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Strukturreform: IOC will Olympia-Bewerbung vereinfachen

Aus Kuala Lumpur berichtet  

Das Internationale Olympischen Komitee hat ein Problem: Die Bewerbung ist zu teuer und zu kompliziert. Mit einer Strukturreform wollen die Verantwortlichen die Spiele wieder attraktiv und bezahlbar machen.

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Olympische Ringe: Spiele wieder in demokratischere Länder vergeben

Nur zwei Tage nach der umstrittenen Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 an Peking versprach das IOC in Kuala Lumpur erneut einschneidende Änderungen für den nächsten Bewerbungsprozess. Christophe Dubi, Olympic Games Direktor im Internationalen Olympischen Komitee, stellte der 128. Vollversammlung einige Details vor. Die IOC-Administration arbeitet unter Hochdruck.

Am 15. September, zum Meldeschluss für die Bewerber um die Sommerspiele 2024, will das IOC den neuen Ausrichtervertrag und die komplett überarbeiteten Pflichtenhefte vorlegen. Derlei Papiere, in denen das IOC potenziellen Olympia-Gastgebern stets staatliche Milliardenbürgschaften abverlangte, waren von unabhängigen Juristen als Knebelverträge deklariert worden.

Inwieweit die neuen Vorgaben von den überzogenen Forderungen der vergangenen Jahrzehnte abweichen, muss sich noch zeigen. Einige IOC-Mitglieder, wie Camile Eurlings aus den Niederlanden, forderten mehr Flexibilität, um Olympische Spiele in Ländern mit einer lebendigen Demokratie wieder attraktiv und bezahlbar zu machen.

"Wir wollen die Kosten und die Komplexität des Verfahrens so weit wie möglich senken und die Risiken im Dialog minimieren", versprach Dubi. Die olympischen Sportarten (28 im Sommer, sieben im Winter) sollen ab sofort stärker in den Planungsprozess einbezogen werden.

Feudales, verantwortungsloses Gebaren des IOS

Vor einem Jahr hatten die Olympiabewerber aus Oslo die alten IOC-Unterlagen online gestellt: den Ausrichtervertrag für die Spiele 2022 und 29 Pflichtenhefte auf insgesamt rund 7.000 Seiten. Als Medien mit der Auswertung des Materials begannen und Beispiele für das feudale, verantwortungslose Gebaren des IOC veröffentlichten, wuchs die Olympia-Opposition in Norwegen rasant.

Am 1. Oktober verweigerte sich die Regierungskoalition den geforderten Bürgschaften und Milliardeninvestitionen - wenige Stunden später zog die Kommune Oslo ihre Bewerbung zurück. Es war ein Schock für das IOC, nachdem zuvor schon Graubünden, München, Stockholm, Krakau und Lemberg zurückgezogen hatten. Es blieben nur Peking und Almaty dabei - am vergangenen Freitag wurde Peking vom IOC mit 44:40 Stimmen gewählt.

"Nach den Schwierigkeiten bei den Winterspielen 2022 arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass wir ab dem 15. September mehr Flexibilität haben", erklärte IOC-Direktor Dubi. "Die Zeit der strikten Vorgaben ist vorbei." Vor einem Jahr hatte er sich nach dem Ausstieg von Oslo noch beleidigt geäußert, der Politik vorgeworfen, auf die Angebote des IOC nicht eingegangen zu sein und sich nicht voll engagiert zu haben. Derlei Attacken blieben diesmal aus.

Das IOC braucht dringend Bewerbungen aus demokratischeren Nationen als etwa China und Kasachstan. Für 2024 bewerben sich nach jetzigem Stand Paris, Rom, Hamburg, Budapest, eventuell auch Baku und Toronto. Die USA sollen nach dem Rückzug von Boston von der IOC-Führung gedrängt worden sein, mit einer anderen Stadt anzutreten. "Das USOC hat uns eine starke Bewerbung versprochen", sagte IOC-Präsident Thomas Bach mehrfach. "Wir gehen davon aus, dass das auch passiert." Wenn, dann dürfte Los Angeles der US-Vertreter werden.

Strikter Fahrplan für die Konzeption

Alles ist im Fluss: Erst im Juni hatte das IOC ein Dokument mit Basisdaten zum 2024-Prozedere veröffentlicht. Das ist teilweise schon wieder Makulatur. Im Juni war noch von drei Bewerbungsphasen die Rede: von der Einladungsphase mit Konsultationen, die bereits läuft, von der Applicant City Phase und der Finalrunde, Candidate City Phase genannt.

Doch die Auswahl der Finalisten durch das IOC-Exekutivkomitee, seit der Bewerbung für die Winterspiele 2010 üblich, wurde kurzerhand abgeschafft. Aus Deutschland hatte es zuletzt Leipzig in der Bewerbung für die Sommerspiele 2012 nicht ins Finale geschafft. Hamburg dürfte dieses Schicksal erspart bleiben, wenngleich sich das IOC-Exekutivkomitee das Recht vorbehält, einzelne Bewerber auszusortieren.

Statt eines auf die Produktion von Bewerbungsunterlagen - bisher waren es erst das Mini-Bid-Book, dann das große Pflichtenheft - konzentrierten zweijährigen Wettkampfs gibt es nun drei ausführliche Arbeitsphasen, in denen die inhaltliche Arbeit an den Konzepten gemeinsam mit den Bewerbern im Mittelpunkt stehen soll.

  • Von September 2015 bis Mai 2016 wird an den Themen Vision, Sportstättenkonzept und Nachhaltigkeit gearbeitet.
  • Vom Mai bis Dezember 2016 geht es vor allem um Fragen der Finanzierung und Juristisches.
  • Vom Dezember 2016 bis September 2017 wird weiter an der technischen Umsetzung der Konzepte und Sportstätten gefeilt.

Im September 2017 fällt in Lima auf der 130. IOC-Session die Entscheidung. Hamburgs Olympia-Geschäftsführer Bernhard Schwank, der schon bei der gescheiterten Münchner Olympiabewerbung 2018 als Geschäftsführer und bei der Leipziger Bewerbung 2012 als NOK-Generalsekretär dabei war, ist derzeit in Kuala Lumpur aktiv. Im Juli war er mit seinem Team zum Seminar im IOC-Hauptquartier in Lausanne.

Welche Unterlagen Hamburg in welchem Umfang in dieser neuen Struktur des Bewerbungsverfahrens abverlangt werden, weiß Schwank noch nicht im Detail. "Im neuen Zeitplan werden die Schwerpunkte etwas anders gruppiert und anders benannt", sagt Schwank.

Dass das IOC den Vorausscheid streicht, nehme einigen Druck von den Bewerbern, die sich weniger auf die Präsentation als vielmehr auf die Inhalte konzentrieren können. "Doch diese Inhalte bleiben gleich", sagt Schwank. "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen."

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Eine richtige Entscheidung,
bristolbay 02.08.2015
denn nur wenn viele Bewerber da sind, kann man auch von vielen Bares unter dem Tisch erhalten. Der Bach und seine Gefolgscjaft sind nicht besser als die Vorgänger oder die Fussball-Mafia FIFA. Hoffentlich wird mal der Zeitpunkt kommen, wo es keinen Bewerber gibt, weil die Bevölkerung diesen Selbstbedienungsladen satt hat.
2. Sorry
bristolbay 02.08.2015
.... sind nicht schlechter !!!! oder sogar besser......
3. Bierdeckel
Bärthold 02.08.2015
Jeder gibt seinen Deckel mit der Summe, die er zu zahlen gewillt ist, beim IOC ab. Dann wird eine Rangliste veröffentlicht. Gegebenenfalls gibt es noch eine Nachbesserungsrunde. Vergabe erledigt.
4. Da ist etwas dran
ein-berliner 02.08.2015
Nicht jeder Möchtegernveranstalter hat die Millionen für Korruptionsversuche ohne Sicherheiten. Da hilft wirklich nur eine Tarifliste für die Bewerber mit Garantieanspruch. Als Strukturreform kann das IOC das durchgehen lassen. (I -off)
5. Da ist etwas dran
ein-berliner 02.08.2015
Nicht jeder Möchtegernveranstalter hat die Millionen für Korruptionsversuche ohne Sicherheiten. Da hilft wirklich nur eine Tarifliste für die Bewerber mit Garantieanspruch. Als Strukturreform kann das IOC das durchgehen lassen. (I -off)
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