Galopprennen Louisville feiert das Kentucky Derby

Am Wochenende steigt das Kentucky Derby: Beim traditionsreichen Galopprennen in Louisville geht es nicht nur um sportlichen Ruhm - sondern auch um Geld und Glamour.

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Die Frage wäre gut für jedes Quiz. Was ist die traditionsreichste Sportveranstaltung der Vereinigten Staaten? Das Golf-Masters in Augusta? Vielleicht die World Series der Major League Baseball? Oder der Super Bowl? Nein, nein und nochmals nein. Alles bekannte Events mit reichlich Historie, aber allesamt nicht alt genug. Die richtige Antwort lautet stattdessen: das Kentucky Derby.

Das Galopprennen für dreijährige Vollblüter auf der Bahn von Churchill Downs in Louisville gibt es bereits seit 1875. In Amerika wird es - mit Blick auf seine Dauer - auch als "die aufregendsten zwei Minuten des Sports" bezeichnet. Was einst als lokale Veranstaltung vor 10.000 Zuschauern mit 15 Pferden begann, wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag zum 144. Mal ausgetragen und hat längst Weltruhm erlangt. 2007 reiste sogar die britische Königin Elizabeth II. nach Churchill Downs, sie erfüllte sich mit dem Besuch nach eigenen Angaben einen Kindheitstraum.

Das Wahrzeichen der Rennbahn ist der 1895 errichtete Grandstand mit seinen beiden Spitztürmen entlang der Zielgeraden. Hier befindet sich unter anderem die "Millionaire's Row", in der die Reichen, Berühmten und die mit guten Verbindungen ihre Logen haben. Gegenüber im Innenfeld steht das Fußvolk, das bereits für 60 Dollar Eintritt dabei sein kann. Sobald die 20 Pferde zum Start geführt werden, spielt das Bankkonto jedoch keine Rolle mehr. Dann singt die Marching Band der University of Louisville "My old Kentucky home" - und alle Zuschauer stimmen ein.

Der 136 Jahre alte "Fluch des Apollo"

Ein Sieg beim Kentucky Derby bedeutet Ruhm für die Ewigkeit. Dale Romans wartet noch darauf. Er ist Trainer, wurde in Louisville geboren, nur wenige Kilometer von Churchill Downs entfernt. Sein Vater hatte dort bereits als Coach gearbeitet. Er sei quasi "im Stall aufgewachsen", sagt Romans. Seine Pferde haben mehr als 1800 Rennen gewonnen - nur eben das wichtigste auf seiner Hausbahn nicht. In diesem Jahr schickt er mit "Free Drop Billy" und "Promises Fulfilled" erstmals zwei Pferde auf die 2000 Meter lange Distanz.

Was ihm ein Kentucky-Derby-Sieg bedeuten würde? Das sei, als hätte ein Kind den Wunsch, Astronaut zu werden, und würde endlich zum Mond fliegen, sagt der 51-Jährige. Die Wettanbieter sind allerdings skeptisch. 35:1 und 50:1 lauten die Quoten für Romans Pferde - kein Vergleich zum favorisierten "Justify" (7:2). Der oder "Magnum Moon" (15:2) könnten mit einem Sieg den 136 Jahre alten "Fluch des Apollo" brechen. Der Wallach hatte, was ungewöhnlich ist, als Zweijähriger noch keine Rennen bestritten, 1882 dann trotzdem in Churchill Downs triumphiert. Seitdem gewannen dort nur Pferde, die bereits vor ihrem dritten Lebensjahr schon Wettkampferfahrung hatten.

"Apollo" ist nur eine von zahlreichen Anekdoten. 1892 beispielsweise gewann Alonzo Clayton. Mit seinen 15 Jahren ist er immer noch der jüngste Sieger der Derbygeschichte. Drei Jahre vor seinem Sieg war der Afro-Amerikaner daheim ausgerissen und nach Chicago zu seinem älteren Bruder gegangen, der dort als Jockey arbeitete.

1973 bezweifelten viele, ob "Secretariat" über das nötige Durchhaltevermögen verfüge. In der Derby-Generalprobe war dem Hengst schließlich zum Schluss die Kraft ausgegangen, "Secretariat" war nur Dritter geworden. Dann aber triumphierte er in 1:59,40 Minuten - bis heute Bahnrekord. Der Zweitplatzierte "Sham" hätte mit seiner Zeit (1:59,80) in jedem anderen Jahr gewonnen, nur eben 1973 nicht.

Dramen auf der Rennbahn, daneben die Fashion Show

Unvergessen ist auch die traurige Geschichte von "Eight Belles". Die Stute wurde 2008 Zweite, stürzte rund 200 Meter nach dem Ziel beim Austraben, brach sich dabei beide Vorderbeine und musste noch auf der Bahn eingeschläfert werden.

Und dann war da noch "Mine That Bird": Trainer Chip Woolley hatte den 50:1-Außenseiter 2009 persönlich die mehr als 2000 Kilometer von New Mexico nach Louisville gefahren. Nach einem verpatzten Start hatten Jockey Calvin Borel und sein Pferd auf der durch Dauerregen verschlammten Bahn bereits acht Längen Rückstand zur Spitze. Eingangs der letzten Kurve waren sie immer noch am Ende des Feldes, ehe Borel dann innen an allen vorbeizog und mit großem Vorsprung gewann.

Beim "Rennen um den Rosenkranz" geht es nicht nur um ein Preisgeld von rund zwei Millionen Dollar, sondern auch um Promis, pompöse Hüte und Prunk. Wer etwas auf sich hält, kommt in die 700 Central Ave in Louisville. Zum Sehen und zum Gesehenwerden. Auf dem Louisville Airport reihen sich die Privatjets aneinander. Hollywood hält Hof, Stars aus Sport und Showbiz fliegen ein. Die Damen tragen Sommerkleider, möglichst extravagante Hüte, mindestens aber einen Kopfputz. Die Herren erscheinen im Anzug in auffallender Farbe und mit Fliege.

Das Kentucky Derby ist eine große Party, eine Fashion Show und natürlich auch die Chance, mit kleinem Einsatz den großen Gewinn zu machen. Die rund 150.000 Zuschauer werden knapp 200 Millionen Dollar für ihre Wetteinsätze zahlen und nebenbei um die 127.000 Mint Julep trinken. Das ist der berühmte Derby-Drink. Die Zutaten: frische Minze, Zuckersirup, Eiswürfel - und Bourbon-Whiskey. Man ist ja schließlich in Kentucky.



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herz+hirn 05.05.2018
1. Hunter S. Thompson
hat bereits vor langer Zeit den definitiven Beitrag zu diesem "Sport"ereignis rausgehaun. Sehr empfehlenswert: "Das Kentucky-Derby ist dekadent und degeneriert" (Scanlan's Monthly, Vol. 1, Nr. 4, Juni 1970). So eine Stimme wird in den Trump-USA schmerzlich vermisst, so sad.
meresi 05.05.2018
2. Hunter S.Thompson R. Steadman
Ja, dass ist sehr traurig, einer der giftigsten Federn der Gonzo-Journaille ist nicht mehr. Seine Asche via Kanone in die Lüfte usw...but wait, there is still something left, like this: http://brianb.freeshell.org/a/kddd.pdf for all those connoisseurs of biting Humor
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