Korruptionsvorwürfe: IOC setzt Fifa unter Druck

Die Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees untersucht Korruptionsvorwürfe gegen drei IOC-Mitglieder. Darunter befinden sich der ehemalige Fifa-Präsident João Havelange und der afrikanische Fußball-Verbandschef Issa Hayatou.

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Fifa-Wahlurne: IOC untersucht Vorwürfe gegen Fifa-Mitglieder

Hamburg - Im Kampf gegen Korruption untersucht die Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Vorwürfe gegen drei Mitglieder des Weltverbands. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Dabei soll es sich um den langjährigen Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa, João Havelange (Brasilien), den afrikanischen Fußball-Kontinentalchef Issa Hayatou (Kamerun) und den Chef des Leichtahtletik-Weltverbandes IAAF, Lamine Diack (Senegal), handeln. Havelange ist Ehrenpräsident der Fifa, zwischen 1974 und 1998 stand er an der Spitze des Verbandes.

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und IOC-Vize, erklärte: "Dazu kann ich nichts sagen. Das ist noch neu, die Kommission wird sich damit befassen." IOC-Präsident Jacques Rogge hatte bereits am Dienstag bekanntgegeben, dass die Ethikkommission Vorwürfe gegen solche Sportfunktionäre untersuche, die sowohl im IOC als auch in der Fifa einen Sitz haben.

Die Vorwürfe stammen großenteils aus der Bestechungsaffäre um die frühere Schweizer Sportagentur ISL. Die 2001 in Konkurs geratene Agentur hat nach Feststellung des Strafgerichts im Kanton Zug für den Erwerb von Marketing- und Fernsehrechten zwischen 1989 und 2001 Schmiergeldzahlungen an Sportfunktionäre gezahlt. Havelange und dessen Schwiegersohn, der brasilienische Verbandspräsident Ricardo Teixeira, sollen dabei 9,5 Millionen US-Dollar erhalten haben.

Die Fifa hatte nach dem Bekanntwerden der Affäre kein größeres Interesse gezeigt, die Vorwürfe zu verfolgen. Im Gegenteil. Im Juni 2010 teilte die Strafbehörde in Zug mit, Fifa-Funktionäre hätten insgesamt 5,5 Millionen Franken zurückgezahlt, die Affäre wurde nach Paragraf 53 des Schweizer Strafgesetzes still beigelegt. Seitdem blockiert die Fifa die Veröffentlichung der Einstellungsverfügung. Die IOC-Ethikkommission will nun Einblick in die Prozesspapiere nehmen.

"Ausschließen kann man nichts"

Zudem sollen Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar in die Untersuchung einbezogen werden. Trotz des katastrophalen Bildes, das die Fifa zuletzt in der Öffentlichkeit abgegeben hatte, war Präsident Blatter am 1. Juni dennoch mit deutlicher Mehrheit für eine vierte Amtsperiode als Chef bestätigt worden. Am 11. Juni hatte Louis Giskus, Präsident des Fußballverbands von Surinam, zudem eingeräumt, vor der Präsidentenwahl 40.000 Dollar in bar erhalten zu haben.

Giskus sagte, er sei zunächst nicht misstrauisch geworden, weil Funktionäre häufig Geld von der Fifa bekämen. Als die Fifa-Exekutivkomitee-Mitglieder Mohammed Bin Hammam und Vizepräsident Jack Warner dann jedoch wegen Korruptionsverdacht suspendiert worden seien, habe er das Geldgeschenk dem Ethikausschuss der Fifa gemeldet. Bin Hammam und Warner bestreiten, Funktionären Geld gegeben zu haben.

Auch innerhalb des IOC im Zuge der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 hält Bach Korruption nicht für ausgeschlossen. "Wir können uns dem Verfahren voller Vertrauen stellen. Es ist transparent, die Regeln sind sehr, sehr streng, und mit der IOC-Ethikkommission steht ein Instrument zur Verfügung, um solche Verstöße aufzudecken - aber ausschließen kann man nichts", sagte Bach.

Die Olympischen Winterspiele werden am 6. Juli in Durban (Südafrika) vergeben. Konkurrenten von München sind dabei Pyeongchang aus Südkorea und das französische Annecy.

jar/sid

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Mich wundert im Sport mittlerweile nicht mehr...
gerd1407 16.06.2011
ich traue auch niemanden mehr. Und, ich kann mir jede Schweinerei dort sehr gut vorstellen. Wenn so viel Geld im Spiel ist, ist alles möglich. Deshalb bin ich auch gegen jedes internationale Sportspektakel wo auch immer. Dort wird bestochen, da wird gedopt.....Geld, Geld, Geld
2. Pot calling the Kettle black?
gonzago.mabuse 16.06.2011
Zitat von sysopDie Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitees untersucht Korruptionsvorwürfe gegen drei IOC-Mitglieder.*Darunter befinden sich der ehemalige*Fifa-Präsident João Havelange und*der afrikanische Fußball-Verbandschef Issa Hayatou. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,768852,00.html
Oder den Teufel mit dem Beelzebub austreiben? Die zwei grössten Korruptionsveranstaltungen des Planeten hetzen ihre lächerlichen "Ethikkommissionen" aufeinander... Absurder geht es wohl kaum noch. Jetzt fehlen nur noch die Radsportverbände... g.m
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Fifa-Skandal: Warner suspendiert, Blatter entlastet

Die Präsidenten der Fifa
Amtszeit Präsident
1904-1906 Robert Guérin (Frankreich)
1906-1918 Daniel B. Woolfall (England)
1921-1954 Jules Rimet (Frankreich)
1954-1955 Rodolphe W. Seeldrayers (Belgien)
1955-1961 Arthur Drewry (England)
1961-1974 Stanley Rous (England)
1974-1998 João Havelange (Brasilien)
seit 1998 Joseph S. Blatter (Schweiz)
Konföderationen der Fifa
Verband Bereich Präsident
AFC Asien Mohamad bin Hammam*
Caf Afrika Issa Hayatou
Concacaf Nord-, Mittelamerika, Karibik Jack Warner**
Conmebol Südamerika Nicolas Leoz
OFC Ozeanien David Chung
Uefa Europa Michel Platini
* nach Suspendierung vertreten durch Jilong Zhang
** nach Suspendierung vertreten durch Lisle Austin