Von Birger Hamann, Rafael Buschmann und Tim Röhn
Eigentlich sollte hinter seinem Namen längst ein Haken sein. Besiegt. Erledigt. Wieder einer weniger auf der Liste der Klitschkos. Weil der Boxkampf zwischen Dereck Chisora und Wladimir Klitschko aber zweimal abgesagt wurde, springt nun der große Bruder ein. Vitali Klitschko wird gegen den Engländer in den Ring steigen. Und sollte der Ukrainer dort keinen Schwächeanfall erleiden, wird Chisora nur ein weiterer Name derjenigen sein, die es zumindest versucht haben gegen einen der beiden Klitschko-Brüder.
"Vitali wird in der achten Runde k.o. gehen", tönt Chisora vor dem Kampf, der am Samstag (23 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der ausverkauften Münchner Olympiahalle steigt. Markige Sprüche gehören im Box-Business dazu. Was soll er auch anderes sagen? Dass er selbst in der achten Runde k.o. geht? Wäre untypisch, ist aber wahrscheinlicher.
Chisora ist 28 Jahre alt und unerfahren. Der Linksausleger hat erst 17 Profikämpfe bestritten, davon immerhin 15 gewonnen und nur zwei verloren. In seinen drei vergangenen Kämpfen ging er aber zweimal als Geschlagener aus dem Ring. "Chisora ist ein guter Junge, aber er hat keine Chance gegen Vitali", sagte der streitbare Box-Promoter Ahmet Öner SPIEGEL ONLINE: "Er wird sich schon in die Hose scheißen, wenn Vitali ihn nur anguckt." Bereits beim Wiegen vor dem heutigen Kampf schien sich diese Prognose zu bewahrheiten: Chisora brannten die Sicherungen durch, er verpasste Klitschko eine Kopfnuss und Backpfeife.
Der WBO-Weltmeister im Cruisergewicht, Marco Huck, der am kommenden Samstag gegen Alexander Powetkin seinen ersten Kampf im Schwergewicht absolviert, sieht in München ein erneut ungleiches Duell vorher. Mormeck sei ein "fast 40-jähriger Mann, der hat seine beste Zeit vor zehn Jahren gehabt", so Huck zu SPIEGEL ONLINE. Die letzten Gegner der beiden Klitschko-Brüder seien teilweise "unter aller Sau" gewesen.
"Es gibt keine Langeweile", entgegnet Bernd Bönte: "Ich kann keine Müdigkeit bei den Box-Fans erkennen. Die Olympiahalle ist ausverkauft, der Kampf wird in mehr als 150 Ländern übertragen." Er muss so etwas sagen, schließlich ist er seit 2000 Manager der Klitschko-Brüder. Vielleicht kommen die Fans aber immer nur in Scharen, weil sie endlich mal sehen wollen, ob es nicht doch einen Boxer gibt, der mit Vitali oder Wladimir mithalten kann.
Ein einziges Mal stand auch ein Klitschko bei einem dieser legendären Kämpfe im Ring. Es war der 21. Juni 2003, als Vitali in Los Angeles gegen Lennox Lewis antrat. Der Kampf endete durch technischen K.o. in der sechsten Runde - der Verlierer hieß Klitschko.
Danach waren Vitalis Gegner Danny Williams, Kevin Jonhson und Tomasz Adamek. Wladimir stieg in den vergangenen vier Jahren unter anderem gegen Sultan Ibragimow, Hasim Rahman und Samuel Peter in den Ring. Mit David Haye, angepriesen als der stärkste aller Herausforderer, hatte Wladimir im Juli vergangenen Jahres keine Probleme. Shannon Briggs, der Vitali im Oktober 2010 endlich einmal richtig fordern sollte, landete mit Knochenbrüchen im Gesicht, einem Trommelfell-Riss und einem Muskelabriss im Krankenhaus.
Briggs hatte Vitali in der letzten Runde noch ein blaues Auge zugefügt. Für Manager Bonte der Beweis, dass der US-Amerikaner bis zum Schuss ein gefährlicher Gegner war. Der vom Veilchen Geplagte besuchte seinen Gegner anschließend in der Klinik und kam zu dem Schluss: "Shannon sah aus, als hätte er einen schweren Autounfall gehabt."
Chisora sagt, Vitali und Wladimir seien Langweiler im Ring. Was er natürlich nicht sagt ist, dass er wohl der nächste Boxer sein wird, der diese Langeweile zementiert.
"Was sollen die Klitschkos denn machen? Es gibt nun einmal keine Gegner für sie", verteidigt Lennox Lewis die Brüder. Diese Analyse des Engländers ist ebenso richtig wie sein - leider unrealistischer - Lösungsvorschlag: "Außer, sie würden gegeneinander kämpfen."
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