"Akt der puren Verzweiflung" Sportverbände lehnen Beteiligung von Athleten an Dopingtests ab

Die Kanuten müssen ihre Dopingtests selbst bezahlen - das stößt auf breite Kritik: Viele Sportverbände haben zwar Verständnis für die finanzielle Lage des Sportverbands - lehnen ähnliche Maßnahmen jedoch ab.

Sebastian Brendel
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Der Vorstoß des Deutschen Kanu-Verbands (DKV), der seine Topathleten an den Kosten für Dopingkontrollen beteiligen will, sorgt für massive Kritik. Die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada hält den Schritt für "ein falsches Signal". Auch andere Fachverbände lehnen eine solche Kostenbeteiligung ab.

"Nein! Klare Ansage. Das ist bei uns in keiner Weise angedacht. Wir sind auch von den Erhöhungen betroffen und finden das auch sehr bedauerlich", sagte Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Er sieht den Schritt des DKV als "Akt der puren Verzweiflung". Deshalb sei die Forderung, dass "der Bund die Kosten für alle übernehmen soll, eigentlich die vernünftigste".

Laut Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), zeige das Beispiel, "wie groß die Herausforderung bei der Finanzierung des gesamten Leistungssportsystems auf allen Ebenen ist".

40.000 Euro fehlen

Jüngst hätten die Spitzenverbände beschlossen, die von ihrer Seite benötigten 1,247 Millionen Euro zur Finanzierung der Nada-Kontrollen bereitzustellen. Da dies bei kleineren Verbänden zu finanziellen Engpässen führen könnte, habe der DOSB einen Härtefonds von 50.000 Euro eingerichtet, sagt Hörmann.

Für Dagmar Freitag, die Sportausschuss-Vorsitzende im Deutschen Bundestag, ist die geplante Maßnahme "eher als Hilferuf zu verstehen". Die SPD-Politikerin kritisierte in diesem Zusammenhang Alfons Hörmannn und warf dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Untätigkeit vor.

Kanu-Präsident Thomas Konietzko hatte das Vorgehen seines Verbands mit "außergewöhnlichen Umständen" begründet. Die Höhe der Summe für Kontrollen sei um rund 40.000 Euro von 47.000 Euro im Vorjahr auf 87.000 gestiegen und wurde dem Verband erst Anfang Juni mitgeteilt. Er versicherte aber: "Es wird im nächsten Jahr eine andere Lösung gefunden werden müssen. Wir werden nicht noch mal die Athleten dort in die Verantwortung nehmen."

Der Kanuverband sei "extrem in der Bredouille", konstatierte Siegfried Kaidel, Sprecher der deutschen Spitzenverbände. Der von ihm geführte Ruderverband sei ähnlich von gestiegenen Zahlungen betroffen, habe aber Rücklagen gebildet. "Für kleinere Verbände haben wir einen Sonderfonds gebildet, mit dem die Steigerung abgemildert werden sollen", sagte Kaidel. Aber der DKV gehöre nach der Mitgliederzahl nun mal nicht zu diesen kleineren Verbänden.

"Wir tun alles für unsere Athleten"

Auch andere Verbände lehnen den umstrittenen Finanzierungsweg ab. Im Deutschen Schwimmerverband gebe es "überhaupt keine Planung, das auf die Athleten abzuwälzen", sagte Präsidentin Gabi Dörries.

Es sei tragisch, dass "ein Spitzenverband in eine Situation gebracht wird, dass er das stemmen muss und so etwas nicht aus Bundesmitteln kompensiert werden kann", beklagte Axel Kromer, Sportvorstand des Deutschen Handballbundes. Sven Ressel, der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, sagte: "Wir tun alles für unsere Athleten. Das ist doch selbstverständlich."

Noch deutlicher wurde Manfred Dörrbecker, Anti-Dopingbeauftragter des Deutschen Boxsport-Verbands: "Es kann nicht sein, dass die Kosten für die Dopingkontrollen von den Athleten mitgetragen werden müssen." Man wolle die Athleten nicht zusätzlich belasten, begründete auch Alfons Hölzl, der Präsident des Deutschen Turner-Bundes, den Verzicht auf Kostenbeteiligung. "Wir fordern von den Athleten im Zusammenhang mit Dopingkontrollen schon sehr viel."

Die Entscheidung des DKV war auch bei Topkanuten auf Kritik gestoßen. So sprach der dreimalige Olympiasieger Sebastian Brendel von "einer Farce". Das, was da von den Athleten "gewollt wird, geht gar nicht", hatte der Potsdamer der "Welt" gesagt.

bka/dpa



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