Frodenos Ironman-Sieg auf Hawaii Dreifach historisch

Jan Frodeno hat als erster Deutscher auf Hawaii seinen Ironman-Titel verteidigt. Aber auch darüber hinaus wurde es für die deutschen Triathleten ein harter, aber historischer Tag.

DPA

"Ich habe noch nie so sehr gelitten. Es war die Hölle." Was im ersten Moment nach einer Katastrophe klingt, war in Wahrheit das Fazit eines großartigen Erfolgs: Jan Frodeno hat mit seinem zweiten Sieg beim legendären Ironman auf Hawaii seine herausragende Stellung im Triathlon eindrucksvoll unterstrichen. Der 35-Jährige verteidigte bei dem Klassiker seinen WM-Titel aus dem Vorjahr erfolgreich. "Der zweite Titel schmeckt aber noch ein kleines bisschen süßer", sagte Frodeno.

Dass es für den 35-Jährigen jedoch so hart war, lag vor allem an einem zweiten Deutschen: Einzig Sebastian Kienle, Weltmeister von 2014, war es zugetraut worden, Frodeno zu schlagen. Am Ende setzte sich der Favorit jedoch durch: Nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und einem Marathon-Lauf lag Frodeno mit einer Zeit von 8:06:30 Stunden keine vier Minuten vor Kienle (8:10:02 Stunden). "Ich habe es für Jan so hart gemacht wie möglich", sagte der 32-Jährige.

Deutscher Rekord beim Marathon - aber nicht durch Frodeno

Den dritten Platz sicherte sich überraschend der deutsche Hawaii-Debütant Patrick Lange (8:11:14). Und so wurde die 40. Auflage des Rennens auf dem Alii Drive in Kailua Kona aus deutscher Sicht auf vielen Ebenen ein historischer Tag:

  • Es ist das erste Mal seit 1997, dass drei Deutsche auf dem Podium standen.
  • Frodeno ist der erste Deutsche, dem die erfolgreiche Titelverteidigung auf Hawaii gelang, und der zweite Deutsche nach Normann Stadler (2004/2006), der das bedeutendste Langstrecken-Rennen der Welt zweimal gewann.
  • Lange knackte außerdem den 27 Jahre alten Streckenrekord für den Marathon von Rekordsieger Mark Allen. In 2:39:45 Minuten war der 30-Jährige um 19 Sekunden schneller als der US-Amerikaner 1989.

Mit Andreas Böcherer als Fünftem und Boris Stein als Siebtem kamen noch zwei weitere Deutsche unter die Top Ten.

Kienle überzeugt auf dem Rad

Gleich beim Schwimmen zeigte sich Frodeno formstark. Er kletterte als Dritter aus dem Wasser des Pazifiks und hatte bereits über vier Minuten Vorsprung auf Kienle, als es in die erste Wechselzone ging.

Auf dem Rad entwickelte sich ein packendes Rennen. Kienle machte den Rückstand vom Schwimmen wett und schloss nach 60 Kilometern zur Spitzengruppe auf. Dort waren auch Böcherer und Stein bereits dabei. Absetzen konnte sich auf den verbleibenden 120 Kilometern keiner der Fahrer - auch Frodeno nicht. Die Entscheidung musste beim Marathon fallen.

Kienle stieg als Erster vom Rad, unmittelbar darauf folgten Böcherer und Frodeno. Auch der Australier Luke McKenzie, der US-Amerikaner Ben Hoffmann und schließlich Stein waren noch in Reichweite. Durch einen schnellen Wechsel lag Frodeno zu Beginn des Laufs vorn, knapp dahinter kam Kienle - das Duell konnte beginnen.

Erst beim Marathon setzt sich Frodeno ab

Der Lauf begann ausgeglichen, fast freundschaftlich: Beide Athleten liefen zunächst noch nebeneinander her, plauderten und lachten sogar miteinander. Zwischen Kilometer 16 und 22 lief sich Frodeno jedoch einen Vorsprung von etwa eineinhalb Minuten heraus. Von da an wuchs der Abstand der beiden Kontrahenten kontinuierlich.

Während Frodeno an der Spitze ungefährdet zu einem weiteren herausragenden Sieg lief, kam Lange plötzlich immer näher an die Podiumsplätze heran, überholte einen Konkurrenten nach dem anderen und hatte im Ziel gerade noch Kraft für einen Freudentanz über seinen dritten Platz.

Es war ein Tag, der das deutsche Erfolgs-Trio extrem viel Energie gekostet hat. Aber es war auch ein Tag, der in die deutsche Triathlon-Geschichte eingeht.

aev/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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rainz 09.10.2016
1. sensationell
Wie muss man sich eigentlich fühlen, wenn man als Siebter in Hawaii über die Ziellinie läut und dann "nur" fünftbester Deutscher ist? Die amerikanischen Kommentatoren wurden immer verzweifelter, je länger das Rennen dauerte und je weiter sich Frodeno und Kienle vom Rest des Feldes entfernten. Großartiger Sieg für Frodeno, als unbedarfter Zuschauer hatte man aber irgendwie nie das Gefühl, dass das schiefgehen könnte. Er sah die ganze Zeit echt gut aus. Aber die eigentliche Sensation war die Laufleistung von Patrick Lange bei seinem ERSTEN (!!!) Rennen über die volle Ironman-Distanz. Nicht auszumalen, was ohne seine 5 Minuten Zeitstrafe beim Radfahen sonst noch hätte drin sein können!
butch_triathlet 09.10.2016
2. Hut ab
Meine allerhöchste Hochachtung vor diesen Leistungen. Man kann als Couch-potato gar nicht ermessen, was hier geleistet wurde - und das bei 35-38°C. Nur mal zum Vergleich: Lange ist den Marathon schneller gelaufen, als die Hahner Zwillinge bei Olympia und das bei deutlich wärmeren Temperaturen. Nebenbei hat die Schweizerin Ryf noch einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Sie lief den Marathon noch deutlich unter 3h.
bpauli 09.10.2016
3. Bericht über das Frauenrennen?
Ich verstehe, dass man hautpsächlich über den Erfolg und speziell deutscher Sportler berichtet. Aber es gab auch ein interessantes Ironmen Rennen der Frauen mit deutscher Beteiligung. Wo bleibt dazu der Bericht?
i.dietz 09.10.2016
4. Super
einfach nur Gratulation !
pauerkraut 09.10.2016
5. Unvorstellbar
Ich konnte mal vor ein paar Jahren dieses Ereignis als Zuschauer erlebt. Alleine beim Begleiten der Athleten wird einem Beobachter bewusst welche unvorstellbaren Strapazen diese Leute hier durchleben. Es sind nicht nur die Sieger, auch und vor allem die Männer und Frauen, die Stunden nach den Siegern im Ziel ankommen die allerhöchsten Respekt erfordern und verdienen...
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