Hamburg - Wimbledon ist ein gutes Pflaster für Sabine Lisicki. Regelmäßig läuft sie beim wichtigsten Tennisturnier der Welt zu Bestform auf. Immer wieder sorgt sie auf dem Rasen der All England Championsship für Sensationen, die ihr vorher kaum jemand zugetraut hätte.
In diesem Jahr fiel die Überraschung dann noch ein wenig größer aus. Mit 6:4, 6:3 hat Lisicki Maria Scharapowa, Top-Favoritin auf den Titel und Nummer eins der Weltrangliste, geschlagen und damit erfolgreich Revanche genommen für die Halbfinalniederlage im vergangen Jahr.
"Ich wusste gar nicht, ob ich lachen oder weinen sollte", sagte Lisicki. "Es ist einfach unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier die French-Open-Siegerin schlagen kann. Aber ich liebe dieses Turnier einfach." Nach Swetlana Kusnezowa 2009 und Li Na im vergangenen Jahr bezwang Lisicki in London bereits zum dritten Mal die amtierende Siegerin des Grand-Slam-Turniers von Paris.
Ein Coup, den ihr vor diesem Turnier trotz ihrer Vorliebe für den grünen Rasen niemand zugetraut hatte. Lisicki war mit vier Erstrunden-Niederlagen in Folge nach Wimbledon gekommen. Und auch dort hatte sie kaum überzeugt. 20 Doppelfehler unterliefen ihr in den drei Begegnungen zuvor, so viele wie keiner anderen Spielerin im Achtelfinale.
Umso größer dürfte Lisickis Erleichterung gewesen sein, als sie nach 84 Minuten ihren dritten Matchball mit einem Ass beim zweiten Aufschlag verwandelte. Lisicki sank anschließend auf den "heiligen Rasen", Freundentränen liefen ihr über die Wangen. Basketball-Star Dirk Nowitzki, der einen Abstecher nach Wimbledon gemacht hatte, jubelte der 22-Jährigen zu. "Er hat mir Glück gebracht", sagte Lisicki.
Lisicki ohne Sieg gegen Kerber
Kurz darauf konnte auch Angelique Kerber jubeln, wenn auch weniger emotional. Zu einfach erschien der klare 6:1,6:1-Sieg in nur 49 Minuten gegen die vierfache Grand-Slam-Siegerin Kim Clijsters aus Belgien.
"Ich habe sehr gut gespielt und gar keinen Druck gespürt", sagte Kerber. Clijsters ging noch einen Schritt weiter: "So wie sie heute gespielt hat, war das unglaublich. Das war nahe an einem perfekten Match", so die 29-Jährige, die nach dieser Saison ihre Karriere beenden wird.
In der Runde der letzten Acht treffen Lisicki und Kerber jetzt im direkten Duell aufeinander. Es ist das erste Mal seit 25 Jahren, dass zwei deutsche Frauen im Viertelfinale stehen. Und es ist sogar das erste Mal überhaupt in der Open Era (seit 1968), dass es zu einem direkten Match zwischen beiden kommt. "Die deutschen Damen sind wunderbar", twitterte Ex-Wimbledonsieger Boris Becker. Eine deutsche Halbfinalistin und Sieganwärterin auf den Wimbledon-Titel ist damit garantiert. "Eine Deutsche ist schon weiter. Ist doch gut", sagte Lisicki.
Im direkten Vergleich zwischen den beiden Spielerinnen führt Kerber 4:0. Auch auf Rasen hatte sie die bislang einzige Begegnung 2008 in s'Hertogenbosch für sich entschieden. "Egal wie es ausgehen wird: Ich werde weiterhin freundlich zu Sabine sein", sagte Kerber.
rei/dpa/sid
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