IOC-Vollversammlung Athleten haben die Nase voll

Rund um die IOC-Vollversammlung regt sich Unmut vieler Sportler, die sich vom Komitee nicht ernst genommen fühlen. Konflikte könnte es auch noch um die Vergabe der Winterspiele 2026 geben.

Schwimmwettbewerbe bei den Olympischen Jugendspielen
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Schwimmwettbewerbe bei den Olympischen Jugendspielen

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Solche Anlässe sind dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und ihrem Präsidenten Thomas Bach am liebsten: In Buenos Aires hat Bach am Wochenende die Olympischen Jugendspiele eröffnet. Bunte Bilder, Artisten zur Eröffnungsfeier, viele junge, eifrige Athleten: In solchen Momenten wirkt die Olympische Bewegung unschuldig, fröhlich. Das IOC liebt das.

Aber aus jugendlichen Sportlern werden irgendwann erwachsene, mündige Athleten. Und die melden sich pünktlich zur Eröffnung der 132. IOC-Vollversammlung in der argentinischen Hauptstadt zu Wort. Der Athletensprecher der Welt-Antidoping-Agentur, der Tscheche Petr Koukal, fasst in Worte, was viele Sportler mittlerweile bewegt: "Wir trainieren und wollen schneller laufen, schwimmen oder unseren Sport besser machen. Dafür bekommen wir aber keine Rückendeckung, keine Mitsprache", sagte der Badminton-Profi dem ZDF.

Für Bach sind das lediglich "einzelne Stimmen von Sportlern, die eine andere Meinung haben", wie er sagt, das sei "normal". Diese vermeintlichen Einzelstimmen werden allerdings immer lauter. Sie artikulieren sich in Deutschland im Verein "Athleten Deutschland" um ihren Vorsitzenden Max Hartung, sie werden international vor allem von den Athleten geäußert, die ihrer Enttäuschung über den neuen Kurs der Wadagegenüber Russland Ausdruck verleihen.

Frust über die Wada-Entscheidung

Dass die Wada Russland trotz des im McLaren-Report nachgewiesenen Staatsdopings den Weg zurück in die olympische Gleichberechtigung ebnet, hat den Frust vieler Sportler gesteigert. Auf ihrer Sitzung vor zwei Wochen auf den Malediven hatte die Welt-Agentur das russische Anti-Doping-Labor nach drei Jahren Suspendierung begnadigt, für das britische Wada-Mitglied Victoria Aggar - wie Koukal in der Athletenkommission engagiert - werden damit "eigene Richtlinien geändert, um sich Russland zu fügen".

Die Kritik richtet sich vor allem gegen den scheidenden Wada-Chef Craig Reedle. Der reagiert mittlerweile dünnhäutig auf solche Vorwürfe. "Die Athleten sollten ihren Platz in der Sportwelt kennen", hat er zurückgekoffert. Es ist klar, was er meint: Die Sportler sollen sich schön darum kümmern, ihre Bestleistungen zu steigern und sich aus der Sportpolitik heraushalten. So hat das IOC schließlich aus Funktionärssicht jahrzehntelang bestens funktioniert.

IOC-Chef Thomas Bach bei der Eröffnung der Jugendspiele
AP

IOC-Chef Thomas Bach bei der Eröffnung der Jugendspiele

Auf ihrer zweitägigen Sitzung im Hilton Hotel mit Blick auf den Yachthafen Puerto Madero wollen die IOC-Mitglieder eine Erklärung über die Rechte und Pflichten der Athleten beschließen. Athletenkommissionen, darunter auch die deutsche, haben Bedenken gegen einzelne Formulierungen in der Erklärung geäußert. Sie fühlen sich in dem Dokument zu wenig wertgeschätzt. Das IOC hält dagegen, dass mit dieser Erklärung der Schutz vor Doping und Diskriminierung verstärkt werde.

Spiele 2026 in einer Wintersportregion, aber wo?

Bach hat aber auch noch ein anderes Problem zu lösen. Die Olympischen Winterspiele 2026 rücken langsam näher, sie sollen nach dem ausdrücklichen Willen von Bach in einer klassischen Wintersportregion stattfinden - nach Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2022 wäre das wieder an der Zeit. Jedoch haben sich schon mehrere Kandidaten frühzeitig abgemeldet, wie das schweizerische Sion, Schladming in Österreich und zuletzt noch der eigentliche Favorit Sapporo in Japan. Übrig geblieben sind derzeit Calgary in Kanada, Cortina d'Ampezzo und Mailand in Italien und die schwedische Hauptstadt Stockholm.

An sich noch eine komfortable Situation, sollte man denken. Aber alle drei Bewerber stehen noch nicht definitiv fest, an allen Standorten regt sich noch Opposition. Noch mehr Regionen, die vor der Entscheidung im September nächsten Jahres abspringen, kann sich das IOC eigentlich nicht leisten. Zumal Bach im Vorfeld betont hatte, man verfolge keinen Plan B, sondern fixiere sich ganz auf die drei verbliebenen Kandidaten.

Alle drei Bewerber verfügten über große Wintersporterfahrung und eine gute Infrastruktur, lobte der zuständige IOC-Vizepräsident. Der heißt Juan Antonio Samaranch Junior, seit 17 Jahren Mitglied in dem exklusiven Klub. Ein Name mit einem gewissen Klang im IOC: Juan Antonio Samaranch Senior war derjenige, der als Präsident das IOC den totalen Kommerz bereitet und der Korruption bei der Vergabe von Spielen das Tor geöffnet hat.

Dass jetzt wieder ein Samaranch mitredet, wenn es darum geht, wer Spiele auszutragen hat, muss man nicht zwingend als Zeichen ansehen, dass sich beim IOC alles ändert.



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Seite 1
rainerb 08.10.2018
1. Fehler im Artikel
Es ist Ihnen leider ein Fehler im Artikel unterlaufen. Der Mc Laren Report hat nicht bewiesen, dass es in Russland ein Staatsdoping gegeben haben soll. Es handelt sich hierbei um Vermutungen, die aufgrund der Aussage eines in Russland angeklagten ehemaligen Dopingmitarbeiters erfolgte. Dieser flüchtete in die USA und fing an, dort Geschichten zu erzählen. Als Beweis zu ihrem Fehler verweise ich auf die Aussagen dieses Mitarbeiters sowie von diesem Herrn Mc Laren vor dem höchsten Sportgericht CAS. Dort hat der ehemalige russische Dopingmitarbeiter ausgesagt, dass er niemals gesehen hat, das gedopt wurde und er kennt auch niemanden, der gesehen hat, dass gedopt wurde. Und Mc Laren hat ausgesagt, dass sein Bericht nur auf den Aussagen anderer beruht und er somit nur Vermutungen wiedergeben konnte. Aufgrund dieser Aussagen wurden über 20 russische Athleten freigesprochen. Ich bitte Sie, die Tatsachen richtig zu stellen.
solltemanwissen 08.10.2018
2.
Zitat von rainerbEs ist Ihnen leider ein Fehler im Artikel unterlaufen. Der Mc Laren Report hat nicht bewiesen, dass es in Russland ein Staatsdoping gegeben haben soll. Es handelt sich hierbei um Vermutungen, die aufgrund der Aussage eines in Russland angeklagten ehemaligen Dopingmitarbeiters erfolgte. Dieser flüchtete in die USA und fing an, dort Geschichten zu erzählen. Als Beweis zu ihrem Fehler verweise ich auf die Aussagen dieses Mitarbeiters sowie von diesem Herrn Mc Laren vor dem höchsten Sportgericht CAS. Dort hat der ehemalige russische Dopingmitarbeiter ausgesagt, dass er niemals gesehen hat, das gedopt wurde und er kennt auch niemanden, der gesehen hat, dass gedopt wurde. Und Mc Laren hat ausgesagt, dass sein Bericht nur auf den Aussagen anderer beruht und er somit nur Vermutungen wiedergeben konnte. Aufgrund dieser Aussagen wurden über 20 russische Athleten freigesprochen. Ich bitte Sie, die Tatsachen richtig zu stellen.
Sie sollten wenigstens richtige Tatsachen schreiben und keine nachgewiesenen Unwahrheiten, die ein Grundschulkind widerlegen kann, wenn Sie wünschen, dass ein Artikel korrigiert wird. Ein Journalist macht aich im Zweifel die Arbeit und kontrolliert den Stuss, den Sie da schreiben und wird keine Mühe haben, die Wahrheit zu recherchieren.
hei-nun 08.10.2018
3. Fehler in Ihrem Vertuschungs-Versuch
Zitat von rainerbEs ist Ihnen leider ein Fehler im Artikel unterlaufen. Der Mc Laren Report hat nicht bewiesen, dass es in Russland ein Staatsdoping gegeben haben soll. Es handelt sich hierbei um Vermutungen, die aufgrund der Aussage eines in Russland angeklagten ehemaligen Dopingmitarbeiters erfolgte. Dieser flüchtete in die USA und fing an, dort Geschichten zu erzählen. Als Beweis zu ihrem Fehler verweise ich auf die Aussagen dieses Mitarbeiters sowie von diesem Herrn Mc Laren vor dem höchsten Sportgericht CAS. Dort hat der ehemalige russische Dopingmitarbeiter ausgesagt, dass er niemals gesehen hat, das gedopt wurde und er kennt auch niemanden, der gesehen hat, dass gedopt wurde. Und Mc Laren hat ausgesagt, dass sein Bericht nur auf den Aussagen anderer beruht und er somit nur Vermutungen wiedergeben konnte. Aufgrund dieser Aussagen wurden über 20 russische Athleten freigesprochen. Ich bitte Sie, die Tatsachen richtig zu stellen.
Nicht nur, dass mittlerweile Dutzende russischer Sportler des Dopings überführt und gesperrt sind, auch der McLaren-Bericht klärt unmissverständlich auf: "Bereits Mitte Juli hatte McLaren einen Bericht zum Staatsdoping in Russland veröffentlicht und belegt, dass es eine Verwicklung auch des russischen Geheimdienstes FSB bei der Vertuschung von Dopingfällen bei den Winterspielen 2014 in Sotschi gab. Damals hatte er mitgeteilt, dass zwischen 2012 und 2015 rund 650 positive Dopingproben russischer Athleten in rund 30 Sportarten verschwunden seien." Diese Tatsachen sich unwidersprochen !
quark2@mailinator.com 08.10.2018
4.
Brauchen die Sportler eigentlich die Verbände ? Sollte die Macht nicht genau andersrum verteilt sein - die Sportler organisieren sich selbst und kaufen sich den Sekretariatsservice ein ? Das Fördergeld sollte direkt an die Sportler gehen und nicht an "Funktionäre", was auch immer an denen funktionell ist.
Vogel VT 08.10.2018
5. Die Sportler haben die Nase voll?
Dann sollen sie doch zusehen, dass sie einen anderen Arbeitgeber finden. Bis dahin müssen sie nun mal für die korrupten Funktionärs-Eliten knechten. Das Gelaber von wegen Doping ist dabei nur ein schlechter Witz, der von den andauernden Wiederholungen nicht besser wird. Profi-Sport ist Big Business, sonst nichts.
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