Judo Erneute Pleite auf der Matte

Das Abschneiden der deutschen Judoka in Sydney ist alles andere als berauschend. Die Trainer bemängeln vor allem die Einstellung ihrer Schützlinge.


Sydney - Die deutschen Judoka erlebten an ihrem vorletzten Wettkampftag ihre nächste Pleite. Im Exhibition Center von Sydney schieden die Halbschwergewichtler Uta Kühnen aus Berlin und Daniel Gürschner aus Cottbus jeweils in der Vorrunde aus und blieben damit unplatziert.

Vor den Schwergewichts-Entscheidungen am Freitag steht die Auswahl des Deutschen Judo-Bundes (DJB) nur mit einer Bronzemedaille da. Die hatte Anna-Maria Gradante (Remscheid) in der ersten Konkurrenz erkämpft. "Eine große Enttäuschung. Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber wir haben noch zwei Chancen", kommentierte DJB-Sportdirektor Günther Romenath.

Der mit Vorschuss-Lorbeeren angetretene EM-Zweite Daniel Gürschner brachte gegen den international unbekannten Brasilianer Mario Sabino keine einzige Wertung zustande und wurde stattdessen 25 Sekunden vor Kampfende durch einen Fußwurf des Kontrahenten entscheidend auf die Matte befördert.

"Das ist doch kein Judo. Wir greifen gar nicht an. Wir kämpfen wie die Favoriten, die etwas zu verlieren haben. Aber wir sind doch die Außenseiter", schimpfte Dietmar Hötger, dessen Team bereits im Vorjahr bei der WM in Birmingham ohne Medaille geblieben war. Der Bundestrainer selbst hatte seinen Job schon vor der Abreise nach Sydney nach achtjähriger Tätigkeit gekündigt und damit den Weg für einen Neuanfang `unabhängig vom Sydney-Ergebnis" freigemacht.

Uta Kühnen besiegte zunächst Melanie Engoang (Gabun), scheiterte dann aber gegen So-Yeon Lee durch Kampfrichterentscheid (0:3). Die 19-jährige Südkoreanerin hatte drei Sekunden vor Schluss Kühnens Führung durch eine Fußtechnik wettgemacht. "So etwas darf einfach nicht passieren", war auch Frauen-Coach Norbert Littkopf sauer.



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