Hamburg - In weniger als einer Woche beginnen die Olympischen Spiele in London, doch die Vorfreude auf das größte Sportfest der Welt ist stark getrübt. Ein Skandal um illegale Ticketverkäufe erschüttert das Internationale Olympische Komitee (IOC), das Ausmaß ist offenbar gewaltig.
Laut britischen Medien sollen Funktionäre und Mittelsmänner aus bis zu 54 Ländern gegen IOC-Regeln verstoßen haben, indem sie aus London erhaltene nationale Kartenkontingente zum Teil zu Wucherpreisen auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen. Der Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) der Ukraine ist bereits zurückgetreten.
Nun hat IOC-Präsident Jacques Rogge bis Ende September Klarheit angekündigt. Dass nach Berichten der an der Aufdeckung beteiligten Zeitungen bis zu 54 Nationen die IOC-Regeln gebrochen haben, wollte das Komitee bisher nicht bestätigen. Würde es stimmen, wären mehr als 25 Prozent der teilnehmenden Länder in den Skandal verwickelt. Insgesamt sind in London 204 Nationen mit 10.500 Athleten am Start.
Rogge sagte am Samstag bei seiner ersten Pressekonferenz am Olympia-Schauplatz: "Unser Ethik-Ausschuss hat eine riesige Menge Daten von der 'Sunday Times' erhalten. Mehr als 20 Personen sind involviert, darüber hinaus sehr viele Wiederverkäufer. Wir werden bis Ende September Antwort haben auf die Fragen, die ihnen allen auf Weisung des Verteidigungsministeriums gestellt werden." Informationen werden auch vom offiziellen Ticket-Wiederverkäufer (ATR) erwartet. "Die Anhörungen aller Beteiligten werden stattfinden", sagte IOC-Sprecher Mark Adams.
"Sunday Times" hatte im Juni Hinweise auf illegalen Ticketverkauf geliefert
Hinweise auf den illegalen Verkauf hatte die "Sunday Times" bereits im Juni geliefert. Die Zeitung hatte berichtet, dass Mitglieder Nationaler Olympischer Komitees Eintrittskarten teilweise für das Zehnfache des eigentlichen Preises auf dem Schwarzmarkt angeboten hätten.
Bereits Ende Mai hatte die BBC über verbotene Ticketverkäufe berichtet. Als Folge trat der NOK-Generalsekretär der Ukraine zurück. Wladimir Geraschtschenko soll 100 der 2900 für die Ukraine bestimmten Eintrittskarten für die Sommerspiele auf dem Schwarzmarkt angeboten haben. Ein Journalist hatte sich damals bei dem seit 1997 als NOK-Generalsekretär amtierenden Geraschtschenko als Schwarzmarkthändler ausgegeben und über einen möglichen Ticket-Deal gesprochen. Geraschtschenko sagte damals, er ziehe Bargeld als Zahlungsmittel vor.
Das IOC hatte im Juni erklärt: "Die Beteiligten werden in angemessener Weise zur Rechenschaft gezogen. Die NOKs sind autonome Organisationen, aber das IOC wird nicht zögern, die härtesten Sanktionen auszusprechen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen."
Nach IOC-Regularien dürfen die NOKs die ihnen zur Verfügung gestellten Tickets nur im eigenen Land verkaufen, entweder selbständig oder über autorisierte Händler. Der auf der Eintrittskarte vermerkte Preis darf dabei um maximal 20 Prozent erhöht werden.
luk/dpa/sid
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