Kündigung: T-Mobile will Ullrichs Aussage erzwingen

Für Olaf Ludwig, Manager des T-Mobile-Rennstalls, ist trotz der Kündigung eine Kooperation mit Jan Ullrich möglich. Der des Dopings verdächtige Radprofi müsse jedoch zur Klärung des Falls beitragen. Immerhin droht Ullrich keine strafrechtliche Verfolgung in Spanien.

Hamburg – "Weder von Oscar Sevilla noch von Jan Ullrich ist eine Erklärung gekommen, die ihre Unschuld bewiesen hätte. Ich habe lediglich Jans Stellungnahme erhalten, deren Inhalt belanglos ist", sagte Ludwig heute. Gestern war bekannt geworden, dass T-Mobile Ullrich fristlos gekündigt hatte. "Die Kündigung ist erfolgt, weil wir glauben, dass Ullrich und Sevilla in den spanischen Dopingskandal verwickelt sind", erklärte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert.

Verdächtiger Ullrich: "Seine Unschuldsbekenntnisse sind keine"
AFP

Verdächtiger Ullrich: "Seine Unschuldsbekenntnisse sind keine"

"Es gibt noch einen Gesprächtermin. Eine Vermittlung zwischen uns und Jan ist nicht ausgeschlossen. Es sei denn, Jan und Oscar können keinen Beweis erbringen, dass es keine Verwicklungen ihrerseits mit dem spanischen Arzt Fuentes gab", betonte Ludwig. Vorwürfe, sich unfair gegen Ullrich verhalten zu haben, wies Ludwig zurück: "Wir veranstalten keine Hexenjagd. Wir behaupten auch nicht, dass er positive Dopingproben abgegeben hat. Seine Unschuldsbekenntnisse sind aber keine."

Ullrich kritisiert das Verhalten seines bisherigen Arbeitgebers. "Es liegt mir am Herzen, nochmals klarzustellen, dass ich über die Kündigung sehr überrascht war", schrieb er heute auf seiner Homepage. Der 32-Jährige, der wie Sevilla unmittelbar vor dem Start der 93. Tour de France suspendiert worden war, beklagt, dass sich T-Mobile nicht an Absprachen halten würde. Das Team habe Fakten geschaffen, obwohl "für eine mögliche Kündigung eine Fristverlängerung bis Ende nächster Woche" verabredet worden sei.

"Die Kündigung ist unbegründet. Sofern das für die nächste Woche geplante Gespräch keine Einigung bringt, wird Jan Ullrich die Kündigung gerichtlich anfechten", sagte dessen Manager Wolfgang Strohband. Betreuer Rudy Pevenage war schon vor einigen Tagen gekündigt worden. Ullrich wird vorgeworfen, in den spanischen Blutdoping-Skandal um den Madrider Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt zu sein. Er hatte bei seiner Abreise vom Tour-Startort Straßburg am 30. Juni die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten und erklärt, seine Unschuld beweisen zu wollen.

Auch wenn Ullrich und die 57 anderen verdächtigen Fahrer überführt würden, müssten sie sich in Spanien nicht strafrechtlich verantworten. Anklagen wegen Verstoßes gegen die "öffentliche Gesundheit" hätten nur Fuentes und dessen Kollege José Merino Bartres sowie drei weitere Angeklagte zu erwarten, teilte heute eine Sprecherin des mit dem Fall befassten Gerichts in Madrid mit. "Wenn nötig, werden die Radprofis als Zeugen gehört", hieß es. Ullrichs Karriere dürfte dennoch beendet sein: Dem in Scherzingen lebenden Athleten droht eine mehrjährige Sperre durch den Schweizer Radsportverband.

ach/sid/dpa

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insgesamt 566 Beiträge
wühlmaus 21.07.2006
Bis wieder eine Generation nachgewachsen ist, die U. die Rolle als Opfer einer Verschwörung abkauft, ist er 52... Ergo: Der ist weg vom Fenster. T-Mobile wird jetzt das getan haben, was deren Juristen meinen vertreten zu [...]
Bis wieder eine Generation nachgewachsen ist, die U. die Rolle als Opfer einer Verschwörung abkauft, ist er 52... Ergo: Der ist weg vom Fenster. T-Mobile wird jetzt das getan haben, was deren Juristen meinen vertreten zu können - so wie U. vorher das unterlassen hat wozu ihm seine Rechtsverdreher rieten. Bin mal gespannt, was U. jetzt von sich hören lässt.
tedric 21.07.2006
Ich will endlich stichhaltige Beweise sehen. Egal, ob sie positiv oder negativ ausfallen, aber solange nichts bewiesen ist, sollte man Jan Ullrich nicht vorverurteilen. Sieht zwar nicht gut aus für "uns Ulle", [...]
Ich will endlich stichhaltige Beweise sehen. Egal, ob sie positiv oder negativ ausfallen, aber solange nichts bewiesen ist, sollte man Jan Ullrich nicht vorverurteilen. Sieht zwar nicht gut aus für "uns Ulle", andererseits halte ich die negative Stimmungsmache mancher Schreiberlinge für höchst verwerflich. Für den Menschen Ullrich muß das die Hölle sein - wenn er unschuldig ist, und das sollte man erstmal vermuten. Daß er sich vielleicht nicht besonders geschickt geäußert hat und verhält, steht auf einem anderen Blatt. Mit nem DNS-Test könnte er, wenn man den Medien glaubt, wohl schnell seine Unschuld beweisen. Aber so läuft das in unserem Rechtssystem eben nicht, die Schuld muß bewiesen werden, nicht die Unschuld. Wär schlimm, wenn's andersrum wäre.
firenze 21.07.2006
Davon mal abgesehen, dass ich völlig unvoreingenommen bis, was den Ausgang der Ermittlungen angeht finde ich es doch ein starkes Stück, dass von einer Person verlangt wird, dass sie einen Unschuldsnachweis erbringt. Was bitte soll [...]
Davon mal abgesehen, dass ich völlig unvoreingenommen bis, was den Ausgang der Ermittlungen angeht finde ich es doch ein starkes Stück, dass von einer Person verlangt wird, dass sie einen Unschuldsnachweis erbringt. Was bitte soll das? Jeder Jurastudent wird zustimmen, dass es nahezu unmöglich ist, einen solchen 'negativen Beweis' zu erbringen. Wenn ein Auto geklaut wird und jemand schreibt meinen Vornamen am Tatort auf die Erde, muss ich dann beweisen, dass ich nicht die gesuchte Person bin, die das AUto wirklich geklaut hat? Nein. Man muss mir beweisen, dass ich es war und zwar stichhaltig, sonst gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Dieses Prinzip gilt in jedem Rechtsstaat. Es sollte auch für Sportler gelten und tut es auch. Dass man einem Fahrer eine Frist von zwei Wochen setzt, damit er seine Unschuld beweist, wenn offensichtlich noch nicht einmal genaue Vorwürfe vorliegen, außer der vagen Andeutung, dass es Blubeutel mit dem Namen Jan gab (der auch nicht soo selten ist) und das Team auch noch zugibt, dass es keine neuen Erkenntnisse hat und den Fahrer aber trotzdem kündigt, zeigt mir doch mal wieder, wie sehr in Deutschland auf Medien gehört wird. In vielen Medien wird Ullrich als der Schuldige dargestellt. Vielleicht ist er das. Wahrscheinlich ist er nicht der einzige. Aber egal, was er ist, solange man ihm nichts beweisen kann, ist er unschuldig. Punkt. Und sollte das so bleiben, dann wird das T-Mobile richtig Geld kosten, weil sie mal wieder voreilig die meinungsbildenden Medien zufriedengestellt haben und ein anderer Rennstall nimmt Ullrich mit Kusshand. Denn mal ehrlich, wer glaubt denn bitte, dass auch nur ein Fahrer eine dreiwöchige Tortur wie die Tour de France übersteht ohne irgendetwas zu nehmen???
PeteristMueller 21.07.2006
Fraglich bleibt für mich die Tatsache, warum man mit einem DNA-Test nicht nur die Unschuld, sondern auch gffs. die Schuld beweist. Warum wird also dieser Test nicht von den Ermittlungsbehörden gefordert und das Thema wäre dann vom [...]
Fraglich bleibt für mich die Tatsache, warum man mit einem DNA-Test nicht nur die Unschuld, sondern auch gffs. die Schuld beweist. Warum wird also dieser Test nicht von den Ermittlungsbehörden gefordert und das Thema wäre dann vom Tisch? Ansonsten sehe ich die Kündigung als gerechtfertigt. J. Ullrich ist seinem Arbeitgeber eine Leistung schuldig, die er nicht erbracht hat. Anstatt gegen das große T zu ziehen, sollte er dann lieber die verklagen, die ihn an der Ausübung seiner vertraglich geforderten Leistungen hindern. PM
wühlmaus 21.07.2006
Wie ich schon mal im laufenden Doping-Thread spekuliert habe: Es geht allein um die Fortzahlung von U.'s Bezügen. Hierzu folgende kurze Wahrscheinlichkeitsbetrachtung: Ich unterstelle mal, dass er mit 99%iger [...]
Zitat von sysopHat der Bonner Rennstall vorschnell und übertrieben gehandelt, da Ullrich bislang nur verdächtigt, aber noch nicht überführt ist?
Wie ich schon mal im laufenden Doping-Thread spekuliert habe: Es geht allein um die Fortzahlung von U.'s Bezügen. Hierzu folgende kurze Wahrscheinlichkeitsbetrachtung: Ich unterstelle mal, dass er mit 99%iger Wahrscheinlichkeit irgendwann mal des Blutdopings rechtskräftig überführt wird (das fehlende 1% habe ich mal zu U.'s Gunsten "postuliert", getreu dem Motto: "Ein letzter Zeifel für den Angeklagten"). Nun könnte T-Mobile generös und fair sein und so lange warten, bis sie ihm irgendwann mal mit 100% Berechtigung fristlos kündigen können. Ich kenne seinen Vertrag nicht, vermute aber, dass sie ihm dann nicht mehr rückwirkend auf den Tag der Handlung kündigen können, sondern nur noch per sofort. Also zahlen sie bis dahin - mit 99%iger Sicherheit grundlos - sein Gehalt weiter. Und haben obendrein den Schaden, als ein Rennstall dazustehen, der mit Dopern gemeinsame Sache macht (ob zu recht oder unrecht, ist eine ganz andere Frage, welche die Anwälte im Moment wenig scheren wird). Gesetzt nun aber den Fall, Weihnachten und Ostern fallen tatsächlich auf einen Tag und U. kann irgendwann seine Unschuld beweisen. Dann müssen sie halt nachzahlen, und evtl. einen fiktiven Verdienstausfall aus entgangenen Werbeverträgen obendrein. Risiko dafür: das postulierte 1%. Ich bin kein Jurist, vermute aber mal, dass T-Mobile mit diesem Schritt auch versuchen will, die Beweislast umzudrehen. Sie werden alles Belastende was sie bis jetzt haben - und ich schätze mal das ist mehr als die Öffentlichkeit bis jetzt kennt - vorlegen und daraus einen hinreichenden Anfangsverdacht basteln. Kann mir nicht vorstellen, dass ein Richter diesen Verdacht als zu schwach einfach so abschmettert, ohne a bisserl neugierig zu sein, ob er denn tatsächlich zutrifft oder nicht (und nichts ist ja einfacher als dieses zu klären). Und wenn U. dann immer noch herumdruckst und sich ziert, dann kriegt er halt die Beweislast offiziell aufgebrummt und a Ruh' iss'. Dieser Schritt von T-Mobile ist für mich sowas von logisch, dass man sich fragt, warum er nicht schon längst erfolgte. Ich vermute mal, dass sie lediglich abgewartet haben, welches öffentliche Echo U.'s Suspendierung auslöst, und dass das Ergebnis wohl so war, dass ihnen dieser Schritt nun gefahrlos geboten schien. Hält jemand dagegen ?
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  • Samstag, 22.07.2006 – 16:15 Uhr
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