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US-Open-Halbfinalist del Potro

Mit der "Thorhand" gegen Nadal

Bei den French Open verlor er gegen ihn. In Wimbledon ebenfalls. In New York will Juan Martín del Potro nun endlich gegen Rafael Nadal gewinnen. Es könnte gelingen - wenn der Argentinier stabil bleibt.

Von Philipp Joubert

AFP

Juan Martín Del Potro

Freitag, 07.09.2018   17:08 Uhr

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Dienstag war ein ungewöhnlicher Arbeitstag für Juan Martín del Potro. Denn am Dienstag zeigte der argentinische Tennisstar ein unspektakuläres US-Open-Viertelfinale, er bezwang John Isner effizient in vier Sätzen. Anders als sein kommender Gegner Rafael Nadal, der in einem epischen Fünf-Satz-Match erst im Tiebreak Dominic Thiem besiegte. Dabei sind eigentlich auch die del-Potro-Partien legendär.

Wie die Filmfigur Forrest Gump einst die Zuschauer durch Jahrzehnte amerikanischer Geschichte führte, lässt sich an del Potro die vergangene Tennisdekade erzählen. Er war es, der im US-Open-Finale 2009 verhinderte, dass Roger Federer den sechsten Titel in Folge in New York gewann. Wer vorher nicht glaubte, dass ein 1,98-Meter großer del Potro Federer nicht nur den Aufschlag, sondern auch die Vorhände um die Ohren hauen würde, sah sich eines Besseren belehrt.

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Oder im Jahr 2013, als del Potro nach seiner ersten Handgelenksoperation zwar nicht an das Level von 2009 anknüpfen konnte, aber im Halbfinale von Wimbledon in einem der besten Matches der vergangenen Jahre nur knapp gegen Novak Djokovic verlor.

Del Potro braucht Effizienz - und ein schlechtes Gedächtnis

Und dann waren da natürlich noch die Olympischen Spiele 2016. Del Potro und hunderte singende und brüllende argentinische Fans im Halbfinale gegen Nadal. Gerade erst von einer abermaligen zweijährigen Verletzungspause zurückgekommen, gewann del Potro und ließ auch Erwachsene wieder an Tennismärchen glauben. Daran konnte auch die enge Niederlage im Finale gegen Andy Murray nichts ändern.

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Nur Monate später gewann Argentinien erstmals den Davis Cup, vor allem auch Dank eines Fünf-Satz-Comebacks von del Potro gegen Marin Cilic. Die Karriere von del Potro ist also in der Tat ein bisschen wie bei Forrest Gump: Eine Schachtel voller Pralinen, bei der man nie weiß, was man bekommt - aber meistens prächtig unterhalten wird.

Der 29-Jährige wird wohl, auch wegen seiner gesundheitlichen Rückschläge, nie die enorme Anzahl an Erfolgen haben, die angesichts seines Talents einst in Aussicht stand. Seine Rückhand ist nach seinen Handgelenksoperationen eher ein Verwaltungs- statt ein Angriffsschlag. Aber del Potro hat in diesem Jahr erstmals seit langem wieder das gezeigt, was Grand-Slam-Champions von "normalbegabten" Tennisspielern unterscheidet: Effizienz - und ein schlechtes Gedächtnis.

Pleiten bei den letzten drei Grand-Slam-Duellen gegen Nadal

Der Großmeister in der letzten Disziplin ist del Potros Halbfinalgegner am Freitag (22 Uhr), Rafael Nadal. Der Spanier hat die Fähigkeit perfektioniert, stets über den nächsten statt den gerade vergangen Punkt nachzudenken. Del Potro tendiert wie viele im Tennis zum Lamentieren. Aber besonders in diesem Punkt hat er sich über die vergangenen Monate stabilisiert. Zwei Grand-Slam-Halbfinals wie in diesem Jahr erreichte del Potro zuletzt im Jahr 2009. Auf den Hartplätzen lesen sich seine Statistiken wie die eines Spielers, der bald ein zweites Major gewinnen könnte.

Auch wenn sich Nadal am Dienstag gegen Thiem komplett verausgabt hat, weiß del Potro nur zu genau um die Gefährlichkeit seines Gegners. Der besiegte ihn schließlich vergangenes Jahr im Halbfinale von New York. Auch im Halbfinale der diesjährigen French Open und im Viertelfinale von Wimbledon war Nadal jeweils der Bessere.

Daher braucht del Potro nicht nur eine unverrückbare Attitüde. Auch bei seinen Angriffszügen muss er so effizient spielen wie schon im ganzen Turnier. Bisher dominierte del Potro mit dem eigenen Aufschlag und fand schnelle Entscheidungen mit der ehrfurchtsvoll betitelten "Thorhand". Sollte del Potro die US Open gewinnen, besteht Anfang kommender Saison sogar eine realistische Chance zum Angriff auf Weltranglistenposition Nummer eins.

Doch so weit will del Potro natürlich nicht schauen. Immer wieder versicherte er in den vergangen Tagen, sich nur auf das jeweils nächste Match konzentrieren zu wollen: "Ich spiele hier schmerzfrei, was für mich besonders gut ist. Aber am Ende ist jedes Match sowieso ein neuer Kampf."

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