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Kehrtwende: Basso bestreitet Doping

Erst offene Worte über seine Kontakte zu Doping-Arzt Fuentes - jetzt plötzlich eine Kehrtwende. Ivan Basso hat heute auf einer Pressekonferenz bestritten, jemals gedopt zu haben. Stattdessen habe er Manipulationen nur geplant. Der Radprofi versucht, sich herauszuwinden.

Mailand - Auf einer Pressekonferenz in Mailand bestritt Basso, jemals gedopt zu haben. Er habe allerdings geplant, sich für die Tour de France 2006 zu dopen und deshalb sein Blut beim Madrider Arzt Eufemiano Fuentes deponiert, sagte der 29-Jährige. Alle seine Siege habe er ohne Doping erreicht. "Ich habe nie in meiner Karriere gedopt oder eine Eigenblut-Zufuhr vornehmen lassen. Man kann ehrlich gewinnen - so wie ich es immer getan habe", erklärte er.

Basso hatte gestern bei der Anhörung vor Staatsanwalt Ettore Torri zugegeben, dass die in Madrid bei Fuentes beschlagnahmten und mit dem Codenamen "Birillo" beschrifteten Beutel sein Blut enthalten - das wurde allgemein als Eingeständnis des Radprofis gewertet, gedopt zu haben. "Basso konnte nicht mehr mit dieser Last leben. Daher hat er sich nach Beratung mit seiner Familie zum Geständnis entschlossen", hatte sein Rechtsanwalt Massimo Martinelli gesagt.

Heute nun sagte Basso, er erwarte eine Sperre, wolle aber danach seine Karriere fortsetzen. "Die Versuchung war eine Schwäche, die mich mein ganzes Leben verfolgen wird." Zuvor hatte die "Gazzetta dello Sport" jedoch berichtet, Basso habe schon im Jahr 2004 für Dopingmittel 41.000 Euro an Fuentes gezahlt, sowie 70.000 Euro im Jahr 2006. Belastet wird Basso jedoch vor allem durch die beschlagnahmten Listen Fuentes', in denen Jan Ullrich die "Nummer 1" und Basso die "Nummer 2" unter den "Klienten für Blutentnahme und Reinfusion" zugeordnet sind. Unter Druck steht der Italiener auch durch einige SMS, die er Fuentes nach dem Giro-Sieg 2006 geschickt hatte, durch abgehörte Telefongespräche sowie Hinweise auf Zahlungen über ein Schweizer Konto.

"Ich weiß nichts über andere Fahrer"

Zu seiner gestern kolportierten Kooperationsbereitschaft mit dem italienischen Nationalen Olympischen Komitee (Coni) äußerte sich der Giro-Sieger von 2006 nicht. Von einer "historischen Wende" im Anti-Doping-Kampf hatte deshalb schon die Zeitung "Tuttosport" geschrieben, die "Gazzetta dello Sport" konstatierte, der Radsport würde ob der erwarteten Aussagen Bassos "zittern". Diese Hoffnung machte er jedoch heute im Hotel "Michelangelo" in Mailand zunichte. "Ich weiß nichts über andere Fahrer oder andere beschuldigte Sportler. Es gab keine Fragen bezüglich anderer Personen", erklärte Basso. Fraglich, dass sich die Hoffnung des Coni erfüllt, der Italiener könne sich vor den Karren der Anti-Doping-Kämpfer spannen lassen.

Nun bahnt sich sogar noch ein Streit zwischen dem italienischen Verband, dem Weltverband und der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada an. Die Italiener haben Basso offenbar Strafminderung in Aussicht gestellt, um ihn zum Reden zu bringen. Der 29-Jährige dürfte demnach schon im Herbst 2008 an der WM in seiner Heimat-Region in Varese teilnehmen. Weltverbands-Präsident Pat McQuaid jedoch hatte schon am Montag erklärt: "Bei Doping oder dem Versuch dazu gelten die Wada-Regeln, das heißt, zwei Jahre sind zwei Jahre."

Reaktionen aus Italien lassen jedoch vermuten, dass die Verbands-Verantwortlichen Bassos Reue sehr wohl würdigen wollen. Der Präsident des Coni, Gianni Petrucci, nannte das Geständnis "eine mutige Geste", die man sehr schätze: "Bald wird der Weg wieder einfacher für ihn und seine Karriere sein." Auch Franco Ballerini, Chef der Rad-Nationalauswahl, warb um Nachsicht: "Ivan ist kein Verbrecher. Er hat einen Fehler gemacht, hat ihn eingesehen und muss dafür zahlen, er darf jedoch nicht kriminalisiert werden."

Immerhin: der gestern noch zum Kronzeugen in spe hoch gejazzte Basso rang sich ein Teilgeständnis ab. Der ebenfalls in die Fuentes-Doping-Affäre verstrickte, aber am 26. Februar zurückgetretene Ullrich schweigt hingegen weiter. "Was soll er gestehen?", fragte Peter-Michael Diestel, einer von sechs Anwälten des Toursiegers von 1997. "Ullrich hat keinen Seitensprung begangen oder sich sonst falsch verhalten. Was Basso tut, ist dessen Sache", so Diestel auf dpa-Anfrage.

goe/sid/dpa

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Forum - Basso-Geständnis: Packen jetzt weitere Radprofis aus?
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1.
dirkgma, 07.05.2007
Zitat von sysopDer Italiener Ivan Basso hielt dem Druck nicht mehr stand: Er gestand, in die Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt zu sein. Folgen nun weitere Geständnisse von Radprofis wie etwa Jan Ullrich?
Ich wüsste gar nich warum. Wenn der Jan sacht, er hat nix gemacht, dann hat er nix gemacht. Also ich glaube dem Jan. ;-)
2.
Shiraz, 07.05.2007
Warum soll Ulle denn gestehen? Der ist doch unschuldig (hahaha).
3.
Umberto, 07.05.2007
Zitat von sysopDer Italiener Ivan Basso hielt dem Druck nicht mehr stand: Er gestand, in die Dopingaffäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt zu sein. Folgen nun weitere Geständnisse von Radprofis wie etwa Jan Ullrich?
Im Augenblick erwarte ich das eher nicht. Man wird abwarten wollen, mit welcher Strafe Basso davonkommt. Und Jan Ullrich? Warum sollte er? Für ihn geht's doch nicht mehr um eine Karriere im Radsport.
4.
CSM, 07.05.2007
Zitat von UmbertoIm Augenblick erwarte ich das eher nicht. Man wird abwarten wollen, mit welcher Strafe Basso davonkommt. Und Jan Ullrich? Warum sollte er? Für ihn geht's doch nicht mehr um eine Karriere im Radsport.
Aber es wird doch gegen ihn ermittelt. Und falls durch Basso auch Ullrichs Tun bewiesen werden kann (das muss Ullrich selbst einschätzen) wäre doch jetzt die Flucht nach vorne angesagt.
5.
3x3=3 07.05.2007
Ich kann mir nicht vorstellen, daß das Feld der Ausreißergruppe um Ullrich+Basso hinterherspringt. Vielleicht versucht der ein oder andere Wasserträger noch die Lücke notgedrungen zuzufahren ansonsten gilt: Fernseher ausschalten sobald eine Übertragung der diesjährigen Tour ansteht. Die Selbstreinigung funktioniert nur über die Sprache die von allen verstanden wird: GELD!
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