Hawaii-Seriensiegerin Daniela Ryf Die eiserne Lady

Harte Trainingseinheiten, wenig Erholung - das ist genau nach dem Geschmack der erfolgreichen Schweizer Triathletin Daniela Ryf. Diese Saison pausierte sie monatelang, geschadet hat es ihr nicht.

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Wenn am Samstag (18.30 Uhr MEZ) der Kanonenschuss die Athleten von Hawaii als Startsignal ins Wasser jagt, wird Daniela Ryf ganz vorne mit dabei sein. Es ist gut möglich, dass die Schweizerin nach 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen als Erste das Ziel erreicht. Daniela Ryf ist der absolute Superstar auf der Langdistanz im Triathlon. Daniela Ryf ist die Königin von Hawaii, die eiserne Lady.

Ihren Ruf hat sich Daniela Ryf über die Jahre erarbeitet. Schwimmen, Radfahren, Laufen - die Schweizerin hat eigentlich in keiner der drei Disziplinen echte Schwächen. Das ist selten. 2014 wechselte sie von der olympischen auf die Langdistanz und wurde in ihrem ersten Hawaii-Jahr direkt Zweite. Danach gewann sie das Triathlon-Highlight in den Jahren 2015, 2016 und 2017. Nun soll der vierte Titel in Folge her. Doch dafür musste sich sogar die Ausnahmeathletin Ryf verändern. Dazu gleich mehr.

"Selbst harte Trainingspensen sind für sie nie hart genug. Erholungsphasen mag sie gar nicht", sagte ihr Coach Brett Sutton vor dem Ironman 2016. Im Rennen vor zwei Jahre stellte Ryf dann einen neuen Hawaii-Streckenrekord auf. Sie legte das Prestigerennen in 8:46:46 Stunden zurück. Regelmäßige Trainings am Limit sind im Ausdauersport umstritten. Eigentlich. Doch wie heißt es so schön: Der Erfolg gab Ryf und ihren harten Trainingsmethoden recht. Trotz der körperlichen Grenzüberschreitungen über die Jahre schien Ryf nicht müde zu werden.

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Dann kam die WM 2017. Ryf gewann den Wettkampf erneut - allerdings ohne ihre übliche Dominanz. Das britische Ausnahmetalent Lucy Charles lag im vergangenen Jahr "nur" neun Minuten hinter Ryf. Klar, das ist immer noch ein gewaltiger Unterschied, aber die Schweizerin ist Vorsprünge von über 20 Minuten gewohnt. Die Konkurrenz um die damals 24 Jahre alte Britin hoffte: Im nächsten Jahr könnten sie die Alleinherrschaft Ryfs beenden.

Ryf selbst soll in den Wochen nach ihrem Vorjahressieg eine Leere gespürt haben, im Kopf und in den Beinen. Ihr Trainer Sutton ist ein ehemaliger Boxer und gilt als harter Typ im Training, doch er hat einen guten Blick für den Zustand seiner Athleten und will bei Ryf eine mentale Erschöpfung erkannt haben. Er warnte vor einem Burn-out, wenn sie einen weiteren Winter voll durchtrainiere. Ryf und Sutton vereinbarten eine Trainingspause - drei Monate sollte sie ruhen.

Ironman-Rekorde

Strecke m/w Rekordzeit Athlet/in Land Jahr
Gesamt w 8:46:46 Ryf Daniela Ryf SUI 2016
Gesamt m 8:01:40 Lange Patrick Lange GER 2017
Schwimmen w 0:48:43 Jackson Jodi Jackson USA 1999
Schwimmen m 0:46:41 Jorgensen Lars Jorgensen USA 1998
Fahrrad w 4:44:19 Thürig Karin Thürig SUI 2011
Fahrrad m 4:12:54 Wurf Cameron Wurf AUS 2017
Laufen w 2:50:38 Carfae Mirinda Carfae AUS 2013
Laufen m 2:39:45 Lange Patrick Lange GER 2016

Quelle: Wikipedia; Ironman gesamt = Schwimmen (3,8 km) + Fahrrad (180,2 km) + Laufen (42,195 km)

Wer im Ausdauersport selbst aktiv ist, weiß: Trainingspausen sind die größte Qual, für eine Spitzensportlerin wie Ryf gilt das erst recht. Doch auch sie erkannte die Notwendigkeit einer Pause. Viel Überzeugungsarbeit des Trainers war nicht nötig, schließlich stand ihre Karriere auf dem Spiel. Ryf ist zwar bereits 31 Jahre alt, ihre Leistungsgrenze muss sie damit noch lange nicht erreicht haben. Auf der Triathlon-Langdistanz können auch noch mit 40 Jahren Spitzenleistungen erzielt werden, sagte der erfahrene Trainer Dan Lorang dem SPIEGEL. (Lesen Sie ein Interview mit dem Coach von Jan Frodeno.)

Also schonte sich Ryf für mehrere Wochen. Der Wiedereinstieg ins Training soll ihr schwer gefallen sein. Es habe lange gedauert, bis sie sich wieder als Athletin gefühlt habe, sagte sie der "Neuen Zürcher Zeitung" Anfang Juni.

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Triathlon auf Hawaii: Immer wieder Daniela Ryf

Offenbar hat sich die Ruhephase gelohnt: Beim Ironman Frankfurt im Juli gewann Ryf - mit fast 27 Minuten Vorsprung auf die Zweite. Die Hawaii-Dritte von 2017, Sarah Crowley, hatte sogar 33 Minuten Rückstand auf Ryf. Im Profirennen der Männer waren nur sechs Athleten schneller als sie. "Ich hätte nie gedacht, dass sie nach der Pause dieses Niveau erreichen würde", sagte Trainer Sutton der "Süddeutschen Zeitung". 2018 hätte laut Sutton eigentlich ein Übergangsjahr werden sollen, um in der Zeit danach weitere Hawaii-Siege feiern zu können.

Doch zur alten Stärke fand Ryf schneller zurück, das Frankfurt-Ergebnis war eine deutliche Demonstration. Sie gelang auch, weil Ryf in diesem Jahr an ihrer Schwimmtechnik gearbeitet hat. Sie verbesserte ihre Ausrüstung, was bei der Materialschlacht im Ironman durchaus entscheidend sein kann. Natürlich wird Ryf mittlerweile auch wieder ähnlich intensiv trainieren, wie sie es in den Jahren zuvor getan hat. Sie ist eben die eiserne Lady.

Ein Sieg von Lucy Charles, Sarah Crowley oder einer anderen Konkurrentin wäre eine Sensation. Für die deutsche Hawaii-Debütantin Anne Haug geht es um ein gutes Ergebnis. Ryf selbst hat sich ein spektakuläres Rennen vorgenommen, am liebsten will sie einen Start-Ziel-Sieg feiern. Gut möglich, dass sie diese Ankündigung auch in die Tat umsetzt.



insgesamt 3 Beiträge
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noalk 13.10.2018
1. Pausen im Profisport
Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass Sportler nach einer nicht zu langen Trainingspause, die nicht durch eine gravierende Verletzung mit entsprechend langer Rehabilitation bedingt war, ein höheres Leistungsvermögen hatten.
tiger-li 13.10.2018
2. Die Frau Ryf
Daniela ist schon erstaunlich! Entweder ist sie ein Mann oder sie ist der Beweis, dass Männer und Frauen nicht getrennt bewertet werden müssten. Jedenfalls sind ihre Zeiten eine absolute Ohrfeige für alle anderen Frauen. Denke mal wenn sie unbedingt müsste täte sie es auch bei den Männern aufs Podium bringen. Deshalb ist sie auch unter den Triathletinnen so verhasst
Patg82 14.10.2018
3. Der Effekt einer Pause
Hier haben wir wieder einen Beweis dafür, dass Pausen zu den effektivsten Mitteln des Sports gehört. Laut dem Prinzip der Superkompensation verstärkt sich der Körper ja erst nach einer Pause, der Regeneration wieder und nicht durch konstante Sport-Belastung, die den Körper nur ermüden. Respekt an Ryf, dass sie sich dennoch zusammenreißen konnte, eine Pause einzulegen. Sie hat den Sieg verdient
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