Langstreckenläuferin Klosterhalfen Im Spurt in die Weltspitze

Konstanze Klosterhalfen ist das größte Versprechen der deutschen Leichtathletik. Gerade erst hat die 21-Jährige einen deutschen Rekord aufgestellt. Bei der WM in England will sie ihre Weltklasse beweisen.

Getty Images

Von Thorsten Eisenhofer


"Das passiert einfach so", sagte Konstanze Klosterhalfen vor rund zwei Wochen. Die 21-Jährige stand in der Helmut-Körnig-Halle im Dortmunder Messegelände, sie hatte ein einsames Rennen hinter sich.

"Passiert" war Folgendes: Bei den Deutschen Meisterschaften hatte sie den Titel über 3.000 Meter gewonnen - in sensationellen 8:36,01 Minuten. Ein neuer deutscher Rekord im Laufsport, 5,78 Sekunden schneller als Kathrin Ullrichs Bestzeit aus dem Jahr 1988 und Platz zwei in der Weltjahresbestenliste. Es war der jüngste Nachweis, dass Konstanze Klosterhalfen das derzeit wohl größte Talent der deutschen Leichtathletik ist.

Im rund 20-köpfigen Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die Hallen-Weltmeisterschaften von Donnerstag bis Sonntag in Birmingham ist Klosterhalfen die große Medaillenhoffnung. Sie läuft gleich am ersten Tag. Außer der Athletin von Bayer Leverkusen steht nur noch 60-Meter-Sprinterin Tatjana Pinto unter den Top drei der aktuellen Weltjahresbestenliste.

Fotostrecke

6  Bilder
Konstanze Klosterhalfen: Das ist Deutschlands Laufhoffnung

Klosterhalfen gilt vielen Experten als Jahrhunderttalent, als eine, der es in absehbarer Zeit zuzutrauen ist, gegen Weltklasseläuferinnen wie die Weltrekordlerin und Titelverteidigerin Genzebe Dibaba aus Äthiopien zu bestehen - große Erwartungen, großer Druck.

Idriss Gonschinska, in der DDR als Hürdenläufer selbst Spitzenathlet und derzeit Leitender Direktor Sport beim Deutschen Leichtathletik-Verband, versucht dagegenzuwirken und sagt: "Das eine sind nationale Rekorde, das andere ist internationale Erfahrung." Klosterhalfen selbst sagt, sie beschäftige sich nicht mit ihren Gegnerinnen, wisse nicht, wo die Rekorde stehen. Man kann ihr das glauben. Muss es aber nicht. Es ist aber sicherlich ein Weg, um mit den öffentlichen Erwartungen umzugehen.

Aus den wenigen Rückschlägen in ihrer Karriere scheint sie die richtigen Schlüsse zu ziehen. So wie nach der WM in London im vergangenen Jahr, als sie wegen eines taktischen Fehlers den Endlauf verpasste. Ihr Halbfinale sei "das erste internationale Rennen, in dem man mich ein bisschen kannte" gewesen, sagt Klosterhalfen. Sie ging es schnell an, setzte sich, musste dann aber ihrem Tempo Tribut zollen - und schied letztendlich aus.

Sie versuche nun "lockerer ranzugehen, den Druck und die Erwartungen nicht an mich ranzulassen". Kurz nach der WM jedenfalls besiegte sie über 3000 Meter fast die komplette Weltelite. DLV-Mann Gonschinska sagt: "Sie ist selbstbewusst, sie entwickelt sich, sie lernt neue taktische Varianten."

Auf den Strecken 800 Meter bis 5000 Meter Weltklasse

Viele gehypte Talente haben es später nicht geschafft, ihre Leistungen regelmäßig abzurufen. Allerdings haben nahezu alle Läuferinnen, die wie Klosterhalfen in der ewigen europäischen U23-Bestenliste über 1500 oder 3000 Meter unter den Top Ten standen, später Medaillen bei einer internationalen Meisterschaft im Erwachsenenbereich gewonnen. Die Deutsche hat den ersten schwierigen Schritt, den Übergang von den Junioren in den Nachwuchsbereich, erstaunlich gut bewältigt und sich dort von Jahr zu Jahr gesteigert.

2017 lief die U23-Europameisterin zu einem ganz besonderen Triple: 800 Meter unter zwei Minuten (1:59,65 min), 1500 Meter unter vier Minuten (3:59,30) und 5000 Meter unter 15 Minuten (14:51,38) - und das im Alter von 20 Jahren. Mittlerweile ist sie auf den Strecken von 800 bis 5000 Meter nicht nur die nationale Nummer eins, sondern auch in der Weltspitze angekommen. Über 1500 und 3000 Meter war sie im Vorjahr jeweils die Nummer vier der Welt.

Und der Rummel um ihre Person, den sie inzwischen ausgelöst hat? Den empfindet Klosterhalfen nur positiv: "Es ist ein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass man mit dem, was man gerne macht, auch noch andere Leute begeistert."



insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
freddy74 01.03.2018
1. Weltklasse - abwarten!
Das Mädel ist gut. Okay. Aber Weltklasse? Was die bei Olympia in Rio 2016 angestellt hat, ärgert mich noch heute. Im ersten Lauf rennt die 2 Stadionrunden vor Ende allen weg, wird eingeholt und schafft gerade noch so die Quali fürs Halbfinale. Das war ein Riesenfehler. Nun zum Halbfinale, 2 Tage später: Wieder rennt sie 2 Runden vor Ende allen weg, wird wieder eingeholt und verpasst so das Olympia-Finale. Geht's noch? Wenn die Trainer ihr nicht diesen Unsinn mit dem Wegrennen ausreden, wird die leider nie eine Große, denn dazu muss man auch mal taktisch laufen können und schauen was die anderen machen.
jujo 01.03.2018
2. ....
Zitat von freddy74Das Mädel ist gut. Okay. Aber Weltklasse? Was die bei Olympia in Rio 2016 angestellt hat, ärgert mich noch heute. Im ersten Lauf rennt die 2 Stadionrunden vor Ende allen weg, wird eingeholt und schafft gerade noch so die Quali fürs Halbfinale. Das war ein Riesenfehler. Nun zum Halbfinale, 2 Tage später: Wieder rennt sie 2 Runden vor Ende allen weg, wird wieder eingeholt und verpasst so das Olympia-Finale. Geht's noch? Wenn die Trainer ihr nicht diesen Unsinn mit dem Wegrennen ausreden, wird die leider nie eine Große, denn dazu muss man auch mal taktisch laufen können und schauen was die anderen machen.
Vielleicht hat die junge Frau einen Dickkopf, damit ist sie vor die Wand gelaufen. Sie wird nicht so blöd sein nicht darausgelernt zu haben. Mal sehen wie es mit ihr weitergeht. Sieht man sich die Strecken an die sie läuft, scheint sie ja über Sprint- und Stehvermögen zu verfügen.
taste-of-ink 01.03.2018
3. Ganz ehrlich:
Wenn es nur das (bislang) fehlende Gespür für Taktik ist. Die Dame ist 20 Jahre jung. Die Laufzeiten sind bereits Weltklasse. Und das Gespür für die richtige Taktik kommt mit zunehmender Erfahrung so oder so.
lollopa1 01.03.2018
4. oh freddy74......
2016 war das Mädel 18 Jahre, und wie man in diesem Alter ist sollten Sie doch selber mal mitgemacht haben. Sie wird noch lernen und dann werden auch alle Meckerer sich dann mal entschuldigen
The Restless 01.03.2018
5.
Zitat von freddy74Das Mädel ist gut. Okay. Aber Weltklasse? Was die bei Olympia in Rio 2016 angestellt hat, ärgert mich noch heute. Im ersten Lauf rennt die 2 Stadionrunden vor Ende allen weg, wird eingeholt und schafft gerade noch so die Quali fürs Halbfinale. Das war ein Riesenfehler. Nun zum Halbfinale, 2 Tage später: Wieder rennt sie 2 Runden vor Ende allen weg, wird wieder eingeholt und verpasst so das Olympia-Finale. Geht's noch? Wenn die Trainer ihr nicht diesen Unsinn mit dem Wegrennen ausreden, wird die leider nie eine Große, denn dazu muss man auch mal taktisch laufen können und schauen was die anderen machen.
Wieso ärgern Sie sich darüber? Sie sind doch nur der Zuschauer auf dem Sofa, während 'das Mädel' seine Läufe gerannt ist. Sie darf ja wohl noch laufen, wie sie es für richtig hält. Dass sie damit noch keine Weltklasse erreicht hat, steht auf einem anderen Blatt ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.