Kieler Handballprozess Freispruch mit Geschmäckle

Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic sind unschuldig - rein juristisch betrachtet. Die Indizien im Handballprozess vor dem Landgericht Kiel reichten nicht aus, um den einstigen Machern des THW Kiel Manipulation von Schiedsrichtern nachzuweisen. Dennoch bleiben nach dem Urteil Fragen offen.

Angeklagte Serdarusic (links), Schwenker (rechts): "Reihe von Merkwürdigkeiten"
dapd

Angeklagte Serdarusic (links), Schwenker (rechts): "Reihe von Merkwürdigkeiten"


Selbst der Oberstaatsanwalt fand lobende Worte. "Ich halte es für ein gut begründetes Urteil", sagte Axel Goos, nachdem die 5. Strafkammer des Kieler Landgerichts die Angeklagten im Handballprozess freigesprochen hatten. Demnach haben Uwe Schwenker, Ex-Manager des THW Kiel, und Zvonimir Serdarusic, von 1993 bis 2008 Trainer des Clubs, keine Spiele manipuliert und keine Schiedsrichter bestochen, wie ihnen vorgeworfen wurde. Zumindest war ihnen das nicht nachzuweisen.

Um im Sportjargon zu sprechen: Oberstaatsanwalt Goos, der für beide Angeklagten Bewährungsstrafen gefordert hatte, hat in dem aufsehenerregenden Prozess eine klare Niederlage kassiert. "Wir sind nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt - aber auch nicht von der Unschuld", hatte der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck das Urteil begründet. Es ist ein Freispruch mit Geschmäckle, denn Wardeck hätte auch sagen können: Es gibt Punkte, die gegen die Angeklagten sprechen, aber der Staatsanwaltschaft ist es nicht gelungen, diese zu erhärten.

Von den Indizien, die die Anklage zwischen dem Prozessauftakt am 21. September des vergangenen Jahres und ihrem Plädoyer am 18. Januar präsentierte, waren keine neu. Ja, der THW hat Nenad Volarevic nachweislich 92.000 Euro überwiesen. Und ja, der kroatische Mittelsmann, der das Geld für Scouting bekommen haben soll, hatte vor dem Champions-League-Endspiel 2007 zwischen Kiel und der SG Flensburg-Handewitt 45.000 Euro abgehoben und war damit nach Warschau geflogen. So weit, so bekannt.

Ob Volarevic in der polnischen Hauptstadt die Schiedsrichter des Finalrückspiels, Miroslaw Baum und Marek Goralczyk, getroffen hat? Ob die 92.000 Euro dafür bestimmt waren, die Referees zu bestechen? Und ob diese das Geld angenommen haben? Alles unklar, nichts von dem ist bewiesen. Richter Wardeck sprach von einer "Reihe von Merkwürdigkeiten" sowie Lügen, Halbwahrheiten und Gerüchten, die blieben.

Staatsanwaltschaft ohne Beweise und Kronzeugen

Es sei ein reiner Indizienprozess gewesen, sagte Wardeck. Natürlich gibt es Anhaltspunkte, die vermuten lassen, dass eine Bestechung stattgefunden haben könnte. Dieser Konjunktivsatz an sich ist aber schon so schwammig, dass es für eine Verurteilung nicht reichen und am Ende nur ein Freispruch für Schwenker und Serdarusic stehen konnte. Daher überrascht das Urteil nicht.

Einen Beweis oder einen Kronzeugen, der auspackt, konnte die Staatsanwaltschaft nicht präsentieren. Stattdessen widersprachen sich die Aussagenden in schöner Regelmäßigkeit. Jesper Nielsen, Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, behauptete etwa, Schwenker habe die Bestechung zugegeben. Stimmt nicht, entgegnete THW-Gesellschafter Hubertus Grote. Der Geschäftsführer der Löwen, Thorsten Storm, behauptete wiederum, Serdarusic habe die Manipulation eingeräumt. Dem entgegnete der frühere THW-Gesellschafter Georg Wegner, die Löwen hätten derlei Gerüchte nur als Druckmittel einsetzen wollen, um die damaligen Kieler Spieler Nikola Karabatic und Vid Kavticnik billiger zu bekommen. Letztlich stand immer Aussage gegen Aussage.

Ein Gewinner des Prozesses ist der THW Kiel. Dessen Champions-League-Erfolg 2007 ist nun offiziell von jenem Makel befreit, die wichtigste Trophäe im europäischen Club-Handball durch Bestechung gewonnen zu haben. Denn das Finale habe, betonte Richter Wardeck, unter "sportlich korrekten Bedingungen" stattgefunden und sei "nicht manipuliert worden".

Und auch Schwenker und Serdarusic dürfen sich als Sieger fühlen. Bei einer Verurteilung wären beide im Profi-Handball kaum noch vermittelbar gewesen. Nun können sie wieder auf Angebote hoffen. Serdarusic war zuletzt als Trainer des HSV Hamburg im Gespräch gewesen. Weil der Deutsche Meister aber mittlerweile mit Star-Coach Talant Dujshebaev von Atlético Madrid verhandelt, ist fraglich, ob Serdarusic den Job in der Hansestadt tatsächlich bekommt.

Schwenker hingegen könnte schon bald wieder öffentlich als Manager in Erscheinung treten. Aus dem Geschäft war er nie. Schon vor dem Prozess und während der Verhandlung war Schwenker immer der starke Mann im Hintergrund gewesen - beim THW Kiel.

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widower+2 26.01.2012
1. Freispruch aus Mangel an Beweisen
Zitat von sysopUwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic sind unschuldig - sagt das Kieler Landgericht. Die Indizien im Handballprozess reichten nicht aus, um den einstigen Machern des THW Kiel Manipulation von Schiedsrichtern nachzuweisen. Dennoch bleiben nach dem Urteil viele Fragen offen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,811524,00.html
"Wir sind nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt - aber auch nicht von der Unschuld", hatte der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck das Urteil begründet. Das Gericht sagt also nicht "Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic sind unschuldig", wie der Autor behauptet. Dieser Satz suggeriert einen Freispruch erster Klasse wegen erwiesener Unschuld. Davon kann wohl keine Rede sein.
me-privat 27.01.2012
2. Sooo nicht!
Zitat von widower+2"Wir sind nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt - aber auch nicht von der Unschuld", hatte der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck das Urteil begründet. Das Gericht sagt also nicht "Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic sind unschuldig", wie der Autor behauptet. Dieser Satz suggeriert einen Freispruch erster Klasse wegen erwiesener Unschuld. Davon kann wohl keine Rede sein.
Es gibt kein "erster Klasse" oder "zweiter Klasse": Entweder schuldig oder unschuldig!!! Es ist ein Unding von Richtern in Deutschland, daß nach Verkündigung eines Urteils noch Raum für Spekulationen bleibt, weil diese sich ihrer eigenen, subjektiven Meinung nicht enthalten können! Das dürfte nicht sein! Vielmehr sollten Urteile klar und unmißverständlich sein indem sie nur Folgendes beinhalten: Schuldspruch, weil...(Begründung) oder Freispruch, weil kein Tatvorwurf nachgewiesen werden konnte. Eigene Kommentare oder fadenscheinige Begründungen für einen Freispruch sind seitens der Richter absolut unangebracht!
n.holgerson 27.01.2012
3. Genau so ist es!
Zitat von me-privatEs gibt kein "erster Klasse" oder "zweiter Klasse": Entweder schuldig oder unschuldig!!! Es ist ein Unding von Richtern in Deutschland, daß nach Verkündigung eines Urteils noch Raum für Spekulationen bleibt, weil diese sich ihrer eigenen, subjektiven Meinung nicht enthalten können! Das dürfte nicht sein! Vielmehr sollten Urteile klar und unmißverständlich sein indem sie nur Folgendes beinhalten: Schuldspruch, weil...(Begründung) oder Freispruch, weil kein Tatvorwurf nachgewiesen werden konnte. Eigene Kommentare oder fadenscheinige Begründungen für einen Freispruch sind seitens der Richter absolut unangebracht!
Die Sache ist so simpel, dass es sogar einfache Menschen verstehen! In einem Rechtsstaat gilt jeder als unschuldig! Nur durch z.B. ein Urteil kann dieser "Status" unschuldig in z.B. schuldig verändert werden. Ein Gericht stellt also nicht die Unschuld fest, weil man ja grundsätzlich immer als unschuldig gilt, sondern kann nur die Schuld feststellen! Und wenn ein Gericht nicht von der Schuld überzeugt ist, dann ändert sich am "Status" unschuldig ja nichts. Weil dieser Status ja gerade nicht eine Bestätigung durch ein Gericht benötigt!
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