention von Armstrong korrigieren müsste, doch er sagt: "Ich habe in den Cas genauso wenig Vertrauen wie in die Verbände."

luk/dpa/sid

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 2 Beiträge
l.augenstein 22.10.2012
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die kritischen Äußerungen von Doping-Fachanwalt Michael Lehner in den div. Foren und Beiträgen total ignoriert werden. Für mich bestätigt sich die Tatsache, dass hier ein [...]
Zitat von sysopEs ist ein schwarzer Tag für Lance Armstrong: Zunächst erkannte der Radsport-Weltverband dem 41-Jährigen seine Tour-Titel ab - und jetzt droht Armstrong auch noch der Verlust seiner Bronzemedaille von den Olympischen Spielen 2000. Das Internationale Olympische Komitee erwägt diesen Schritt. IOC berät über Aberkennung von Armstrongs Olympia-Bronze von 2000 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/ioc-beraet-ueber-aberkennung-von-armstrongs-olympia-bronze-von-2000-a-862723.html)
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die kritischen Äußerungen von Doping-Fachanwalt Michael Lehner in den div. Foren und Beiträgen total ignoriert werden. Für mich bestätigt sich die Tatsache, dass hier ein Exempel statuiert wird, weil man sich mit einem maßlos empörten Publikum konfrontiert sieht.
Kurtl 22.10.2012
Mit Herrn Armstrong einen Einzelnen herauszupicken als Schuldigen, war für die UCI deutlich weniger aufwendig, als gegen Ärzte, Teamverantwortliche und Funktionäre vorzugehen!
Mit Herrn Armstrong einen Einzelnen herauszupicken als Schuldigen, war für die UCI deutlich weniger aufwendig, als gegen Ärzte, Teamverantwortliche und Funktionäre vorzugehen!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles zum Thema Lance Armstrong

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Montag, 22.10.2012 – 16:27 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare


Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Kampf gegen Doping
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.

Rekordsieger der Tour de France
Sieger Land Titel Zeitraum
Lance Armstrong USA 7* 1999-2005
Miguel Indurain Spanien 5 1991-1995
Bernard Hinault Frankreich 5 1978-1985
Eddy Merckx Belgien 5 1969-1974
Jacques Anquetil Frankreich 5 1957-1964
Greg LeMond USA 3 1986-1990
Louison Bobet Frankreich 3 1953-1955
Philippe Thys Belgien 3 1913-1920
*alle Titel wegen Dopings aberkannt
Die Tour-Zweiten hinter Armstrong
Jahr Zweitplatzierter (Land)
2005 Ivan Basso (Italien)
2004 Andreas Klöden (Deutschland)
2003 Jan Ullrich (Deutschland)
2002 Joseba Beloki (Spanien)
2001 Jan Ullrich (Deutschland)
2000 Jan Ullrich (Deutschland)
1999 Alex Zülle (Schweiz)



TOP



TOP