DLV-Läuferin Konstanze Klosterhalfen Auf Angriff

Konstanze Klosterhalfen gehört zu den Toptalenten in der deutschen Leichtathletik. Bei der EM versucht sich die erst 21-Jährige über die 5000-Meter-Strecke - mit guten Aussichten auf eine Medaille.

Konstanze Klosterhalfen
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Konstanze Klosterhalfen

Von León Küther


Konstanze Klosterhalfen hat keine leichten Monate hinter sich. Die Mittelstreckenläuferin litt unter Knieproblemen und konnte wochenlang nur eingeschränkt trainieren. Da wird der sportliche Alltag eintönig. An Wettkämpfe war nicht zu denken. Auf dem Trainingsplan stand: Aquajogging und nochmal Aquajogging. Immerhin: Es hat sich gelohnt.

Nach einem Trainingslager in St. Moritz und drei Wettkämpfen im Juli, ist sie einsatzbereit und voller Tatendrang. Nach überwundenen Verletzungssorgen möchte die Athletin auch bei der Europameisterschaft in Berlin angreifen. Am Sonntagabend (20.15 Uhr, ARD) geht sie im 5000-Meter-Finale an den Start.

Zu Anfang des Jahres lief es schon gut. Über 1500 und 3000 Meter lief die Sportjournalismusstudentin in der Halle zwei starke Rennen. Nachdem sie erst ein Indoor-Meeting in Karlsruhe mit 4:04 über 1500 Meter für sich entschied, lief sie in Dortmund ein paar Tage später einen deutschen Hallenrekord über 3000 Meter (8:36:01). Auf dieser Strecke ist sie die schnellste U23-Läuferin Europas. Nebenbei bemerkt: Klosterhalfen ist erst 21 Jahre alt.

Im Mittelpunkt nur auf der Laufbahn

Es ist klar, dass dadurch die Erwartungen steigen. Das mediale Interesse wird auch immer größer. Für die junge Athletin ist es deshalb wichtig, mal Abstand zu bekommen - einfach mal nicht den Fokus aufs Laufen zu legen. Dies gelingt ihr beim Klavierspielen, Treffen mit Freunden oder beim Studieren an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Wirft man einen Blick auf ihre Social-Media-Aktivitäten, kann man das allerdings kaum glauben. Bei Instagram verlinkt die Läuferin auf einen YouTube-Clip, indem sie sich selbst vorstellt. Eins wird sofort deutlich: Klosterhalfen lebt fürs Laufen. Sie ordnet dem Sport alles unter und hinterlässt einen selbstbewussten Eindruck. Eben so, wie man das von einer deutschen Nachwuchshoffnung erwartet.

Sie selbst hat sich in einem Interview mal so beschrieben: zuerst eher zurückhaltend und dann offen, sobald man die Menschen besser kennenlernt. Sie will sich gar nicht in den Mittelpunkt drängen. Wenn der Startschuss ertönt, ist sie es aber doch meist zwangsläufig - im Mittelpunkt. Dann gibt es für die Athletin, die für den TSV Bayer 04 Leverkusen startet, kein Halten mehr.

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Klosterhalfen präsentiert sich angriffslustig und scheut sich auch nicht, die Großen ihrer Disziplin zu attackieren. Sie mag keine Spielchen und vor allem kein verbummeltes Rennen, wie sie der "Runner's World" im Interview sagte. Klosterhalfen will ein Rennen von vorne gestalten. Als sie vor zwei Jahren erstmals bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an den Start ging, führte sie das Feld mutig an. Am Ende scheiterte die 21-Jährige im Vorlauf. Bessere Gelegenheiten, daraus zu lernen, gibt es kaum.

In Berlin zählt Klosterhalfen zu den deutschen Leichtathletikhoffnungen. Allerdings geht sie nicht wie üblich über 1500 Meter, sondern über 5000 Meter an den Start. Die EM-Norm (15:40 Minuten) über diese Strecke hat sie vor einem Monat im belgischen Kortrijk quasi im Vorbeilaufen abgehakt (15:19:93). Ihr Trainer Sebastian Weiß erklärte im "Tagesspiegel", dass ihr die Erfahrung über 1500 Meter bei der fünf Kilometer langen Strecke nach hinten heraushelfen könne. Es soll ihre neue Spezialstrecke werden.

Ob diese Taktik aufgeht, wird sich am Sonntag zeigen. Dann haben gleich mehrere Läuferinnen Ambitionen auf Gold bei den European Championships. Sowohl die amtierende Europameisterin Yasemin Can (15:18:15), als auch die gebürtigen Afrikanerinnen Meraf Bahta und Sifan Hassan, die für Schweden und die Niederlande an den Start gehen, zählen ebenso wie die Britin Elish McColgan zu den Favoritinnen. Aber sie alle haben auch eine 21-jährige junge Deutsche als Konkurrentin auf dem Zettel.

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insgesamt 2 Beiträge
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Schmattke 12.08.2018
1. Daumen drücken
Eine tolle Frau mit sympathischer Ausstrahlung und mutig von ihr als Spezialisten auf den kürzeren Mittelstrecken jetzt schon auf die 5000 Meter zu gehen. Sollte es zu einem Sprintduell am Ende kommen, dürfte sie allerdigs gute Aussichten haben, viel Glück!
Ostwestfale 12.08.2018
2.
Leichtathleten oder auch Schwimmer verdienen viel mehr Anerkennung ihrer Leistung. Es ist die pure Leidenschaft für den Sport. Eine Klosterkemper, Gesa krause und andere werden z.B. über das Trainingspensum einesFußballers nur müde lächeln. Damit könnten sei keinen Blumentopf gewinnen. Und finanziell rentiert sich der Leistungssport für Leichtathleten auch nicht.Hut ab vor den Leistungen.
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