IOC-Entscheid Frauenboxen wird olympisch

Neue Sportarten braucht das Programm: Bei den Olympischen Spielen 2012 in London werden erstmals Frauen um Medaillen boxen - das beschloss nun das IOC in Berlin. Ex-Weltmeisterin Halmich bezeichnete die Entscheidung auf SPIEGEL ONLINE als "überfällig", ein Comeback aber schloss sie aus.


Hamburg - Die IOC-Exekutive hat am Donnerstag auf ihrer Sitzung in Berlin die Aufnahme von Frauenboxen in drei Gewichtsklassen bei den Spielen 2012 in London beschlossen. Dafür muss eine Männer-Klasse weichen. Zudem stehen Golf und Siebener-Rugby - die klassische Version wird mit 15 Akteuren gespielt - vor der Aufnahme ins Programm der Olympischen Sommerspiele 2016.

Weltmeisterin Kentikian (l.), Russin Toktaulova (Archiv): 2012 olympisch
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Weltmeisterin Kentikian (l.), Russin Toktaulova (Archiv): 2012 olympisch

"Das ist mit Sicherheit ein großer Fortschritt, der aber längst überfällig war", sagte Regina Halmich zu SPIEGEL ONLINE. "Es ist peinlich, dass sich das überhaupt so lange hingezogen hat. Dafür sollten sich die Verantwortlichen schämen", so die erfolgreichste deutsche Boxerin, die sich trotzdem "auf die Übertragungen freut und mit Begeisterung dabei sein wird. Olympia war auch immer mein Traum, es war mir leider nicht vergönnt", so die 32-Jährige, die ein Comeback allerdings kategorisch ausschließt.

"Frauen-Boxen ist eine großartige Ergänzung. Es war Zeit, den Sport aufzunehmen", kommentierte IOC-Präsident Jacques Rogge das Ergebnis der Sitzung.

Die beiden Kandidaten Golf und Rugby werden der IOC-Vollversammlung am 9. Oktober in Kopenhagen zur Abstimmung vorgelegt. Dort ist dann eine einfache Mehrheit zur Aufnahme erforderlich. Für Rugby und Golf wäre es eine Rückkehr nach langer Abstinenz. Golf gab bei den Spielen 1900 und 1904 ein olympisches Gastspiel, Rugby von 1900 bis 1924.

Erfreut zeigte sich Wolfgang Scheuer, Präsident des Deutschen Golf Verbandes, der in Deutschland mehr als 550.000 Mitglieder hat: "Wir drücken die Daumen, dass die IOC-Vollversammlung der Empfehlung des Präsidiums folgt, damit Golfen unter den fünf Ringen ab 2016 nach über 100 Jahren wieder möglich wird."

Rugby ist in Deutschland dagegen mit gerade mal 11.000 Mitgliedern der kleinste aller olympischen Verbände und hofft nun auf mehr Förderung und stärkere Professionalisierung. Bislang gibt es in dem Rumänen Peter Ianusevici erst einen hauptamtlichen Bundestrainer. "Wir können jetzt endlich alle unsere Pläne in die Tat umsetzen und mehr Länderspiele bestreiten", sagte Verbandspräsident Claus-Peter Bach.

Speziell für diese kleinen Verbände ist die Aufnahme in das olympische Programm buchstäblich Gold wert. Denn jeder Verband, der bei Olympia vertreten ist, darf mit einer IOC-Subvention von mindestens 15 Millionen US-Dollar rechnen.

Die Entscheidung für Golf und Rugby war zugleich eine gegen Squash, Karate und Inlineskating sowie Baseball und Softball. Das Quintett hatte sich ebenfalls beworben, scheiterte jedoch bereits am Votum der Exekutive. Von einer "schweren Entscheidung" sprach IOC-Vize Thomas Bach: "Alle sieben Sportarten hatten Vorteile, aber ich denke, wir haben eine nachvollziehbare Wahl getroffen."

Softball und Baseball waren 2005 für die Spiele 2012 aus dem Programm gestrichen worden. Damals scheiterten die Ersatzkandidaten Squash und Karate bereits an der noch notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit der Vollversammlung.

Änderungen im Programm für 2012 gibt es auch im Modernen Fünfkampf, wo am Ende zukünftig ein kombinierter Lauf-Schieß-Wettbewerb steht. Im Kanu werden drei 500-Meter-Wettbewerbe der Männer durch 200-Meter-Sprints ersetzt. Statt den 500 Meter der Männer im Zweier-Canadier starten die Frauen über 200 Meter im Einer-Kajak.

Ob im Tennis auch Mixed-Olympiasieger ausgespielt werden, könnte im Dezember entschieden werden. Voraussetzung ist die Zusage des Weltverbandes ITF, dass die besten Einzelspieler bei Olympia antreten. Anträge von Schwimmen, Ringen und Radsport für neue Disziplinen wurden abgelehnt, um das Programm der Spiele nicht weiter aufzublähen. Im Handball werden die Platzierungsspiele gestrichen.

Während es bei den Sommerspielen 2012 in London nur 26 Sportarten gibt, sollen es 2016 in Chicago, Rio de Janeiro, Madrid oder Tokio wieder 28 sein.

fsc/sid/dpa

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