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12. September 2018, 11:58 Uhr

Kristina Vogel über Querschnittlähmung

"Fühle mich wie ein Baby, das neu lernen muss"

Im SPIEGEL gab Kristina Vogel ihre Querschnittlähmung bekannt, nun lud die Olympiasiegerin zur Pressekonferenz. Dabei sprach sie auch über den Niederländer, mit dem sie zusammengestoßen war: "Er hat sich noch nicht gemeldet."

Am vergangenen Freitag hatte Kristina Vogel ihre Querschnittlähmung im Interview mit dem SPIEGEL öffentlich gemacht (lesen Sie hier das komplette Interview). Nun sprach die 27-Jährige auch auf einer Pressekonferenz über ihren schweren Unfall und die dabei entstandene Verletzung.

Die Bahnrad-Olympiasiegerin von 2012 und 2016 gab sich bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt kämpferisch, wirkte wie bereits im SPIEGEL-Gespräch positiv und bedankte sich für die große Unterstützung, die sie in den vergangenen Tagen erfahren habe. "Ich hätte niemals gedacht, dass das weltweit solche Wellen schlägt."

Nach ihrer langen Zeit im Krankenhaus fühle sie sich "wie ein Baby, das alles neu lernen muss". Mittlerweile habe sie keine Schmerzen mehr, "eher Muskelkater. Ich habe jahrelang gekämpft, dass die Muskeln wachsen und meine Beine dicker werden. Und nach zwei Monaten ohne Bewegung fängt man bei null an. Das ist gemein", sagte Vogel, die bereits daran arbeitet, körperlich und in ihrem Alltag selbstständiger zu werden.

Auch ihr behandelnder Arzt sprach von großen Fortschritten. Er sagte, Vogel könne es schaffen, bis Weihnachten ein eigenständiges Leben zu führen. "Mit einer Kiste Bier aus dem Keller holen, wird es aber schwer", sagte der Arzt.

"Ich gebe keinem die Schuld"

Vogel war beim Training auf einer Betonbahn in Cottbus am 26. Juni bei einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde mit einem jungen Fahrer aus den Niederlanden kollidiert. Ihr Rückenmark wurde dabei am siebten Brustwirbel durchtrennt. Vogel wurde zweimal operiert und lag mehrere Tage im Koma. "Mitleid bringt mich nicht weiter", sagte sie über diese Zeit: "Ich hätte tot sein können."

Angesprochen auf den Unfall und den niederländischen Profi sagte Vogel: "Zu dem Fahrer hatte ich noch keinen Kontakt. Er hat sich noch nicht gemeldet", sagte sie und ergänzte: "Mir stellt sich die Schuldfrage auch nicht. Ich gebe keinem die Schuld, das klären andere." Auch der niederländische Verband habe sich nicht bei ihr gemeldet.

Der verunglückten Doppel-Olympiasiegerin ist finanzielle Hilfe bei ihrer Rehabilitation sicher. Eine Sport-Versicherung zahlt 150.000 Euro an Vogel. Das hatte der Landessportbund Thüringen am Dienstag mitgeteilt. Zudem sind bisher bei einer Spendenaktion ihres Chemnitzer Teams unter dem Motto #staystrongkristina rund 120.000 Euro zusammengekommen. Vogel will das Geld auch zum behindertengerechten Umbau ihres Hauses in Erfurt verwenden.

jan

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