Triathlon auf Hawaii Warum Deutsche seit Jahren beim Ironman dominieren

Patrick Lange will auf Hawaii für den fünften deutschen Ironman-Sieg in Serie sorgen. Womit hängt dieser Erfolgslauf zusammen? Willensstärke, Kampfkraft? Klar. Aber auch andere Dinge sind entscheidend.

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Englands Fußballlegende Gary Lineker ist hierzulande vor allem wegen dieses Zitats bekannt: "22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen." Der Spruch wirkt nach der WM-Blamage 2018 natürlich lächerlich. Etwas besser - und mit leichten Veränderungen - würde er für den Erfolgslauf der deutschen Triathleten beim legendären Ironman auf Hawaii passen. Aber der Reihe nach.

Der deutsche Triathlet Patrick Lange will in diesem Jahr seinen Hawaii-Erfolg vom Vorjahr wiederholen, sein Trainingszustand sei gut, sagt er dem SPIEGEL vor dem Wettkampf am Samstag (ab 18.30 Uhr im ZDF-Livestream). Auch Sebastian Kienle scheint nach einer starken Vorbereitung in Titelform und könnte zum zweiten Mal nach 2014 das Rennen auf der Langdistanz gewinnen. Ob das gelingt, hängt auf Hawaii von verschiedenen Dingen ab, dazu gleich mehr. Fest steht: Es könnte den fünften Ironman-Sieg eines Deutschen in Serie geben, es wäre der neunte Triumph seit 1978.

Wie ist die Dominanz der deutschen Triathleten auf Hawaii zu erklären, die 2016 mit einem Dreifach-Sieg von Jan Frodeno vor Kienle und Lange ihren vorläufigen Höhepunkt fand?

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3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren, der Marathon mit 42,195 Kilometern zum Abschluss - das sind extreme Distanzen auf der mythenumwehten Langstrecke, die der menschliche Körper nur durch jahrelange Aufbauarbeit und Training zurücklegen kann. Erschwerend hinzu kommt: die Hitze auf Hawaii. Einige Rennen fanden bereits bei über 30 Grad statt. Schatten? Auf der Strecke kaum vorhanden. Die Athleten müssen sich damit abfinden, dass ihre Leistungsfähigkeit bei diesen Bedingungen automatisch sinkt.

Oft heißt es in deutschen Medien: Wer auf Hawaii gewinnen will, muss ein Kämpferherz haben. Er muss Willenskraft mitbringen. Von "Eisenmännern" ist dann die Rede. Auch die deutschen und internationalen Athleten selbst betonen häufig ihre Wettkampfhärte und mentalen Fähigkeiten.

Regelmäßiges Training, Disziplin in Sachen Ernährung - ohne Willenskraft wird niemand beim Ironman weit kommen. Das gilt auch für andere Sportarten. Übertreiben muss man es mit der Härte aber nicht, das gilt besonders für den Trainingsalltag. Erfahrene Trainer wie Dan Lorang warnen sogar vor Übungseinheiten am Limit und empfehlen ein strukturiertes Aufbautraining. Der Ausdauersport ist eben kein Sprint, der Ironman schon gar nicht. (Lesen Sie hier im Interview, was Dan Lorang für die Hawaii-Vorbereitung empfiehlt.)

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Die Dominanz der Deutschen hat weitere Hintergründe. Vorjahressieger Lange betont etwa die Leistungsdichte auf der Langdistanz. "Die Konkurrenz in Deutschland ist verdammt groß geworden. Auch die zweite Reihe hinter Frodeno, Kienle und mir macht Druck und will nach Hawaii. Dieses Niveau treibt uns in der Spitze an", sagt Lange dem SPIEGEL.

Was man dazu wissen muss: Kienle und Lange sind wegen ihrer unterschiedlichen Renntaktiken offenbar eher das Gegenteil von guten Freunden. Kienles Vorwurf: Lange überschreite im Radfahren Grenzen, er fahre mitunter im auf Hawaii verbotenen Windschatten, um Kräfte für den abschließenden Marathon zu sparen. Lange weist das zurück. Auch diese Sticheleien treiben die deutschen Topstars an.

Mit dem Olympiasieg von Frodeno im Jahr 2008 ist die Beliebtheit des Triathlons in Deutschland jedenfalls gestiegen. Zuletzt waren auf Hawaii über zehn Prozent der insgesamt 2500 Teilnehmer (inklusive Altersklassenrennen) aus Deutschland. Diesen Boom hat Lange noch einmal befeuert. Der 32-Jährige setzte im vergangenen Jahr mit einem Hawaii-Streckenrekord (8:01:40 Stunden) neue Maßstäbe. Bereits 2016 hatte Lange für eine Bestmarke gesorgt, als er die Marathondistanz in 2:39:45 Stunden zurücklegte - bis heute die schnellste Zeit. Das verblüfft umso mehr, weil Lange 2016 erstmals auf der Langdistanz an den Start gegangen war und auf Hawaii direkt Dritter wurde. Ein Jahr später folgte der Sieg.

Ironman-Rekorde

Strecke m/w Rekordzeit Athlet/in Land Jahr
Gesamt w 8:46:46 Ryf Daniela Ryf SUI 2016
Gesamt m 8:01:40 Lange Patrick Lange GER 2017
Schwimmen w 0:48:43 Jackson Jodi Jackson USA 1999
Schwimmen m 0:46:41 Jorgensen Lars Jorgensen USA 1998
Fahrrad w 4:44:19 Thürig Karin Thürig SUI 2011
Fahrrad m 4:12:54 Wurf Cameron Wurf AUS 2017
Laufen w 2:50:38 Carfae Mirinda Carfae AUS 2013
Laufen m 2:39:45 Lange Patrick Lange GER 2016

Quelle: Wikipedia; Ironman gesamt = Schwimmen (3,8 km) + Fahrrad (180,2 km) + Laufen (42,195 km)

Langes Weg in die Weltspitze zeigt die Geduld, die Profis für einen Sieg auf Hawaii aufbringen müssen. Er gewann das Prestigerennen zwar bereits ein Jahr nach seinem Debüt, seine Anfänge im Ausdauersport liegen aber viel weiter zurück. Als Teenager kam Lange bereits zum Marathon, es folgten mit 16 Jahren die ersten Triathlons und 2012 der erste Ironman über die Mitteldistanz.

Parallel zum hohen Trainingsaufwand absolvierte er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, war bei der Bundeswehr - eigentlich zu viel Stress für eine Profikarriere in einer Sportart, die von Australiern und US-Amerikanern mitdominiert wird. Der Erfolg war entsprechend mäßig. 2016 ging Lange ins Risiko und gab den Job auf. Zwei Jahre später und fast 20 Jahre nach Beginn seiner Sportlerlaufbahn steht Lange - und nicht Kienle oder der in diesem Jahr verletzte Frodeno - als Hawaii-Titelverteidiger im Mittelpunkt.

Seine heutigen Erfolge verdeutlichen: Ein gutes Aufbautraining für die komplette Ironman-Distanz ist langwierig und funktioniert auf dem Topniveau nur mit einer "vollen Fokussierung auf den Sport", wie Lange sagt und in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit von Sponsoren betont. Es ist kein Zufall, dass es seit 2000 nur einen Sieger auf Hawaii gab, der jünger als 30 Jahre gewesen ist: Faris Al-Sultan im Jahr 2005.

Der Deutsche war bei seinem Erfolg erst 27 Jahre alt, ein Ausnahmetalent, das schon mit 16 Jahren Marathon lief. Seit 2015 wird Patrick Lange von Al-Sultan trainiert. Auch das erklärt, warum die Deutschen den Ironman zuletzt dominiert haben. "Faris Al-Sultan gibt mir seine Erfahrungen und sein Wissen weiter. Davon profitiere ich und viele andere deutsche Triathleten enorm", sagt Lange. Auch internationale Profis wie der britische Triathlet Tim Don erklären sich so den Erfolg der Deutschen.

Im Rennen müssen Lange und seine Konkurrenten aber weitestgehend allein auskommen. Das Coaching ist während des Ironman verboten, die wichtigsten Fragen werden vor dem Start im Team diskutiert: Wie gehe ich das Rennen an? Wie schnell will ich laufen? Wie reagiere ich auf Attacken der Gegner? Auch die Taktik entscheidet über den Sieg auf Hawaii.

Lange wirkt im Gespräch jedenfalls wie jemand, der nüchtern analysieren kann und sich vor allem seiner Stärke im Marathon bewusst ist. Erst auf der 42-Kilometer-Distanz hatte sich Lange im vergangenen Jahr mit einer Aufholjagd den Erfolg gesichert und so bewiesen, dass der Sieg beim Ironman auch eine strategische Leistung ist. Sein deutscher Kontrahent Kienle wird sich auf ein starkes Ergebnis auf der Radstrecke konzentrieren. Hawaii - das ist auch ein taktisches Duell zwischen Läufern und Radspezialisten.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
im_ernst_56 13.10.2018
1. Was soll das?
Der als "Ironman" bezeichnete Triathlon-Wettbewerb auf Hawai ist Ausdruck toxischer Männlichkeit und gehört abgeschafft. Männer, hört auf diesen Extremsport zu betreiben und geht ins Theater.
tillus123 13.10.2018
2.
Zitat von im_ernst_56Der als "Ironman" bezeichnete Triathlon-Wettbewerb auf Hawai ist Ausdruck toxischer Männlichkeit und gehört abgeschafft. Männer, hört auf diesen Extremsport zu betreiben und geht ins Theater.
Auch Frauen nehmen am Ironman teil, seit 1979, also ein Jahr nachdem der erste Ironman auf Hawaii stattgefunden hat. Aber Hauptsache irgendjemandem etwas verbieten.
schmidt-post 13.10.2018
3.
Zitat von im_ernst_56Der als "Ironman" bezeichnete Triathlon-Wettbewerb auf Hawai ist Ausdruck toxischer Männlichkeit und gehört abgeschafft. Männer, hört auf diesen Extremsport zu betreiben und geht ins Theater.
Warum das denn? Jeder kann doch Sport treiben, wie er will (und das sage ich als Sofa-Sportler...). "Toxische Männlichkeit"... Die Wettbewerbe gibt´s auch für Frauen...
spiegel_2 13.10.2018
4.
Und was genau haben andere Länder nun nicht zu bieten, weswegen sie mit Deutschland in den letzten 5 Jahren nicht mithalten konnten? Kein Nachwuchs? Nur Friede, Freude, Eierkuchen unter den Top-Athleten ohne Motivation, den anderen zu schlagen? Dass die USA dreimal und Australien genau so viele Athleten wie Deutschland vorweisen kann?
Kannebichler 13.10.2018
5. Ja warum nur?
Der Beitrag stellt zu Beginn eine interessante Frage und beantwortet die dann nicht. Alle aufgeführten Dinge machen Amerikaner, Polen, Franzosen, Russen, Italiener ganz zu schweigen von den auf Langstrecken seit Jahren dominierenden Afrikaner auch. Was ist es dann, dass die Deutschen seit Jahren in diesem gut bezahlten Bereich des Sports (des Ausdauersports) dominieren lässt wie das Ländchen Jamaika im Sprint, die Russen im Kraftsport Kugelstossen und Hammerwerfen, die Aserbaidchaner im Gewichtheben etc.? Ja, was ist es denn?
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