Kohl-Geständnis "Die Versuchung war zu groß"

Aufgabe eines Bergkönigs: Die A-Probe hatte ein positives Ergebnis gebracht, nun folgte das Geständnis von Bernhard Kohl. Der Radprofi gab zu, während der Tour de France 2008 gedopt gewesen zu sein. Der Österreicher vom Team Gerolsteiner war Gesamtdritter geworden.


Hamburg - "Ich bin der Versuchung erlegen, weil der auf mir lastende Erfolgsdruck unglaublich groß gewesen ist. Ich bin nur ein Mensch und wie viele Menschen in einer Ausnahmesituation schwach geworden", sagte der 26-jährige Gesamtdritte und Bergkönig dem Sender ORF am Mittwochabend.

Dopingsünder Kohl: "Bin schwach geworden"
DPA

Dopingsünder Kohl: "Bin schwach geworden"

Am vergangenen Montag war bekannt geworden, dass in der A-Probe von Kohl das verbotene Epo-Präparat Cera gefunden worden war. Dieses Mittel hatten die Dopingkontrolleure zuvor auch beim ebenfalls positiv getesteten früheren Teamkollegen Stefan Schumacher gefunden.

Unterdessen gibt es vom Team Gerolsteiner eine gemeinsame Erklärung, die von nahezu allen deutschsprachigen Mitgliedern des Teams unterzeichnet wurde und in dem man sich von Schumacher und Kohl distanziert. "Eine Beteiligung an den vermeintlichen Dopingpraktiken dieser Personen wird von uns komplett ausgeschlossen. Speziell die Fahrer, die die Tour 2008 für das Team Gerolsteiner gefahren sind, haben nichts bemerkt von dahingehenden Machenschaften der beiden Fahrer und weisen jede Mitwisserschaft oder gar Duldung von sich", heißt es in dem Schreiben.

Im Team habe es kein "Dopingsystem" gegeben, weder geduldetes noch organisiertes Doping. In dem von 29 Personen unterzeichneten Schreiben wurden zudem deutliche Worte an Schumacher und Kohl gerichtet. "Wir fordern hiermit Stefan Schumacher und Bernhard Kohl auf, vorbehaltlos die Wahrheit zu sagen und sich nicht mit anderen notorischen Dopingbetrügern gemein zu tun, nur um vom eigenen mangelnden Fair-Play-Verständnis abzulenken. Nennt eure Mitwisser, Lieferanten, Ratgeber und deckt die Hintergründe und Hintermänner auf", heißt es weiter.

Zumindest Kohl kam nun einem Teil der Aufforderung nach und outete sich als Dopingsünder. Der Bergspezialist verzichtet auf die Öffnung der B-Probe und muss mit einer zweijährigen Sperre rechnen. Das Strafmaß könnte sich aber auch verkürzen, sollte Kohl bei der Aufklärung helfen - und dazu ist er offenbar bereit. Die Hintermänner wolle er zwar jetzt noch nicht nennen. "Ich werde sie aber zur gegebenen Zeit bekanntgeben", sagte Kohl, der sich besonders bei seinem Teamchef Hans-Michael Holczer entschuldigte: "Im Gerolsteiner-Team hat es zu meiner Zeit kein systematisches Doping gegeben, Manager Holczer wusste von gar nichts. Er kämpfte vehement gegen Doping. Deshalb tut es mir besonders leid, ausgerechnet ihn enttäuscht haben."

mti/sid/dpa



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