Aus Kopenhagen berichtet Jens Weinreich
IOC-Präsident Rogge hat dazu kein Konzept vorgelegt. Anders etwa als einst Joseph Blatter, der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, der für Weltmeisterschaften das Rotationsprinzip unter den Kontinenten einführte, weshalb Südafrika mit der WM 2010 bedacht werden konnte. Sympathie für brasilianische Lebensfreude sollte auch nicht den Blick auf die sportpolitischen Hintergründe dieser Entscheidung verschließen. Die Granden des IOC haben ein letztes Mal die Muskeln spielen lassen: Der 93-jährige João Havelange, langjähriger Fifa-Präsident und dienstältestes IOC-Mitglied, sowie sein alter Partner Juan Antonio Samaranch, 89 Jahre alt und IOC-Ehrenpräsident. Havelange hat mit Rio nun Samaranch und Madrid besiegt.
Es war der letzte Gruß der alten Garde: Havelange paktierte einst mit etlichen Diktatoren, Samaranch war Sportminister unter Diktator Franco. 75 der derzeit 106 IOC-Mitglieder waren schon unter Samaranchs Präsidentschaft dabei, die 2001 endete. Fast alle wurden von ihm persönlich ausgewählt - oftmals gemeinsam mit Havelange. "Mein Leben neigt sich dem Ende entgegen. Ich bitte sie, meinem Land die Ehre der Austragung Olympischer Spiele zu erweisen", hatte Samaranch vor der IOC-Vollversammlung formuliert. Doch mehr als ein Drittel aller Stimmen erhielt er nicht. Rios Anziehungskraft war größer.
Im Jahr 2016 würde João Havelange 100 Jahre alt. Wer ihn in Kopenhagen erlebte, kann sich fast vorstellen, dass er Olympia in seiner Heimat noch erlebt. Präsident Lula zweifelt nicht daran. Rios Olympiastadion ist bereits nach Havelange benannt. "In sieben Jahren bei der Eröffnungszeremonie", sagte Lula, "feiern wir alle gemeinsam Havelanges Geburtstag."
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